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Jeder Mensch fragt sich: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Und falls ja - wie sieht das Leben nach dem Tod denn aus? Wenn man den Türken im Dönerladen fragt, wird er Dir etwas anderes erzählen als meine Oma, die jeden Abend den Rosenkranz rauf und runter betet. Tom Cruise würde nochmal was anderes sagen, aber Dich erstmal einen Vertrag bei seinem Laden unterschreiben lassen. Ich als Agnostiker kann ganz unbeschwert an "After.Life" rangehen, ohne Existenzängste zu bekommen. Dennoch erwartete ich keine leichte Horror- oder Tortur-Kost, sondern Stoff, der zum nachdenken anregt.

Das Leben danach sieht für Anna (Christina Ricci) nicht rosig aus: Gerade erst Krach mit dem angehenden Verlobten Paul (Justin Long), wacht sie nach einem scheinbar tödlichen (man sieht es nicht) Autounfall in dem Bestattungsunternehmen von Eliot Deacon (Liam Neeson) auf. Mit einem "Who the fuck" fragt sich Anna, warum sie dort gelandet ist und es mit Sicherheit ein Versehen ist, erklärt ihr Bestatter Deacon, dass sie leider tot ist, drei Tage Zeit hat, sich auf den Tod vorzubereiten und Deacon die überaus mächtige Gabe hat, mit den Toten zu kommunizieren. Anna, die anfangs keine Körperregionen spüren kann, und erst im weiteren Verlauf wieder den Begriff "Aufstehen ohne Zivi" kennenlernt, will diesen Bullshit nicht glauben.

Die Kernfrage, die den Film am Leben hält, ist natürlich: Ist Anna wirklich über den Jordan? Oder ist Neeson nur ein psychopathischer Irrer?

Und genau diese Frage wird bis zum Schluss (und auch nach dem Abspann) nicht wirklich geklärt. Der Verwirrtheit von der Regisseurin sei dank.

Das kammerartige Spiel (da Neeson immer den Raum absperrt und Ricci somit keine Fluchtmöglichkeit hat) wird anfangs wenig spektakulär, aber dafür mit viel Suspense aufgebaut. Nervig sind da nur die Erklärbär-Methoden ihres Lovers, der den Hang zum Durchdrehen mit der Brechstange hat. Später ist man um diesen Part froh, da er etwas zu der arg wenig vorhandenen Spannung dazuträgt. Ein Schüler, der zu Beginn  zufällig ins Bild rutscht, bekommt in bester "Sixth Sense" auch immer mehr Bedeutung an dem Plot.

Zugegeben, die zwei Hauptdarsteller Ricci/Neeson spielen brilliant. Ricci als lebendige Tode, die zum Schluss viel Haut zeigt, holt eigentlich alles aus ihrer Rolle raus. Welten besser ist da noch Neeson, denn ihm kauft man zu jeder Zeit alle beiden Persönlichkeiten ab: Die des Gentleman-Bestatter, der immer wieder probiert, seine Leichen zu motivieren, bzw. auf der anderen Seite den eiskalten Psychopathen, der scheinbar sich das Ziel gesetzt hat, Menschen lebendig zu begraben. Bei diesem Schlawiner weiß man nie, wo man dran ist und Neeson trägt viel dazu bei, dass "After.Life" auf seinen wackeligen Beinen nicht umstürzen wird.

Denn neben geschickt platzierten Fährten, die den Zuschauer in die tot- oder lebendig-Richtung drücken sollen, gibt es auch diese Mindfucks "in schlecht".  Die Logik leidet manchmal dermaßen, wie es sich so ein Film dieser Sparte nicht leisten kann. Zudem zerren viele eingestreute Traumsequenzen an den Nerven des Zuschauers.

Das wahre Problem ist somit, dass man egal wieviel LSD man geschluckt hat, keine Interprätationsmöglichkeiten hat, was denn nun Sache ist, da irgendwie beide Möglichkeiten sein bzw. nicht sein können. Der Schluss-Twist will noch einen draufsetzen, doch auch hier wird wieder in beide Richtung gestreut. Somit bleibt ein Kammerspiel mit super aufgelegten Schauspielern und einer wirren Story, mit der man richtig auf die Kacke hauen könnte (wenn man eben die richtigen Zutaten in den Topf geschmissen hätte). Das was im Endeffekt rausgekommen ist, ist wie ein Hamburger ohne Fleisch. Lahmärschig und irgendwie ungenießbar.

Es ist wirklich schade, dass sich Regisseurin Wojtowicz-Vosloo (für den nächsten Film bitte einen einfachen Künstler-Namen zulegen! Danke) nicht für eine Richtung entscheiden konnte. Denn mit einem klaren Ende dürfte der Film als Geheim-Tipp im Mysterie-Genre zählen (und locker 8/10 Punkte einheimsen). So ist es eben nur ein Haufen Potential, das verschenkt wurde.

3/10

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