Man durfte in den letzten Jahren immer weniger damit rechnen, Mel Gibson nach „Signs“ noch einmal auf der Leinwand zu erleben, doch offensichtlich wurde ihm genau das Drehbuch zugespielt, durch das er sich mal so richtig austoben konnte.
So ist ihm die Rolle eines Detectives, der den Mord an seiner Tochter aufzuklären hat, förmlich auf den Leib geschrieben, - das Drumherum wirkt dadurch allerdings umso oberflächlicher und konstruierter.
Gibson mimt den Cop Thomas Craven, der soeben Besuch von seiner 24jährigen Tochter Emma hat. Aufgrund Erbrechens und Nasenbluten will Emma umgehend ins Krankenhaus, doch noch vor der Haustür fällt ein tödlicher Schuss. Zunächst geht man im Bostoner Department von einem versuchten Attentat auf Craven aus, doch als dieser auf eigene Faust recherchiert, kommt er den dunklen Machenschaften eines Instituts für nukleare Forschung auf die Schliche…
Für die meisten Kinobesucher dürfte der Hauptdarsteller den mehr oder minder einzigen Grund für eine Sichtung darstellen und ehrlich gesagt, ist er das auch.
Die Geschichte um Verschwörungen, die zwischen Politgier und dubiosen wirtschaftlichen Interessen in höchste Kreise reichen, ist hinlänglich bekannt, da macht auch dieser Streifen keine Ausnahme, sondern bestätigt eher mit dem Subgenre einhergehende Klischees.
Einzig die Figur eines mysteriösen Regierungsberaters in Gestalt von Ray Winstone bietet markante Szenen, daneben allenfalls noch Danny Huston, der den schmierigen, im Unterton latent sadistisch veranlagten Firmenboss gibt, in dessen Unternehmen die Ermordete als Praktikantin tätig war.
Was man hingegen von Gibson erwartet, wird ohne Schnörkel geboten und phasenweise so knackig auf den Punkt gebracht, dass der Australier trotz einiger Falten mehr in starken Momenten an eine Mischung aus „Kopfgeld“ und „Mad Max“ erinnert.
Sein Craven ist ein abgeklärter, introvertierter Typ, der besonnen zur Aufklärung schreitet, sich aber nie für körperlichen Einsatz zu schade ist und darüber hinaus behände genug agiert, um zwei ständige Beobachter abzuschütteln.
Wahrscheinlich hätte ein reiner Rachefeldzug ohne den ganzen Verschwörungsklimbim mehr Laune gemacht, doch andererseits kommen etwaige Gewaltszenen meistens recht unmittelbar aus dem Nichts und wirken schon deshalb ein wenig packender, da der Erzählfluss ansonsten eher ruhig ausgefallen ist.
So werden Bekannte der Verstorbenen abgeklappert oder jene treffen sich an geheimen Orten
mit dem Ermittler, ein Besuch beim Arbeitgeber „Northmoor“ ist selbstverständlich und, um die Sache auf Dramenebene abzurunden, gibt es ein paar gefällige Flashbacks der Tochter aus Kindheitstagen, die sich zuweilen mit der Realität vermengen, zumal unsere Hauptfigur ja eine dauerhaft emotionale Motivation benötigt, um an die eigenen Grenzen zu gehen: Er hat nichts mehr zu verlieren, gewinnen kann er immerhin noch die ganze Wahrheit.
Überraschungen oder gar ungeahnte Wendungen sind infolgedessen nicht auszumachen, die kurze, aber immerhin knackige Action (und sei es auch nur eine Blaulichtfahrt durch einen Tunnel) wird mit erhöhter Aufmerksamkeit quittiert und Gibson bietet, neben dem merkwürdigen Hang zu Ginger Ale, einen durch und durch sympathischen „Vertreter des Gesetztes“, der natürlich nicht nach Bürokratie und im Gesamtkontext auch nicht nach Nachvollziehbarkeit in Sachen Logik fragt.
Storytechnisch eher ein Hänger, doch für Fans des australischen Mimen sicherlich Grund genug für eine Sichtung.
Knapp
7 von 10