Review

Greenberg(2010)


Niemand mag das Alltägliche, das Normale, das Gewöhnliche oder eben das Langweilige. Langweilig ist so ein hässliches Wort. Wer immer nur Vollgas im Leben gibt, wird irgendwann schneller fertig, unzufrieden und frustriert sein. Es gibt halt für alles ein Limit in den gegebenen Möglichkeiten. Höher, schneller und noch höher. An diesem Punkt sollte man aufpassen, denn der Fall von ganz oben kann eklig werden. Also, warum nicht einfach mal gar nix machen. Mal so in den Tag hinein leben ohne Verpflichtungen, ohne Arbeit, ohne Kinder und ohne Telefon und Internet. Ohne lange Urlaube oder Wintersportausflüge. Ziemlich unvorstellbar...oder?


Roger Greenberg(Ben Stiller) ist an diesem Punkt. Er hat sich entschieden, einfach mal nichts zu tun. Einfach so. Na gut, er war zwischen durch in einer Psychatrie, erreichte nie den Durchbruch mit seiner Band, schreibt permanent Beschwerdebriefe an alle möglichen Firmen, vergraulte über die Jahre sämtliche Freunde, Verwandte und scheiterte eben an dem Druck des Lebens. In seiner Lethargie besetzt er das Haus seines Bruders, während der mit seiner Familie einen langen Urlaub in Vietnam verbringt. Die ebenfalls nicht gerade vom Glück verfolgte Haushälterin Schrägstrich Studentin Florence Marr(Greta Gerwig) schaut ab und zu vorbei um nach dem Rechten zu schauen...


Greenberg ist wie ein Klassentreffen, zu dem man eigentlich gar nicht hinwollte, um bei der Heimfahrt festzustellen, dass es wirklich öde, entlaugend und unnötig war, diese Fressen nach all den Jahren wiederzusehen. Greenberg ist träge, unkoordiniert, ohne emotinalen Höhepunkt und völlig Spannungsfrei. Im Gegenzug ist diese wunderbare Dramödie entspannend unaufgeregt, einfach nur ehrlich und mit vielen kleinen Annekdoten und Referenzen gespickt. Stimmungschwankungen, unausstehliche Sequenzen, entwaffnende Dialoge und eine Portion ziemlicher Dummheit lassen Greenberg einfach echt wirken. Ob man das jetzt zum Feierabend sehen will, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Wer das Blatt Papier aber gerne mal umdreht und auch das "kleine ein mal eins " des Indiefilms liebt, wird sich hier sehr wohl und bestätigt fühlen. Als i-Tüpfelchen steuerte LCD Soundsystem den großteil des tollen Soundtracks bei.


Ben Stiller spielt hier superb gegen sein übliches Overacting an und glänzt mit stoischer Trägheit. Er gibt Greenberg seltsame Marotten, unangebrachten Selbstzweifel, herrliche Neurosen und nervt sein Umfeld auf so entsetzliche Weise, dass es, gerade beim wiederholten schauen, in einem permanenten Schmunzelregen endet. Greta Gerwig glänzt ebenfalls und punktet mit großer Sympathie. Sie spielt eine so echt und liebevolle junge Frau, sieht wunderschön aus und hat einfach eine natürliche Ausstrahlung, die es einem schwer macht, sich nicht in sie zu verlieben. Die Nebendarsteller(Ryhs Ifans, Jennifer Jason Leigh,...) spielen allesamt trocken und pointiert und unterstreichen die eigenwillige Note des Filmes.


Ein großartiger kleiner Film, der zwar auf ewig nur ein überschaubares Publikum erreichen wird, aber eben nicht langweilig, öde oder einfälltig ist. Zweimal im Jahr, ziemlich spät, wenn alle schlafen, die Arbeit ruht, nicht von Außen mich trifft...dann...dann bin ich Roger Greenberg und werd die nächsten 100 Minuten einfach mal nichts tun.


9.3

Trailer

https://www.youtube.com/watch?v=0708Glv1lVE

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