Leibwächter und Attentäter mit Donnie Yen - klingt verdammt gut, doch leider endete der erste Versuch einer Sichtung bereits nach nur knapp einer Stunde von den auf der Packungsbeilage angebotenen 133 Minuten. Da war ich schon so durcheinander, gelangweilt und genervt, dass ich den Film erstmal für die nächsten zwei Monate in die Ecke legte - wer hat auch schon Lust, innerhalb von sechzig Minuten Bekanntschaft mit knapp zwanzig (!!!) Protagonisten zu machen, von denen man nicht weiß, ob man sie sich merken soll oder eher nicht und die teilweise (zumindest auf der britischen BluRay) auch noch mittendrin ihren Namen wechseln? Da wird aus Dr. Sun Wen plötzlich Dr. Sun Yat-Sen, aus Boss Tung wird Boss Tang und irgendein General Yen heißt urplötzlich Yan.
Als wäre das nicht alles schon verwirrend genug, versucht uns der Regisseur in einer knappen Stunde auch noch zügig alle möglichen Details der jüngeren chinesischen Geschichte unterzujubeln, selbstredend ohne es mit der Genauigkeit allzu pingelig zu sehen - da werden Figuren erfunden, andere weggelassen, ganze Kriege großzügig übersprungen und Ursachen der geschichtlichen Entwicklung verschleiert oder gar nicht erwähnt, kurzum alles Humbug!
Dabei hätte es so einfach sein können. Nachdem ich den Film dann doch noch zweimal geschaut hatte (einmal "nur so" und einmal um zu verstehen, um wen und was es überhaupt geht), stellte sich heraus, dass die Geschichte (des Films) denkbar einfach erzählt ist und sich in zwei Sätzen verständlich zusammenfassen lässt:
Der Revolutionsführer Sun Yat-Sen möchte nach Hong Kong kommen, um die Führer der 13 Provinzen Chinas im Kampf gegen die tyrannische Qing-Dynastie zu vereinen. Auf seinem Weg durch Hong Kong wird ihm von Dutzenden vom kaiserlichen Hof beauftragten Attentätern unter der Führung von Yan Xiao Kwo aufgelauert, während eine handvoll treuer Revolutionsanhänger versucht, sein Leben zu schützen.
So zusammengefasst klingt es doch schonmal gar nicht so schlecht! Ist es auch nicht, wenn man nicht besonders viel Wert auf historische Genauigkeit legt und sich gut Dinge/Personen in kurzer Zeit merken kann.
Und damit zur eigentlichen Kritik:
Negativ fällt die unglaublich wirre Geschichte mit vielen (teils auch unwichtigen) Haupt- und Nebenfiguren auf. Ihnen allen fehlt der Tiefgang - kein Wunder, wenn man in 60 Minuten zwanzig Personen vorstellen will, bleibt halt wenig Zeit. Durch eine eher sprunghafte Erzählweise wird der chaotische Eindruck in der ersten Filmhälfte noch verstärkt, es kann sich kaum Sympathie für irgendeine Figur entwickeln, da diese viel zu wenig Screentime haben oder halt einfach unsympathisch sind.
Dabei kann man einigen der Protagonisten nichtmal vorwerfen, dass sie schlecht gespielt hätten - im Gegenteil!
Donnie Yen als spielsüchtiger Polizist Chung Yang macht eine hervorragende Figur. Er erweist sich nicht nur als für sein Alter immer noch blitzschneller und schlagkräftiger Kämpfer, sondern kann auch mit schauspielerischer Leistung überzeugen.
Nicholas Tse als Rikscha-Fahrer A-Si hat zwar kaum etwas in kämpferischer Hinsicht zu tun, kann aber mit einer soliden mimischen Vorstellung überzeugen.
Wang Xueqi als Druckereibesitzer Li Yu Tang und Geldgeber der Revolution macht seine Sache ebenso hervorragend wie Tony Leung Ka-Fai als Rädelsführer der Revolution Chen Xiao-Bai.
Über die anderen Darsteller lässt sich nur wenig sagen - sie sind einfach zu selten zu sehen...
Die Optik des Filmes ist eindeutig sehr gelungen - mit großem Aufwand, viel Liebe zum Detail und angenehm anzuschauender CGI hat man ein beeindruckendes Bild Hong Kongs zur Jahrhundertwende entworfen und bei genauem Hinschauen (was ja nach 2 1/2 Mal ansehen automatisch der Fall ist), erkennt man sogar die ein oder andere (Straßen-) Ecke wieder! Wirklich überzeugend - toll gemacht!
Wenn wir uns nun dem Wichtigsten, nämlich den Kampfszenen zuwenden, lässt sich auch hier rein gar nichts negatives sagen - es sei denn, man möchte vielleicht anmerken, dass diese insgesamt etwas mehr Filmzeit hätten beanspruchen dürfen. Jedoch wartet der Film (und hier ist es ausnahmsweise mal ein Plus, dass so viele Leute mitmachen) mit unglaublich vielen Kampfvarianten auf. Die verschiedensten Leute kämpfen an den verschiedensten Orten mit den verschiedensten Techniken - spannend und abwechslungsreich! Besonders Donnie Yen hat einmal mehr gehalten, was man sich von ihm verspricht, aber auch Leon Lai (als Bettler mit dem metallenen Fächer) hat ordentlich was hergemacht.
Tja, nun die alles entscheidende Frage nach dem Fazit und danach, was man hätte besser machen können...
Nun, wenn schon der Anspruch bestand, so viele Protagonisten dem Zuschauer schmackhaft zu machen, hätten diese deutlich tiefgreifender vorgestellt werden müssen - dies hätte natürlich Zeit gekostet und wäre vermutlich langweilig geworden. Vielleicht hätte man die Leute einfach am Anfang einblenden sollen mit Namen und Funktion und mehr Wert auf die kurze Geschichte legen sollen... keine Ahnung, es fällt mir schwer zu konkretisieren, woran es überhaupt genau mangelte, denn beim dritten Versuch fand ich den Film dann schon ziemlich geil.
Daher auch das Fazit:
Schwere, teils langweilige Kost, die mit jedem Ansehen interessanter und von coolen Kampfszenen gekrönt wird - sehr sehens- und empfehlenswerter Film, unbedingt dranbleiben!