"Warum sterben wir?" ... "Um das Leben wichtig zu machen."
Bestatter Eliot Deacon (Liam Neeson) hat eine besondere Gabe: Er kann sich mit den Toten unterhalten, solange diese noch nicht bereit sind, ihr irdisches Leben hinter sich zu lassen. Zumindest will er dies die junge Lehrerin Anna (Christina Ricci) glauben lassen, die nach einem Autounfall auf seinem Bestattungstisch wieder zu Bewusstsein kommt. Anna kann sich nur noch an einen Streit mit ihrem Freund Paul (Justin Long) erinnern, den sie gerne ein letztes Mal sehen würde. Aber Deacon beteuert immer wieder, dass nur er mit ihr sprechen kann und sie auf dem Weg ihres Überganges zwischen Leben und Tod begleite. Währenddessen ist Paul niedergeschlagen und nicht bereit den Tod seiner Freundin zu akzeptieren. Im Bestattungsinstitut lässt Deacon ihn allerdings aufgrund der Gesetzeslage nicht zu ihr. Nur Familienangehörige ist dies gestattet. Paul wird das Gefühl nicht los, dass Deacon eigenmächtig handelt und auch Anna, die sich eher lebendig als tot fühlt, hegt immer mehr Misstrauen ihm gegenüber.
"After.Life" bietet eine innovative Ausgangsidee sowie eine, passend zur morbiden Atmosphäre, angereicherte Optik. Statt eines beklemmenden Horrorthrillers erwartet das Publikum jedoch ein Psycho-Drama mit enormen Längen.
Das erste Filmdrittel ist durchaus gelungen. Die Inszenierung ist stimmig und baut eine bedrückende Stimmung auf. Die düstere, unheimliche Musikuntermalung sorgt für Atmosphäre. Alles dreht sich zunächst um die spannende Frage, ob Anna nun wirklich tot oder noch lebendig ist. Dabei belässt es "After.Life" bei einer rundimentären Beschreibung der Charaktere und fokussiert sich um die Wahrnehmung nach dem Tod. Schon nach kurzem wird allerdings klar, was hier wirklich gespielt wird, sodass der Versuch Wendungen in die Handlung einzubringen misslingt. Gegen Ende verliert der Film schließlich völligst seinen Faden und stellt sich der Frage nach dem Wert des Lebens. Klingt anspruchsvoll, bleibt aber zu oberflächlich um wirklich zu fesseln.
Durch die gemächliche Erzählung entwickeln sich nur wenige Spannungen. Einzig dem Katz-und-Maus-Spiel der beiden Hauptfiguren gelingt es das Tempo kurzzeitig etwas zu steigern. Ansonsten langweilt "After.Life" mit häufigen Wiederholungen und an den Haaren herbeigezogener Logik. Plötzliche Handlungssprünge verursachen eine kurze Verunsicherung und die zwar ansehlichen, jedoch gegen Ende übermäßigen Nacktszenen führen zu einer Übersättigung. Zumindest der Schluss bleibt erfreulich konsequent.
Die Hauptdarsteller holen alles aus ihren blass beschriebenen Charakteren heraus. Die vielseitig begabte Christina Ricci ("Penelope", "Sleepy Hollow") beweist Mut zur Freizügigkeit und verleiht ihrer Figur durch ihre zerbrechliche Art glaubhaften Charakter. Liam Neeson ("Schindlers Liste", "Five Minutes of Heaven") verleiht seiner Figur sowohl eine zutiefst menschliche, als auch unbarmherzige Note. Justin Long ("Stirb langsam 4.0") hat dagegen wenig entgegen zu setzen und langweilt mit den immer gleichen Gesichtszügen.
"After.Life" baut auf eine durchaus interessante Ausgangslage auf und kann mit einer stimmungsvollen Inszenierung punkten. Allerdings wirkt die Handlung zu konstruiert und zerstört seine Glaubwürdigkeit sowie Geheimnisse durch immense Logiklücken. Anstatt ein spannendes Kammerspiel zwischen den ordentlichen Darstellern Liam Neeson und Christina Ricci in den Fokus zu setzen, schlägt der Film einige langatmige Wiederholungen an und versetzt seine Thematik schließlich völlig. Dabei bleibt die Betrachtung der Figuren und das angeschlagene Thema oberflächlich. Knappe...
4 / 10