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Echte Erfolgstypen scheinen zumindest im dramatisch angehauchten Action-Film nicht gefragt zu sein, oder wie erklärt sich der Fakt, dass die Handlung beinahe immer in dem Moment einsetzt, indem die so lange erfolgreich ausgeübte Methode den Bach herunter geht?

Ähnlich wie zuletzt in Ben Afflecks "The town" vermittelt auch "Takers" nur zu Beginn eine Ahnung von der Professionalität der Männer um das Brüderpaar Jake (Michael Ealy) und Jesse Attica (Chris Brown), die gemeinsam mit A.J. (Hayden Christensen), Gordon (Idris Elba) und John (Paul Walker) mit minimaler Gewaltanwendung, mitten am Tag, eine Großbank in Los Angeles ausrauben. An den Luxusautos, die am Zielort bereit stehen, ihren Wohnungen und ihrer selbstbewussten Lebensführung wird deutlich, dass sie schon jahrelang auf diese Art ihr Geldverdienen. Passend zu dieser Routine ist auch der sensible Umgang mit dem erbeuteten Geld, das größtenteils von einem Finanzexperten angelegt wird, und der Fakt, einen solchen Coup nur einmal im Jahr zu planen.

Damit enden allerdings die Parallelen zu "The Town", denn während dort der Keim des Scheiterns schon in der Ausgangssituation verborgen ist, kommt er in "Takers" von außen. Zuerst geht es den fünf Bankräubern bestens. Die Polizei hat keine Anhaltspunkte, das jeweilige Privatleben ist je nach Geschmack bestens bestellt, und die Protagonisten leiden weder unter verborgenen Minderwertigkeitskomplexen, unkontrollierter Aggressivität oder übertriebener Gier - wer jahrelang keinen Fehler gemacht hat, braucht sich eben keine Sorgen zu machen. Einzig das frühere Bandenmitglied Ghost (T.I.Harris), das vor fünf Jahren bei einem Überfall schwer verletzt wurde, beginnt Ärger zu machen, denn als er aus dem Gefängnis entlassen wird, zwingt er die ehemaligen Kameraden dazu, schon in fünf Tagen wieder ein riskantes Ding auszuführen.

An dieser Stelle wird die Schwäche des Konzepts erstmals deutlich. Natürlich herrscht ein latent schlechtes Gewissen bei der Gang vor, da ihr Kumpel im Knast saß und die Klappe hielt, aber warum ausgerechnet diese ausgebufften Profis auf seine Entlassung nicht vorbereitet waren, und sich dazu überreden ließen, einen so schwierigen und in der Vorbereitung komplexen Plan in offensichtlich zu kurzer Zeit umzusetzen, wird nicht nachvollziehbar vermittelt. "Takers" versucht zwar zunehmend im Stil von "Heat" ein psychologisch komplexes Bild der inneren Verflechtungen aufzubauen, bleibt aber in Klischees und Andeutungen stecken. Zu diesem Konstrukt gehört auch das Polizistenduo Jack (Mall Dillon) und Eddie (Jay Hernandez), das den Gangstern versucht auf die Spur zu kommen.

Natürlich ist Jack geschieden und sieht nur selten seine kleine Tochter, die er dann auch noch wegen seines Berufs vernachlässigt. Eddie hat zwar eine glückliche Beziehung, dafür aber einen kleinen Sohn, der regelmäßig zur Dialyse muss. Auch bei den Gangstern gibt es ein paar Ungereimtheiten, wie Gordons alkoholkranke große Schwester, der im Knast sitzende Vater oder die Tatsache, dass Jake sich gerade mit Rachel (Zoe Saldana) verlobt hat, die früher mal die Freundin von Ghost war. Doch diese angeblichen Dramen werden alle nur so kurz und lieblos aufgetischt, dass man schon aufpassen muss, daraus das spätere Handeln der Protagonisten herzuleiten. So darf der noch sehr junge Jesse ganz zu Beginn den schon tausendmal im Gangsterfilm gehörten Spruch, niemals wieder lebend in den Knast gehen zu wollen, ablassen, um damit am Ende ein wahnsinnig konsequentes Verhalten zu begründen.

Doch diese inneren Beweggründe vermitteln sich nicht, weil der Film sich keine Zeit lässt, die zu vielen Charaktere heraus zu arbeiten. So wird der nachvollziehbare Konflikt um Rachel, der viel über Ghosts innere Verfassung ausgesagt hätte, gänzlich fallen gelassen. Wann und warum sie ihn verließ, um mit Jake zusammen zu kommen, bleibt offen, da Zoe Saldana keinerlei Screentime gewährt wird, die ihr die Gelegenheit gibt, über eine betroffene Miene hinaus zu gehen. Nicht von ungefähr hatte sich Michael Mann in "Heat" sehr viel Zeit gelassen, die handelnden Personen vorzustellen, wodurch die eindrucksvollen, aber sparsam eingesetzten Actionszenen erst ihre Wirkung erhielten, hier dagegen wird in einer deutlich kürzeren Laufzeit hauptsächlich auf Action gesetzt.

Natürlich kann "Takers" Show-Werte bieten, aber diese bleiben seltsam leblos, da selbst die äußerlich tragischen Momente keine Emotionen erzeugen können. Im Gegenteil verstärkt die zunehmende Fehlerquote der Handelnden, die plötzlich töten und gegen jede Vernunft ihr Ding durchziehen, nachdem sie jahrelang ein Muster an Disziplin waren, nur das Gefühl der Oberflächlichkeit, mit der hier krampfhaft versucht wird, einem Actionfilm Drama einzubläuen. Ironie oder Witz bleiben dagegen Fehlanzeige, obwohl das angesichts der Handlung die einzig angemessene Emotion gewesen wäre (4/10).

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