After.Life ist ein wunderbar fotografierter Film. Und dies ist seine größte, wenn nicht sogar seine einzige Stärke.
Denn wäre er nicht so schön in Szene gesetzt, hätte ich den Eindruck gehabt, ein völlig unausgegorenes Drehbuch gesehen zu haben. Unausgegoren sind die Figuren. Sie wirken sehr eindimensional, häufig hatte ich den Eindruck, als würde Christina Ricci verzweifelt die Regisseurin fragen, was sie denn nun tun soll. Ihre Rolle erschöpft sich in zu vielen Wiederholungen, ihre Mimik scheint ratlos ob der Frage, wie sie der Anna mehr Tiefe verleihen soll. Ohne Zweifel, Ricci verleiht ihrer Figur die nötige Zerbrechlichkeit, aber auf textlicher Ebene bleibt einfach vieles unausgesprochen. Ähnliches ist auch in der Figur des Leichenbestatters zu erkennen, der den "Leichen" immer wieder vorwirft, dass sie ihn eigentlich nur nerven mit der Frage, ob sie nun wirklich tot seien. Warum redet er dann mit ihnen?
Unausgegoren sind auch die Nebenrollen, etwa die des jungen Schülers, der in die Fußstapfen des Leichenbestatters treten wird. Noch schlimmer ist dies bei Annas Freund Paul zu erkennen. Irgendwie hat mich Justin Long an seine Rolle in Drag me to Hell erinnert. Irgendeiner muss ja die männliche Loverrolle spielen, denn sie muss ja im Film auftauchen. Irrtum: Ein Kammerspiel zwischen Neesen und Ricci wäre sich die bessere Lösung gewesen. Dann hätte man auch die Fährten, die gelegt werden, um den Zuschauer bei der Stange/Frage zu halten, ob Anna nun lebt oder nicht, besser ausarbeiten können. Auch die philosophische Frage nach dem Tod im Leben oder dem Leben nach dem Tod wäre nicht zu einem langweiligen Wortgefecht der Figuren verkommen. Auf der optischen Ebene macht sich ebenfalls Einfallslosigkeit breit, denn immer nur Rot und Weiß sind auf Dauer langweilig, auch wenn die Farben den zuckersüßen Körper Christina Riccis schmücken.
So bleiben viele Logiklöcher und viel Langatmigkeit übrig, die die an sich passende langsame Erzählweise des Films ad absurdum führen.
Und so verbringt man letztlich doch mehr Zeit mit der Frage, ob Anna und später auch Paul nun tot sind oder nicht. Ich würde sagen nein. Aber im Grunde hat der Film das Potenzial, die Frage als nebensächlich darzustellen. Denn im Grunde möchte After.Life die Frage stellen: Was ist Leben und was ist Tod? After.Life konzentrierte sich meiner Meinung nach aber leider zu sehr auf den beschlagenen Spiegel.
Fazit: Ein toll fotografierter Film mit viel Potenzial, der daraus aber nur eindimensionale Figuren und einen mittelmäßigen Thriller mit ein paar eingestreuten - vor allem lauten - Schockeffekten und zu vielen Logiklöchern macht. Für die Fotografie gebe ich 8 Punkte, die beiden Hauptdarsteller geben auch ihr bestes und verdienen deshalb ebenfalls 8 Punkte, die Story hat eine super Idee, ist gelegentlich spannend aber schwach umgesetzt und ist nur 4 Punkte wert und die Figuren sind eindimensional und erhalten deshalb gerade so 2 Punkte.
5/10