Heroic Bloodshed trifft Poetic Melodrama
Da bin ich wieder beim Regiedebüt von Wong Kar-Wai angekommen... "As Tears Go By" zwischen stylischer Gangsteraction in Slowmotion und mit kräftigen Farbfiltern und triefendem Liebesdrama. Über einen kleinen, versierten Gangster in der Unterwelt von Hong Kong, seinen unfähigeren Kindheitskumpel und dessen schöne, lungenkranke (!) Cousine, die bei den beiden plötzlich einzieht...
Scott + Woo = Wong?!
Eine Zeit lang war "As Tears Go By" wahrscheinlich mein liebster Film von Wong. Zugänglicher, klarer, näher am Mann, actionreicher als sein späterer und ausgebildeter Stil. Mit der Zeit erkennt fast jeder, auch ich, dass "In The Mood For Love" und Co. seine wahren Meisterwerke sind. Doch auch dieser erste Gehversuch im Langfilmbereich ist noch immer mehr als gelungen. Er vermischt Hong Kong-Actionkino und Liebespathoskitsch zu einer einlullenden und unfassbar stylischen Ballade. Voller Neonlichter und Synthies, voller Hollywoodreferenzen, voller Schmalz und Wahnsinn, voller Theatralik und Brüderlichkeit, voller blauer Flecken und gebrochener Herzen. Kein Wunder, dass ich mich in ihn sehr früh und widerstandslos verknallt hatte. Das ist doch fast näher an Woo oder Tony Scott als an Wongs späterem, arthousigerem Appeal. Von dem hier aber auch schon deutlich Spuren spürbar sind. Die Chemie - egal ob in Sachen Freundschaft oder Romantik - passt und ist kompakt wie komisch. Das damalige Kowloon ist und bleibt ein kongenialer Schauplatz. Ein paar unnötige und quälerische Szenen mit Tieren stoßen übel auf. Die Laufzeit strapaziert es nicht über. Die Atmosphäre ist zum Schneiden dicht. Das Gleichgewicht der Extreme ist im Soll. Und das Ende bleibt im Gedächtnis, fast traumgleich und tragisch, schön und mystisch. Ein verlorenes Leben. Wie im Flug. Leidenschaft auf Zelluloid gebannt. Ein Jahrhunderttalent im Anflug.
Take My Breath Away
Fazit: Wongs Regiedebüt ist schon ein Hit - vor allem wenn man im Geiste noch John Woo und Co. hinterherhängt. Und obwohl Wongs Style hier noch einige Ecken hat. Trotzdem ist das poetisch, brutal und saucool. Melancholie trifft Einschusslöcher.