Review

Kunst kommt von gekünstelt - vielleicht ein etwas hartes Urteil, aber gleichwohl hätte ein wenig weniger artifizielle Strebsamkeit dem Film zweifellos gut getan. Wir schwelgen in wunderschönen Bildern (sicher primär eine Leistung des directeur de la photographie), und die werden - vor allem in den Anfangsszenen hervorstechend - von einer schönen, stimmungsvollen Musik untermalt. Die Montage und Handlungsentwicklung erinnert mich an die Verwirrspiele des Nouvelle Vague-Erotikers Alain Robbes-Grillet ("La belle captive") und manche Vampirszenen (vor allem das erste Auftauchen) an die dunkel-erotischen Bilder des surrealistischen Malers Clovis Trouille. Aber daß die Schauspieler offensichtlich nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Weisung des Regisseurs keine natürlichen Bewegungen und Blicke machen dürfen, sondern streng auf Kunsfilm getrimmt, sich gekünstelt bewegen, und die Vampire, inklusive des "Mädchens in Weiß", öfters zombiehaft dahinstieren müssen, erhöht nicht die Wirkung, sondern verdirbt sie. Daß die Story nicht umwerfend sind, darüber sehe ich hinweg, schließlich ist es nicht gerade einfach eine überzeugende Vampirstory für die Gegenwart zu schreiben. Warum unsere weiblichen Vampire in durchisichtigen Fetzen herumlaufen und darunter nackt sind, erschließt sich auch nicht, oder sind sie gerade einem Jess Franco-Vampirfilm entflohen? Ich wäre also nicht gewillt, dem Werk mehr als sechs Punkte zu verleihen, wenn nicht die Schlußsszenen am Strand mit Annie Brilland a.k.a. Annie Belle manches aufwiegen würden. Bereits vorher, nach ihrem Erwachen im Sarg bricht sie - wohl mit Erlaubnis des Regisseurs - aus ihrem starren Spiel aus. Ich verstehe schon, daß Vampire ein eigenartiges Benehmen an den Tag - oder an die Nacht? - legen sollten, aber dies kann auch auf eine verführerische Weise geschehen, durch Bewegungen, die "nicht von dieser Welt sind" - ganz wie die zurückhaltende Schönheit Annie Brillands, die am Schluß dann ganz zum Tragen kommen darf. Die Strandszenen sind dann auch die einzigen Screenshots, die auf der mir vorliegenden DVD und auf dem Cover zu sehen sind, was wohl heißt, daß ich mit meinem Urteil über sie nicht ganz allein dastehe.

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