Saoirse Ronan spielt eine 14jährige, die von ihrem Nachbarn, gespielt von Stanley Tucci, in einen eigens für diesen Zweck gebauten unterirdischen Raum gelockt und dort ermordet wird. Doch der Tod ist nicht das Ende: Sie kommt in einer Zwischenwelt zu sich, von wo aus sie beobachten kann, wie ihr Vater, gespielt von Mark Wahlberg, beinahe manisch nach dem Mörder sucht, während ihre Mutter, gespielt von Rachel Weisz, daran zu zerbrechen droht. Sie ist gezwungen, all dies praktisch tatenlos mit anzusehen, bis sie schließlich feststellen muss, dass ihr Mörder eine weitere Tat plant.
"In meinem Himmel", oder "Lovely Bones" im englischen Originaltitel, wurde bereits 2002 als Roman veröffentlicht und erfreut sich besonders in den USA relativ großer Bekanntheit und Beliebtheit, zumal Alice Sebold im Fantasy-Drama ihre eigene Vergewaltigung künstlerisch verarbeitet. Als Vorlage für einen Film hat der Stoff dabei durchaus Potential, da er einige Innovationen aufbietet und dem entsprechenden Regisseur sowohl auf inhaltlicher als auch auf visueller Ebene einige Möglichkeiten eröffnet. Womit wir bei Peter Jackson wären, der mit "Herr der Ringe" und "King Kong" atemberaubende Bilder zu liefern wusste und mit "Heavenly Creatures" auch das nötige Feingefühl für ein Charakterdrama unter Beweis stellte. So war mit dem stattlichen Budget von über 60 Millionen Dollar und dem namenhaft besetzten Cast zumindest ein kleines Meisterwerk zu erwarten. Umso enttäuschender ist das Resultat, das Jacksons schlechtester Film seit seinen Splatter-Zeiten ist.
Im Grunde lässt sich dabei kaum exakt feststellen, woran der Film eigentlich genau scheitert. Eine der Hauptursachen ist aber auf jeden Fall der mitunter nahezu peinlich aufdringlich servierte Gefühlskitsch, den Jackson hier vom Stapel lässt. Man wird von einer betrübt klingenden Mädchenstimme eingeführt, die uns in eine nahezu perfekte Welt entführt, in eine Bilderbuchfamilie, die kaum idyllischer dargestellt werden könnte; mit rührseligen Pianoklängen im Hintergrund sieht man die verliebte 14jährige, die in einer verkitschten Traumwelt lebt (auch bevor sie stirbt), während sich der Film langsam und etwas zäh dem Mord entgegensehnt.
Doch mit dem Initialereignis nimmt "In meinem Himmel" auch nicht so recht an Fahrt auf, vielmehr scheint es, als könne sich Jackson nicht so recht zwischen einem kitschigen Fantasyfilm, einem einfallslosen Thriller und einem melancholischen, aber recht flachen Familiendrama entscheiden, sodass sich der Film zwischen die Stühle setzt und zu keinem Zeitpunkt wirklich an Fahrt aufnimmt.
Das Familiendrama krankt in erster Linie daran, dass Jackson ihm viel zu wenig Laufzeit eingesteht, weil er sich zu sehr in diversen Traumwelt-Sequenzen verliert. Die einzelnen Charaktere gewinnen dabei kaum an Profil, so ist Jackson zwar recht bemüht, die Vater-Tochter-Beziehung ein wenig zu vertiefen, verliert sich aber auch hier lediglich in überproportionierten Gefühlsregungen eines Vaters, der über zwei Jahre hinweg den Mörder seiner Tochter sucht, wofür er die restliche Familie vernachlässigt, während Mutter, Schwester und deren Umgang mit dem Tod der 14jährigen nicht einmal so recht tangiert werden und die Großmutter vollkommen fehl am Platz wirkt. So kommt keine rechte Dramatik auf, keine Tiefe, vielmehr wirkt das Charakterdrama einem Episodenfilm entnommen, der sowieso nur darauf aus ist, die einzelnen Geschichten grob abzubilden.
Aber auch der Krimi-Aspekt wird nicht weiter vertieft. Das Psychogramm des Mörders bleibt darauf beschränkt, dass es sich schlicht und einfach um einen kranken Perversen handelt, während die Polizeiarbeit derart unterrepräsentiert ist, dass auch der Thriller nicht in Gang kommt. Punktuell versucht Jackson dabei durchaus Spannung zu erzeugen, etwa beim Verhör des Killers oder beim Einbruch der Schwester in dessen Haus, aber mit zwei oder drei klassischen Hitchcock-Spannungsmomenten kreiert man keine dichte Atmosphäre, von dem ein Film längerfristig zehren kann. Inwiefern der Mörder sein Opfer dabei in deren Himmel verfolgt bleibt derweil absolut undurchsichtig.
Statt also seinen eigentlichen Plot voranzutreiben, die Charaktere weiter zu konstruieren, oder seinen Film an Fahrt gewinnen zu lassen, verirrt sich Jackson auf seinem ganz persönlichen Spielplatz: In den Traumwelten. Dabei lässt sich nicht abstreiten, dass berauschende Bilderfluten geliefert werden, die fantasievoll gestaltet sind und so mitunter zu fesseln wissen, aber irgendwann hat man sich dann doch an ihnen satt gesehen, weil Jackson die Himmel-Sequenzen auf Dauer überstrapaziert. Zudem sind die entsprechenden Szenen mit ihrer schmalzigen, teilweise melancholischen Musik derart kitschig, dass das Familiendrama, das sich in der Parallelwelt abspielt, kaum noch ernst zu nehmen ist. So nimmt Jackson seinem Film mitunter nicht nur die Fahrt, er zieht ihn teilweise fast schon ins Lächerliche und führt alle weiteren Ansätze praktisch ad absurdum, bis er dann irgendwann an einen Punkt gerät, an dem man dem Mörder nicht einmal mehr so recht böse sein kann, dass er das Mädchen in diese Welt befördert hat. Eine emotionale, tröstliche Verarbeitung eines solchen Schreckensfalls ist das eine, ein ungeniertes verkitschen ist ein Fehler, an dem auch ein handwerklich gut umgesetzter Jackson-Film hoffnungslos scheitert.
Der Cast versucht mit authentischem Spiel und glaubhaften Gefühlsregungen gegen all dies anzuspielen, hat dabei jedoch kaum eine Chance. So zeigt Mark Wahlberg durchaus eine sehenswerte Leistung, ist aber im Grund austauschbar, da ihm die Rolle des fürsorglichen Vaters nicht so recht stehen will, nachdem er sich besonders in harten Charakteren, etwa als pöbelnder Ermittler in "Departed" empfehlen konnte. Daneben zeigt Saoirse Ronan, dass sie nicht zu Unrecht als großes Talent gefeiert wird, spielt ihre Rolle sympathisch, natürlich und glaubhaft, kommt inmitten einer kunterbunten, sich stetig verändernden Welt aber kaum zum Zug, ähnlich wie Oscar-Preisträgerin Rachel Weisz, die außer drei Tränendrüsen-Szenen im Grunde zu einer kleineren Begleiterscheinung verkommt. Charakterdarstellerin Susan Sarandon wird dabei noch sträflicher verheizt, da sie nicht nur in einem überflüssigen, sondern auch noch nervigen Nebencharakter steckt, während Rose McIver in der Rolle der kleinen Schwester ihrem Charakter ein wenig Profil verleihen kann. Am besten spielt dabei Stanley Tucci gegen Jacksons verkitschte, orientierungslose Regie auf und stellt seinen Charakter derart bedrohlich dar, dass zumindest punktuell ein Ansatz von Spannung aufkommt.
Fazit:
Bilder der trauernden Familie, des irren Mörders und bunter Fantasiewelten folgen mitunter etwas bezugslos aufeinander, während die Literaturvorlage und der starke Cast praktisch vollkommen ungenutzt bleiben. Damit scheitert "In meinem Himmel", ein paar gelungene Bilder und atmosphärische Momente einmal ausgenommen, praktisch auf der ganzen Linie, da sich Peter Jackson lieber in seiner kitschigen Fantasiewelt vergnügt, als das Familiendrama tiefer zu konstruieren bzw. die Ermittlungen im Mordfall spannender zu gestalten.
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