Als Kind musste der vom Weg abgekommene Frederick einst eine Nacht in einer verlassenen Burgruine verbringen, wo er liebevoll von einer mysteriösen Fremden umsorgt wurde. Diese vergessene Kindheitserinnerung wird ihm wieder vergegenwärtigt, als Frederick, mittlerweile erwachsen, auf einer Party in Paris ein Foto entdeckt, auf dem er die Burg von damals zu erkennen glaubt. Als er alles daran setzt, den Standort der Festung ausfindig zu machen, stellt sich ihm eine namenlose Geheimorganisation in den Weg, die verhindern möchte, dass jemand dieser Burg zu nahe kommt. Gleichzeitig heften sich mehrere weibliche Vampire an Fredericks Fersen, um ihn vor den Übergriffen dieser Organisation zu beschützen…
Jean Rollin, der zu unrecht so unbekannte Großmeister der erotischen Vampirgeschichten, mit, wie er selbst behauptet, wohl seinem besten Erzeugnis LIPS OF BLOOD. Der Franzose hatte seine Glanzzeit in den 70er- und frühen 80er-Jahren. LIPS OF BLOOD drehte er nach Erfolgen wie RAPE OF THE VAMPIRE, SHIVER OF THE VAMPIRE, REQUIEM FOR A VAMPIRE und DIE NACKTEN VAMPIRE.
Wie auch REQUIEM FOR A VAMIRE handelt es sich hier um einen absoluten „Schnellschuss“. Rollin hatte die Vorgabe, dass der Film innerhalb eines Monats im Kasten sein musste. Die zeitliche Bedrängnis, unter der die Produktion stand, merkt man dem Film nicht an – oder besser: Rollin verstand es meisterlich den Film mittels ausdrucksstarker Landschaftsaufnahmen und imposanter Szenengestaltung nicht hingepfuscht aussehen zu lassen. Zwar haftet dem Film freilich der Sleaze einer 70er-Jahre-Lowbudget-Produktion an, von Lächerlichkeit ist LIPS OF BLOOD (wie eigentlich alle Werke von Rollin) so weit entfernt wie Österreich von der Fußballweltmeisterschaft.
Neben den beeindruckenden Aufnahmen von der rustikalen Burgruine, den modrigen Katakomben und den gruseligen Friedhöfen (alles historische Originalschauplätze aus vergangenen Jahrhunderten) machen den Film vor allem die Darsteller sehenswert. Und darunter vor allem die weiblichen in den Rollen der Vampire. Hier finden sich Namen wie Martine Grimaud, Catherine Castel und Zwillingsschwester Marie-Pierre Castel – allesamt überaus ansehnliche Grazien, die damals eher für Filme mit horizontaler Handlung bekannt waren. Genau, Rollin heuerte hier einfach mal ein paar adrette Pornodarstellerinnen an. Wobei: Meister Rollin hat Ende der 70er ja auch den einen oder anderen Porno gedreht, wie z.B. SUCK ME VAMPIRE und DISCO SEX.
Aber dass Vampire und Erotik gut zusammenpassen, ist ja wohl nicht Neues. Deswegen wird man auch in LIPS OF BLOOD mit viel Nacktheit, blanken Busen und attraktiven, nur mit einem durchsichtigen Schleier bekleideten Weibern verwöhnt. Da kommt dann tatsächlich das knisternde Flair eines 70er-Jahre-Pornos auf, was in Kombination mit der Vampir-Thematik ziemlich gut funktioniert. Besonders hübsch anzusehen sind die beiden blonden Zwillinge. Die beiden Vampir-Lolitas sind einerseits echt zum anbeißen, versprühen andererseits aber eine Diabolik wie der lächelnde Tod.
Gegen Ende wird einem dann sogar ein kleiner Story-Twist geboten. Der Plot mündet in eine Liebesgeschichte. Das Finale trägt sich in beinahe poetischen Bilder an Rollins Lieblingsstrand zu, der dem geneigten Zuschauer bereits aus RAPE OF THE VAMPIRE bekannt sein dürfte.
Unterm Strich wird man als Fan von stimmungsträchtigen Vampirfilmen nach alter Machart bestens bedient. Als Rollin-Fan sowieso. Sowohl inhaltlich, als auch optisch hat LIPS OF BLOOD mehr zu bieten als REQUIEM FOR A VAMPIRE. Die alten Dracula-Schinken wirken dagegen direkt prüde und antiquiert.
Story: (+)(+)(+)(-)(-)
Erotik: (+)(+)(-)(-)(-)
Atmosphäre: (+)(+)(+)(+)(-)
Fazit:
Vampir-Sleaze Deluxe! Vielleicht wirklich Rollins Bester.