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Parapsychologen, Kardiologen, Theologen, aber auch Wissenschaftler im Bereich der Anthropologie rätseln seit Ewigkeiten, wie die direkte Phase nach dem klinischen Tod eines Menschen verlaufen mag. Gibt es eine Zwischenwelt? Eine sofortige Widergeburt in einem neuen Körper? Einen Schwebezustand, aus dem man unabhängig von räumlichen Barrieren sich selbst und sein Umfeld beobachten kann?
Dieser Streifen geht der Frage ein wenig nach und lässt den Betrachter bis zuletzt im Unklaren, was im großräumigen Bestattungsinstitut tatsächlich mit den frisch eingetroffenen Körpern geschieht.

Anna (Christina Ricci) stirbt bei einem Autounfall und erwacht auf dem Tisch des Bestatters Eliot (Liam Neeson). Sie sei tot, erklärt er ihr mehrfach, doch Anna will ihr Schicksal offenbar nicht akzeptieren, während ihr Verlobter Paul (Justin Long) ebenfalls das Gefühl beschleicht, dass Anna nicht wirklich verstorben ist…

Die überwiegend ruhige Erzählweise unter der Regie der gebürtigen Polin Agnieszka Wojtowicz-Vosloo erweist sich als stimmungsvoll, düster und natürlich makaber, denn wer will schon als Leiche abgestempelt werden, obgleich man keinen Schmerz mehr fühlt, jedoch Teile des Körpers noch bewegen kann.
Von Beginn an kristallisiert sich die Frage heraus, ob Anna tatsächlich tot ist und Bestatter Eliot die seltene Gabe hat, mit den Seelen im Zwischenreich zu kommunizieren oder ein perfides Spiel mit den Neuankömmlingen treibt, - am Ende könnte er sich ja alles nur eingebildet haben, da die jahrelange Gesellschaft von Leichen nicht gerade soziale Kontakte fördert.

Positiv fällt bei diesem leichten Verwirrspiel zumindest auf, dass man sich auch nach dem Abspann noch seine Gedanken machen kann, denn ganz eindeutig legt sich die Erzählung nicht fest oder übersieht schlichtweg derbe Logiklöcher.
Der weiße Van, ein für tot gehaltenes Küken, Atem auf einem Spiegel und Fläschchen mit der Aufschrift „Hydronium Bromide“ sprechen ebenso deutlich für die eine Richtung wie eine verheilende Wunde, eine augenscheinlich lethargische Mutter vor dem Fernseher und eine Injektion, die bei einer Leiche ohne zirkulierende Blutbahnen wenig Sinn ergeben würde.
Doch glücklicherweise kann man mit etwas Phantasie auch auf andere Lösungsmöglichkeiten kommen, denn eindeutig ist hier rein gar nichts.

„After Life“ ist auf jeden Fall hochkarätig besetzt. Liam Neeson mimt den ruhigen Bestatter mit vielen kleinen Nuancen auf den Punkt genau und überzeugt abermals mit ungeheurer Präsenz. Christina Ricci hat es da ein wenig schwerer, sich als zumeist nackte Halbleiche in den Vordergrund zu spielen, sie verleit dem Ganzen aber einen angenehm düsteren Gothic Touch. Justin Long mimt hingegen den Trauernden mit Hang zum Durchdrehen, was man ihm jederzeit abnimmt. Auch die Nebendarsteller wissen zu gefallen, vor allem die Personen, die als alte Menschen im Bestattungshaus landen und einfach nur auf dem Präpariertisch auf die Bestattung warten, was natürlich auch ein Verdienst der ausgezeichneten Maske darstellt.

Am ehesten ist der Streifen wohl als Mystic-Thriller zu definieren, der viel Wert auf kleine Szenen am Rande legt, die auf dem ersten Blick annähernd redundant erscheinen und erst im Nachhinein einen tieferen Sinn ergeben, womit man sich unweigerlich und auch von der Thematik her an „The Sixth Sense“ erinnert fühlt. Kein Wunder, dass hier ein elfjähriger Schüler mit einer scheinbar besonderen Fähigkeit reinpasst, der im Prinzip genauso wenig zur Handlung beiträgt wie ein befreundeter Cop des trauernden Verlobten.
Auch wenn in sich alles weitgehend schlüssig erscheint, so legt man zuweilen falsche Fährten, die sich storytechnisch als nichtig erweisen, da sie oftmals doch nur im Sande verlaufen.

Am Ende ist also jenes Publikum gefragt, welches bereit ist, sich voll und ganz auf die Handlung einzulassen und bereit ist, mehrere Blickwinkel zu durchleuchten.
Die im Kern schlichte und geradlinige Geschichte ist hervorragend besetzt, impliziert eine stimmungsvoll morbide Optik, bietet einige kleine Wendungen und baut Schritt für Schritt Suspense auf, um zum Finale noch einen minimalen Mind Fuck draufzusetzen und auch im Nachhinein noch zum leichten Grübeln anzuregen.
Nicht komplett fein durchdacht und auch nicht frei von leichten Unwahrscheinlichkeiten, doch anregend genug, um auch einer breiteren Masse empfohlen zu werden.
7,5 von 10

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