Das waren noch Zeiten, als ein Spukhausfilm in der Konstellation funktionierte, dass ein Parapsychologe seine Klientel im englischen Landhaus unterbrachte und das Blut aufgrund kalter Flecken und lautem Pochen innerhalb kürzester Zeit gefror.
Heutzutage beziehen fast nur noch junge, traumatisierte Paare aus der Stadt jene Häuser, um den tragischen Verlust ihres Kindes zu bewältigen, um dann prompt mit einer düsteren Parallel-Geschichte aus der Historie des Hauses konfrontiert zu werden.
Ganz klar: Geister, Dämonen und ein bisschen „Poltergeist“ treiben auch bei dieser Produktion aus dem Hause Asylum ihr Unwesen, doch wenn das Spukhaus beim Establishing Shot bereits wie ein Plastikmodel anmutet, sollte man nachfolgend nicht allzu viel Gänsehaut erwarten.
Susan und Drake Grenier ziehen also mit der pubertierenden Tochter Haley ins riesige Anwesen des Winchester Hauses, planmäßig eigentlich nur für einige Wochen.
Nachdem Haley ein stummes Kind im weißen Kleid verfolgt, ist sie urplötzlich verschwunden. Kurz darauf kreuzt der Parapsychologe Dent auf und bietet seine Hilfe an, welche die Greniers im Verlauf noch dringend benötigen werden…
Spoilern wir mal direkt die einfallslosen Zutaten dieses lieblosen Budenzaubers:
Huschende Gestalten hinterm Rücken, plötzlich aufkommender Wind mit wirbelnden Blättern, Türen öffnen sich von selbst, alte Zeitungsartikel im Keller, eine flache Bettdecke bäumt sich zum Buckel auf und nach einer halben Stunde kommt letztlich auch der Sound des schreienden Babys zum Einsatz, damit das Trauma der Mutter vorübergehend intensiviert wird.
Dazwischen der Parapsychologe, der mal eben ein paar Theorien über Seelen im Zwischenreich ablässt und zwei Cops, die durch einen Notruf an der Eingangstür herum speckern.
Regisseur Mark Atkins gibt sich erst gar keine Mühe, seine Protagonisten mit besonderen Merkmalen auszustatten oder dem Interieur eine markante Atmosphäre zu verleihen, - er verlässt sich scheinbar blind auf die Wirkungsmechanismen des Genres, indem er diverse Versatzstücke wirr aneinander reiht, ohne sich über etwaige Logiklöcher Gedanken zu machen.
Planlos sucht das Ehepaar die Räume des Hauses nach der Tochter ab, muss zunehmend Geistern aus der Zwischenwelt entkommen oder sich im stillen Kämmerlein verstecken, wenn der Bannkreis des Para-Heinis keine gewünschte Wirkung zeigt.
Dabei bullert der Score fast ohne Unterlass bei jeder noch so ereignislosen Szene, als würde im nächsten Moment der Leibhaftige aufkreuzen, was man letztlich fast allen Figuren als Endlösung wünscht.
Das liegt nicht zuletzt an der stocksteifen Darbietung sämtlicher Darsteller, sondern auch an der lieblosen Inszenierung, welche nur ansatzweise Schauwerte liefert.
Gegen die Maske der Geister ist nichts einzuwenden, final sind auch einige Momente des erklärenden Flashbacks ganz gelungen und wenn man gänzlich ohne Vorwissen an den Streifen herangeht, könnte man innerhalb des Showdowns sogar ein wenig überrascht werden.
Doch der wesentliche Bestandteil bietet schlichtweg langweiligen Murks ohne Elan.
Denn im Vergleich zu gelungenen Geisterhausfilmen (auch neueren Datums) mangelt es deutlich an originellen Gruseleinlagen, sympathischen Figuren und dramaturgisch ausgefeilten Abläufen.
„Haunting of Winchester House“ wirkt dahingeklatscht, - fast seelenlos im Kontrast zu dem, was man uns hier, - zum Ende immerhin mit gesteigertem Tempo - mithilfe umherirrender Geister vermitteln möchte…
2,5 von 10