Tot oder scheintot, Diesseits oder Jenseits, an der Grenze zum ewigen Leben oder nur von einem perfiden Irren betäubt - solche Themen sind schon oft beackert worden, komplett mit beängstigender Innensicht der Betroffenen, die natürlich nach Möglichkeit nicht lebendig begraben werden wollen, mit Vorgeschichte und Hintergründen, samt sinistrer und scheinbar vertrauensvoller Nebenfiguren.
"After.Life" rollt diese Geschichte mit einer leicht neuen Prämisse neu auf, nämlich rund um die Frage, ob es eine Phase zwischen Leben und Tod gibt, in der die Seele des Menschen akzeptieren muß, daß man als Person gestorben ist - und der von Liam Neeson gespielte Bestatter hat die einmalige Gabe, mit den Toten zu kommunizieren.
Als verstorben gilt Christina Riccis junge Lehrerin, die ein Autounfall dahingerafft hat und die nun auf dem Autopsietisch hergerichtet wird für ihre Beerdigung in einigen Tagen. Natürlich kann sie sich mit dem Gedanken nicht eben anfreunden und so wehrt sie sich nach Kräften gegen ihren Aufenthalt, zu dem ihr Gastgeber sie sanft, aber gewaltlos zwingt. Der versucht sie davon zu überzeugen, daß Akzeptanz der einzige Weg ist, während draußen vor der Tür ihr Verlobter langsam aber sicher amok läuft, da er sich mit der Idee des Todes seiner Beinahe-Verlobten nicht recht anfreunden kann. Da ein junger Schüler der toten Anna diese bei einem ihrer Fluchtversuche auch noch "sieht", werden die Zweifel des Rechtsanwalts Paul immer wieder neu befeuert.
Man ahnt es schon: der Film entpuppt sich als Rätselspiel rund um die eingehend erwähnten Fragen. Trauer und Drama mischen sich, Rückblenden ergänzen das Bild und natürlich darf der Zuschauer mit den üblichen Zweifeln hadern, die von der Erzählung vorgegeben werden: sei es nun eine Vision des kindlichen Ich Annas, die Kommentare einer weiblichen Leiche oder die offensichtlichen Verletzungen der jungen Frau, doch nichts davon gibt funktionsgemäß absolute Gewißheit über die Vorgänge.
Bis zu einem gewissen Punkt, der normalerweise so ungefähr im letzten Drittel aus dem Sack gelassen werden sollte oder spätestens zu Showdown. Wenn allerdings bereits zur Halbzeit ein gewisser deutlicher Hinweis gegeben wird und dieser am Ende dem Publikum noch mal aufgetischt wird, dann ist das schon ziemlich antiklimatisch.
Das ist aber das generelle Problem von Agnieszka Wojtowicz-Vosloos Film: die ruhige, einer klassischen Dramaturgie entgegen laufende Erzählweise, die auf der Mischung von Drama- und Thrilleranteilen beruht. Einerseits tobt sich hier eine Filmemacherin recht kreativ auf, tüncht das semi-sterile Leben seiner Protagonisten in das kalte Weiß einer modern-kühlen Wohnung oder die unterkühlte Atmosphäre einer Pathologie und sorgt mit wunderbar entspannten, ruhigen und fast jenseitigen Bildern für die nötige Stimmung, andererseits ist das kein Gefühlsdrama pur für die Auseinandersetzung mit der berühmten anderen Seite, sondern gleichermaßen auch ein Spannungsfilm, der bei Figuren wie Zuschauer Spannung wie Zweifel schüren will.
Dabei erhöht sich der Frustlevel in ungeahnte Höhen, wenn man rund um die Frage "lebendig oder tot" die Figuren sich ständig annähern läßt - sei es nun durch den Versuch der Konfrontation oder verschiedene Fluchtversuche - um dann immer im letzten Moment einen Rückzieher an dem Punkt zu machen, an dem die Figuren Gewißheit erlangen könnten, weil ja eben die Auflösung erst am Schluß kommen darf. Und weil das so wahnsinnig auffällig konstruiert ist und ebenso erscheint, macht der ohnehin fast meditativ-melancholische Ton alles nur noch schlimmer, getragener und zäher.
Die Folge: man ahnt schon lange vorher, da kommt noch ein ganz ganz toller Knüller am Schluß, aber die Verschleierungstaktik ist so auffällig gewählt, das sich alles nur auf die Pointe fokussiert - und das erweist Rückschlag für den erlesen visualisierten Film, dessen dramatischer Gehalt so wieder unterminiert wird.
Zum Schluß, ja, da gibt es eine Pointe und noch einen Schlag extra, aber bis dahin dominieren schöne Bilder, salbadert und nölt Neeson die immer gleichen Platitüden vor sich hin, darf sich Miss Ricci über weite Strecken nackt präsentieren, während sie entrückt vom Pathologietisch starrt und der nicht minder konstruierte Verlobte, dargestellt von einem unglücklich gewählten Justin Long wirkt in seiner Trauerarbeit stets nur wie ein Showstopper, dem man die Ehe und das Glück mit dieser Frau wegen akuter Unfähigkeit eh nicht gönnt. Allenfalls Chandler Canterbury als elfjähriger Jack hat ein paar gute Szenen, die aber mehr versprechen, als sie schlußendlich liefern können.
So ist "After.Life" nur ein Stück Kunst gewesen, in dem Schauspieler Dialoge aufsagen, die künstlich klingen, über Schicksale, die erdacht wirken - angerichtet in einem geschmackvollen, aber antiseptischen Ambiente. Das mögen die Einen für Stil halten, könnte aber schlicht und ergreifend einfach nur leblos sein. (4/10)