Review

Cowboys und Vampire, - das böte eine interessante Mischung, wenn sie denn auch im Wilden Westen stattfinden würde. Doch Debütant Drew Cullingham verzettelt sich mit seiner Geschichte gewaltig, denn trotz brauchbarer Ansätze findet er nie das richtige Mittel, um Spannung zu erzeugen und vermag selbst mit der Kulisse einer einsam gelegenen Farm kaum Atmosphäre zu verbreiten.

Auktionshändler Jacob (Doug Bradley) zieht mit Stieftochter Rachel und seiner jungen schwangeren Frau Lauren auf jene einsam gelegene Farm, in dessen Scheune er einen antiken Spiegel aufbewahrt, den er meistbietend verhökern will. Gleichzeitig befinden sich zwei Camper im Wald, zu denen bald die hübsche Ornithologin Lilith stößt. Kurz darauf wird einer der Freunde tödlich verletzt, während Lilith und der andere zu Jacobs Farm fliehen…

Prinzipiell ist die Charakterisierung, trotz einiger Klischees recht gut gelungen: Ein eigensinniger, aber irgendwo auch ein bemühter Patriarch Jacob, dem das Wohl beider weiblichen Familienmitglieder am Herzen liegt, während zwischen den Damen die Fetzen fliegen und die rebellische Rachel kein gutes Haar an der Schwangeren lässt.
Selbst die beiden Kerle am Lagerfeuer, von denen sich einer über seinen Liebeskummer hinwegtrösten will, erscheinen halbwegs authentisch, nur bei Lilith ist, nicht nur aufgrund des einschlägig belasteten Namens, von vornherein Misstrauen angebracht.
Dieses verhärtet sich, als bei der Hochschwangeren die Wehen einsetzen, jeder in Panik gerät und nur Lilith seelenruhig lächelnd in der Hütte verharrt.

Den irischen Cowboy Phelan lernen wir etwas später kennen, leider etwas zu gut, denn der Kerl grummelt sich um Kopf und Kragen, trotz seines undurchschaubaren, stets wechselndem Verhaltens Rachel gegenüber, welche er später in der Scheune trifft.
Überhaupt wird insgesamt zu viel geredet, während die Action schlicht zu kurz kommt.
Der finale Zweikampf im Halbdunkeln wirkt geradezu lachhaft in Szene gesetzt und indes wird fast komplett an Bluteffekten gespart, denn Attacken sind keine zu sehen, nur zwei, drei Verletzungen, deren Effektivität ebenfalls der zu schwachen Beleuchtung zum Opfer fällt.

Unterdes sollen einige Flashbacks den Hintergrund der Vampirgeschichte durchleuchten, sie kranken jedoch an einer zu langen Sequenz im Wild West Milieu und einer merkwürdig anmutenden Vergewaltigungsszene, bei der man nicht weiß, ob man nun lachen oder schockiert sein soll, da die Umstände völlig aus der Luft gegriffen sind.
Allerdings ist das ein Manko der kompletten Erzählung, denn konsequent werden einzelne Aspekte völlig vernachlässigt und wieder andere in eine unlogische Richtung gelenkt, bei der man, einschließlich der letzten Einstellungen unweigerlich mit dem Kopf schütteln muss.

Schade um die teilweise guten Mimen, denn Doug Bradley fühlt sich außerhalb der Pinhead-Maskerade sichtlich wohl als fast schon bodenständiger Patchwork-Dad und auch Jonnie Hurn gibt als Cowboy mit scheinbar ambivalenten Absichten eine glaubhafte Figur mit markigen Sprüchen ab. Als rein optisches Schmankerl sorgt hingegen Natalie Celino als Lilith für ein paar delikate Momente, welche allerdings nie lange andauern oder gar explizit ausfallen.

Bei einem Debüt mit sichtlich geringem Budget ist man in der Regel immer ein wenig nachsichtiger, doch das lahme Erzähltempo und die Dialoglast erschweren ein Sympathisieren mit dem Streifen. Hinzu kommt das fahrige und unausgegorene Drehbuch und die Ereignislosigkeit in einigen Phasen der Geschichte.
Vampirfreunde werden also genauso schlecht bedient wie Horrorfans im Allgemeinen, insofern kann man sich die Sichtung sparen.
Knapp
3 von 10

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