Spannender isländischer Thriller mit unverbrauchten Geisichtern (Original des Remakes CONTRABAND)
Sofort und ohne großen Vorspann und einführendes Vorgeplänkel beginnt REYKJAVIK ROTTERDAM seine Geschichte des vorbestraften Kristofer (Baltasar Kormákur), der aus einer Notlage ein "letztes großes Ding drehen" will und im Rahmen einer Schmuggelaktion auf einem Schiff plötzlich merkt, dass nicht alles in seinem Sinne läuft. Mittels schnörkelloser Dramaturgie und dem stets sehr sichtbaren Hang zum Realismus präsentiert sich der Thriller mit einer glaubhaften und nicht durch übertriebende Action durchsetzten Geschichte.
Wem die Geschichte bekannt vorkommt soll sich nicht länger wundern. REYKJAVIK ROTTERDAM ist das isländische Original welches Vorlage für das Remake CONTRABAND mit Mark Wahlberg wurde. Diesem ziehe ich das Original deutlich vor, auch wenn dieses rauer und unfertiger wirkt. So wie die Darsteller eben recht normale Menschen von nebenan sein könnten. Sie haben in Film recht klingende Namen wie "Steingrimur" die Freunden des nordischen Films wie Wasser im Munde zergehen.
Und dabei sind die Filmnamen noch weit einfacher als die tatsächlichen isländischen. Mit Baltasar Kormakur gibt es eine sehr wandelbare Hauptfigur die angenehm unverbraucht und glaubhaft agiert. REYKJAVIK ROTTERDAM hat eine zarte aber stetig ansteigende Spannungskurve und zieht den Zuschauer wenn er ihn mal gefangen hat immer mehr in die Handlung ein. Dramaturgisch ist REYKJAVIK ROTTERDAM keine Offenbarung und die vielen handelnden Personen wirken manchmal etwas chaotisch orchestriert und auch kleine Längen schleichen sich ein.
Aber auch technisch ist der Film gelungen, es gibt eine gute Kameraarbeit und die Synchronisation ist für einen B-Film überzeugend. Und fernab von dem üblichen Hollywood Pathos und den ewig gleichen Gesichtern sorgt dieser isländische Film für gute Unterhaltung in weniger als 90 kurzweiligen Minuten und bekommt somit eine kleine Empfehlung für Freunde unentdeckter Indie-Filmperlen. Ich würde REYKJAVIK ROTTERDAM jederzeit dem Original vorziehen.
6,5/10 Punkten