Wer kennt Max Black?
Max Black war ein anerkannter und einflussreicher Sprachphilosoph und hat unter anderem mit seiner „Analysis of Rules“ für Gesprächsstoff gesorgt. Hier teilte er alle Arten von Regeln in vier Kategorien ein. Eine davon ist der „precept sense“, der Regeln umschreibt, die zwischen zwei oder mehreren Personen gültig sind, normalerweise nicht schriftlich festgesetzt werden und bei Be- bzw. Missachtung mit gesellschaftlichen Sanktionen belohnt bzw. bestraft werden.
Wenngleich ein philosophisches Review-Intro in Anbetracht der unglaublich debil-glücklichen Normalität von Jordan Bradys romantischer Komödie nicht gerade die passendste Art ist, in die Besprechung einzusteigen, ist es doch genau das, was der Film bezweckt: er will ein Ratgeber für die schwierige Aufgabe des ersten Dates sein und dies am Ende mit einer märchenmäßigen Geschichtsmoral summarisieren.
Das einzige, wirklich einzige Problem, das sich einem schönen Abend zwischen zwei verliebten Menschen in den Weg stellt, sind nämlich die zu beachtenden Regeln. Es ist eine Wanderung auf einem schmalen Grat, ob man sich als Rosenkavalier herausstellt oder als ewiger Verlierer. Da kann es auch schon mal den Ausschlag geben, ob man nun eine Rose kauft, keine oder gleich alle. Es gilt, die Dame des Herzens positiv zu überraschen, und, tja, Erfolg und Niederlage liegen doch so nah nebeneinander.
Nun angelte sich Brady mit den Hauptdarstellern Denise Richards und Luke Wilson die absoluten Klischeeschauspieler für die Rollen der beiden Schäfchen, die durch eigene Kraft und durch die Kraft des Schicksals zueinanderfinden sollen. Luke Wilson ist das genaue Gegenteil seines Bruders Owen und damit seit jeher festgelegt auf die Rolle des treudoofen, unheimlich liebenswerten Trottels, der sich beinahe hoffnungslos um eine hübsche Frau bemüht, um sie am Ende in einem Happy End der Extraklasse in die Arme nehmen zu können. So eroberte er in „Drei Engel für Charlie“ das Herz des naiven Schnuckelchens Cameron Diaz, ja sogar Scully durfte er in einer Akte X-Episode um den Finger wickeln. Denise Richards ist im Umkehrschluss die begehrenswerte, für den Normalsterblichen unerreichbare Femme Fatale, die in „Loaded Weapon“ Sharon Stones „Basic Instinct“-Skandalrolle parodieren durfte, die in „Wild Things“ ein gefährliches Spiel spielte, die in „Starship Troopers“ geradezu selbstironisch ihre eigene Dominanz markierte und die letztendlich mit „Die Welt ist nicht genug“ sogar zum Bond-Girl mutierte. Ein Darstellerpaar also, bei dem die Karten bereits offen liegen und die Präferenzen verteilt sind: Luke steht als Aktiver vor einer beinahe unlösbaren Aufgabe, während Denise als Passive sitzenbleiben und die Bemühungen des armen Tors zur Kenntnis nehmen darf; und das tut sie nach bekannter Art mit dem typischen Lächeln, das einen Mann zum Schmelzen bringen kann.
Somit sind Überraschungen von vornherein ausgeschlossen, aber als demonstrative Schablonen für die Verbreitung der Moral ist das ein perfektes Paar, zumal sich die vor dem Erwachsenwerden stehenden Jungs in den hilflosen Hundeaugen von Wilson sofort wiederfinden. Umgekehrt hat Wilson auf das weibliche Geschlecht die Wirkung, ein Mann zu sein, dem wirklich etwas an der Angebeteten liegt. Er ist sensibel, bemüht, ehrlich, natürlich. Attribute, die der Mr. Right fast jeder Frau in sich vereint. Denise Richards fungiert derweil, und das klingt fieser als es gemeint ist, lediglich als Objekt. Sie ist im Gegensatz zu ihrem Partner keine Identifikationsfigur, sondern füllt eine leere Hülle aus, auf der die weiblichen Zuschauer ihrerseits Platz nehmen, ohne dass sie sich notwendigerweise mit Denise Richards identifizieren würden. Deren Funktion ist es lediglich, auf Luke Wilson / den männlichen Zuschauer möglichst begehrenswert zu wirken. Und da versteht sie ihr Handwerk, wenngleich sie wie immer zum Overacting tendiert und damit Gefahr läuft, die Schönheit der Frau an sich zu persiflieren. Das ist, ebenso wie Wilsons Verhalten beim Date, oftmals eine Gratwanderung, denn hier wird aufs Spiel gesetzt, dass die Natürlichkeit verloren geht. Glücklicherweise vermag es das Paar aber über weite Strecken, seine Funktion zur Zufriedenheit der Zuschauer zu erfüllen.
Strukturell hat man leider mal wieder versucht, den Plot mit einer Wette zu würzen, die im Hintergrund abläuft und deren Ausgang von Wilsons Erfolg bei seiner Angebeteten abhängig ist. Was da parallel zum Date in dem Büro abläuft, ist schlichtweg schwachsinnig und in der Form total übertrieben, vor allem aber total unmotiviert, da die Beziehung zwischen Wilson und Richards damit kaum auf die Probe gestellt wird. Das hat bei Filmen wie „Eine wie keine“ oder „Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ definitv besser funktioniert.
Im Übrigen hampelt dabei ein Ben Affleck ohne wirklich sinnvolle Aufgabe durch den Film, der wie aus „Good Will Hunting“ entflohen wirkt. Seinen Kumpel Matt Damon hat er natürlich auch mitgebracht, und der hat eine sinnvollere Rolle abbekommen, indem er als abgewiesener Ex-Freund von Richards den Psycho raushängen lassen und ebenfalls Verhaltensweisen seines Will Hunting an den Tag legen darf. Insgesamt ist bei diesen beiden Darstellern aber ordentlich Potential verschenkt; dass sie Nebenrollen besser ausfüllen können, haben sie in den Kevin Smith-Filmen gezeigt.
Womit sich der Film von anderen seiner Gattung dann doch ein wenig – aber wirklich nur ein wenig – abhebt, ist der Umstand, der zum (Original-)Titel „The Third Wheel“ geführt hat. Jay Lacopo spielt das dritte Rad am Wagen, eine Art „Rain Man“, den Wilson während des Dates auf offener Straße anfuhr und für den er sich nun verantwortlich fühlt; so sehr, dass unser Rain Man das Pärchen den ganzen Abend über begleitet. Ein absoluter Stimmungskiller? Denkste: dank der offenherzigen Richards, die das „zweite Date“ fröhlich lächelnd toleriert, arbeitet der Zufallsbekannte als entscheidender Stichwortgeber und rettet den Abend ein- ums andere Mal vor dem sicheren Untergang. Die Aussage? Man mag sich noch so sehr vorbereiten können, letztendlich kann immer etwas schiefgehen und es bedarf einer Kraft von außen, um den Erfolg des Dates zu gewährleisten.
Es ist nun Geschmacksache, wie man die Anwesenheit Jay Lacopos bewertet. Tatsache ist, sie ist weniger störend, als man es vermuten könnte, allerdings teils auch weniger witzig, als vielleicht drin gewesen wäre. Sicherlich hat Lacopo ein paar gute Szenen zu bieten, wie etwa die, in der er auf einer Theaterbühne steht und dem Publikum einfach nur erklären will, wie lecker Brot ist, während seine Rede durch Einblendungen im Hintergrund als Metaphorik auf die Rassenfrage gedeutet wird und das Publikum vor Begeisterung ganz aus dem Häuschen ist. Oder eben die Szene, in der er auf Matt Damon trifft und ihn belehrt. Andererseits wirkt seine Präsenz nicht immer ganz glücklich, gerade in Hinblick auf das Ziel, dem Publikum ein Ratgeber für Dates zu sein. Schließlich dürfte ein Date in der Realität nur in den seltensten Filmen zu dritt ablaufen, und dass das dritte Rad am Wagen im Film eher als Metapher für den Zufall zu verstehen ist, der jedem Rendezvous seinen Stempel aufdrückt, wird wohl nicht jeder Zuschauer aus einem Zielpublikum verstehen, das sich wohl überwiegend aus Teenagern zusammensetzt.
Strukturell erweist sich Jordan Bradys Film als ordentlicher, nicht allzu abgehobener Roadmovie-Ableger, der mit einer netten Mischung aus Handlungsorten aufwarten kann, darunter Restaurants, Theater, dunkle Gassen, Wiesen, Autowerkstätten und das Auto. Alles läuft beinahe in Echtzeit unter klarem Sternenhimmel ab, so dass man einerseits jederzeit direkt am Geschehen dran ist und dass andererseits das perfekte Setting für einen romantischen Abend gewährleistet ist. Das ist wenig originell, funktioniert aber nach wie vor.
Wer sich nun also schon immer gefragt hat, woran es liegt, dass das Gelingen eines Dates einfach nicht in unserer Hand zu liegen scheint, kann sich „Hilfe, ich habe ein Date“ durchaus mal antun. Weh tut es jedenfalls nicht. Mit Denise Richards und Luke Wilson wird ein vorhersehbares, aber für die Zwecke optimales Vorzeigepärchen geboten, das durch den von Jay Lacopo personifizierten Zufall begleitet wird. Ben Affleck und Matt Damon sind leider etwas verschenkt in dieser Allerwelts-Romantikkomödie, die sich ansonsten ziemlich konsequent an der Norm entlangbewegt.