Review

Beim dritten Teil der „Hellraiser“-Saga gab Clive Barker, Autor der den Anstoß gebenden Geschichte „The Hellbound Heart“, nur noch seinen Namen her und dies macht sich dann im Endergebnis leider bemerkbar.
Nach den düsteren Vorgängern bietet hier das nächtliche bunte Großstadtleben die Kulisse für den dritten Streich der Serie. Von Kirsty Cotton (Ashley Laurence) aus den ersten Filmen muss man (abgesehen von einem Gastauftritt per Video) Abschied nehmen, als neue Heldin dient die Reporterin Joanne 'Joey' Summerskill (Terry Farrell), die auf der Suche nach einer großen Story miterlebt, wie ein junger Mann in der Notaufnahme von Ketten zerrissen wird. Business as usual, denn derartiges Geschnetzel ist ja aus den Vorgängern hinreichend bekannt und man erkennt schon, dass „Hellraiser III“ wenig innovativ daherkommt.
Die Recherchen bringen Joey auf einen Club, vor deren Türen der junge Mann gefunden wurde. Sie trifft zudem auf Terri (Paula Marshall), welche die Würfelbox in ihrem Besitz hat, doch die Frauen wissen damit noch nichts anzufangen. Im Gegensatz zu Chefcenobit Pinhead (Doug Bradley), der noch in einer Säule gefangen ist, die Clubbesitzer J.P. Monroe (Kevin Bernhardt) im Schlafzimmer stehen hat. Doch als etwas Blut darauf träufelt, erwacht er zu neuem Leben und manipuliert den Clubchef zu seinen Gunsten…

Scheiterte „Hellraiser IV“ daran, dass man eine ganze Menge neuer Ideen nicht überzeugend einbringen konnte, so steht „Hellraiser III“ vor dem genau umgekehrten Problem, nämlich akuter Ideenlosigkeit. So erfährt man geringfügig mehr über die Vergangenheit von Pinheads menschlicher Seite (die inzwischen von Pinhead gelöst ist; anders konnte man wohl nicht erklären, warum nach dem recht endgültigen Schluss von Teil zwei noch ein Film folgen musste), doch wirklich Neues wird dem „Hellraiser“-Universum nicht zugefügt.
Stattdessen verläuft „Hellraiser III“ streng nach Schema F: Man erweckt die Cenobiten, die treiben Unwesen, aber da eine junge Frau die Würfelbox hat (die man im Gegensatz zu den Vorgängern auf einmal ohne großes Studium benutzen kann) kann sich jeder denken, worauf die Chose hinausläuft. Es kommt wie man es ahnt; überraschende Wendungen? Weitestgehend Fehlanzeige. Stattdessen versucht man die wenig innovative Geschichte dadurch auszubügeln, dass man Pinhead Sprüche in den Mund legt, doch was bei Freddy Krüger passt, das muss bei Pinhead nicht funktionieren. So wirken die Sprüche über Schmerz und Leid im Gegensatz zu den Vorgängern etwas aufgesetzt und Pinhead (der früher eh nur Lead Cenobit hieß) verliert etwas Bedrohlichkeit.
Doch trotzdem funktioniert „Hellraiser III“ als putziger Film der Oberfläche, denn Regisseur Anthony Hickox inszeniert nicht nur atmosphärisch, sondern drückt auch stetig auf die Tube. Lange Verschnaufpausen werden dem Zuschauer nicht gegönnt, stattdessen lässt der nächste Schock oder die nächste Splatterszene nicht lange auf sich warten. Das ist zwar etwas flach (so gibt es auch eine recht nutzlose Sexszene, während die Vorgänger es ja bei Andeutungen beließen), aber keineswegs langweilig. Dazu passt dann auch der Soundtrack, der gar nicht mehr auf Stimmungsmusik, sondern knallharten Metal setzt: Hier schmettern unter anderem Motorhead, KMFDM und Armored Saint, wobei letztere sogar einen Gastauftritt (als sie selbst) haben.

Effektmäßig geht hier zudem echt die Luzie ab, denn „Hellraiser III“ setzt deutlicher als die Vorgänger auf derben Splatter. Da wird emsig gehäutet und von Ketten zerrissen, zwischendurch macht Pinhead sogar eine komplette Disco platt. Neben zahlreichen, nett anzusehenden Goreeffekten präsentiert „Hellraiser III“ auch noch ein paar neue, nett gestaltete Cenobiten, mit denen sich Heldin sowie Polizei rumschlagen dürfen. Pinhead bleibt allerdings klar Hauptattraktion des Films.
So ist es auch kein Wunder, dass Doug Bradley die klar beste Leistung erbringt, während Heldin Terry Farrell soliden Durchschnitt, aber nichts Weltbewegendes abliefert. Gleiches gilt auch für den Rest der soliden Darstellerriege. Regisseur Anthony Hickox ist zweimal kurz zu sehen (einmal als er selbst auf einem Fernseher, einmal in einer kleinen Rolle als Soldat).

„Hellraiser III“ ist unterhaltsames Horrorentertainment der Oberfläche, das durch Hickox’ Inszenierung, wummernden Sound und gelungene Effekte überzeugt. Doch Hintergründigkeit und Spannung muss man leider doch vermissen.

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