Raffiniert konstruierte Überfälle und Raubzüge, edle Anzüge, teure Drinks, hübsche Frauen - die Welt der Verbrecher kann auf der Leinwand ja so wunderbar edel und aufregend sein, stets auf der Flucht vor Neidern, Konkurrenten oder der guten, alten Polizei.
Caper- und Copmovies sind jedoch in den letzten Jahren mangels Blockbusterpotential und Spezialeffekten ein wenig ins Nischendasein abgerutscht, seit sich mit den Gut/Böse-Prinzipien eher im TV ganz groß - und erfrischend realistisch Kasse machen läßt.
Getreu dem Prinzip "Wenn Michael Mann es nicht verfilmt, wer dann?" wurden aus den großen Verbrecherfiguren also entweder ins Detail analysierte Menschen mit Problemen oder Gangstafiguren wegen der Sozialgefällenähe. Die Safeknacker, die geschickten Räuber, das alles ist jetzt eine Las Vegas-Show der entspannten Art für gestandene Darsteller, die sich eine amüsante Auszeit gönnen wollen (getreu dem "Ocean's Eleven"-Prinzip).
"Takers" versucht mal wieder einen älteren Ansatz; einen, der schon in den 80er Jahren populär war, als die Schmierfinger plötzlich Stil hatten und die politischen oder soziale Dimension der 70er in den Hintergrund gerückt war. "Miami Vice" machte es vor, das Elend kleidete sich gut, die Brutalität war die gleiche.
Hier kommt aber nun die Schnittmenge aus allem, was gleichzeitig Qualität und Hypothek bedeutet: die eleganten, gebildeten Mitglieder eines sorgsam planenden, aber raffinierten Verbrecherquintetts, die gegen einen in Schwierigkeiten befindlichen, aber hartnäckigen Polizisten antreten, während sie mit der Rückkehr eines ehemaligen Mitstreiters hadern, der sie zu einem riskanten Coup anhält.
Zwischendurch simuliert man ein paar persönliche Probleme außerhalb der Gruppe, kaut die eine oder andere Familienthematik an und ahnt, daß hier jemand ein viel dickeres Ding zu laufen hat als der Überfall auf einen Geldtransporter, den man mittels Sprengstoff in den Untergrund bomben will. Wem das bekannt vorkommt, dem sei gesagt, daß die inhaltliche Nähe zu "The Italian Job" schon im Film brav aufgesagt wird und mit dieser Selbstbedienungsmentalität durch die Krimifilmgeschichte muß man sich auch durch "Takers" graben.
Denn hier gibt es fast alles, was es schon irgendwo anders gegeben hat, einfach nur brav und solide noch einmal auf einem Tischchen angerichtet: der feine Zwirn, die guten Manieren und die freundschaftlichen Beziehungen der fünf Räuber; der sich aufreibende Polizist, der sowohl sein Privatleben wie auch seine Wochenendtochter für den Fall opfert und immer kaputter ausschaut, je länger der Film dauert; Korruption, Betrug, Pläneschmieden, Gefängnisstories, dazu dumpf vor sich hinbrütende Konflikte, als Zuckerguß hier ein Brüderpaar, dort eine drogensüchtige Schwester.
Wichtig ist das jedoch alles irgendwie nicht; natürlich sieht "Takers" erlesen aus, hat eine gute, weil nicht stargespickte, aber bekannte Besetzung und nebenbei noch Geschmack und Eleganz, reißt aber einfach nicht mit. Vielleicht weil die Charakterbildung weder in die Tiefe, noch in die Breite geht, die ganzen Problemchen so abgenutzt sind, daß man sie schon als Affront versteht. Daß man einfach nur noch unbefriedigt darauf wartet, daß sich Altmitglied "Ghost" endlich als der miese Schweinehund entpuppt, den wir hinter seiner aufgesetzt "Brother"-Fassade sowieso schon vermuten. Daß endlich an den Tag kommt, warum die interne Ermittlung ständig hinter Cop Matt Dillon her ist, obwohl man sich als aufmerksamer Zuschauer das sowieso am Anfang bald denken kann. Daß nur die Action einen Film vor der Beliebigkeit retten kann, der es sich leistet, einen Darsteller wie Hayden Christensen als huttragenden Spargel mit enormen Schlagfähigkeiten zu verpulvern und Paul Walker in einer Rolle zu präsentieren, die tatsächlich im Vergleich zu allen anderen Klischeerollen eigentlich gar keine eigentliche Persönlichkeit besitzt.
Offenbar ist das zumindest rudimentär auch dem Autorenquartett (darunter der Regisseur) aufgefallen, die den Film mit zunehmender Laufzeit mit immer mehr Action zukleistern. Schußwechsel, eine Parkourflucht, eine persönliche Tragödie, dann das große Shootout zwischen Räubern und martialischen Russenkillern in einem Hotelzimmer, all inclusive mit Extremzeitlupe, Heldentod und klassischem Frauengesang.
Da mutet das halboffene Ende ja schon fast originell an, obwohl es die Figuren nicht im Mindesten einer Lösung ihrer Probleme, eines Wandels, einer neuen Charakterisierung näher bringt. Am Ende erschießt man sich oder man schießt sich an oder man geht freiwillig in den Tod (eine vage Referenz an Butch und Cassidy, die noch dazu vollkommen deppert in die Handlung eingebaut wurde) oder kommt eben davon. Am Ende leben noch ein paar, zumindest halbwegs und gehen/fahren ihrer Wege. Und genau das macht man als Zuschauer auch nach diesem Film: man geht seiner Wege, nicht einen Deut schlauer oder satter, wenig angeregt und noch weniger überrascht.
Zwar haben die zwei Überfallssequenzen durchaus ihre Qualitäten und hier und da sitzt auch ein Witz, aber sonst ist das altbekannt, abgenutzt und gerade deswegen so störend. Gelackte Oberflächen vertragen sich eben nicht mit menschelnder Tiefe hinter der Fassade und wenn doch, muß man sich auf eine Figur konzentrieren können, hier schlappen aber gleich acht Figuren durch die Kulissen und verlangen ihr Recht, wobei man Christensen und die kurz reinschauende Zoe Saldana verschenkt und die sonst beharrlich gute Marianne Jean-Baptiste ("Without a Trace") in ihrer Drogie-Rolle nur ein Bremsklotz fürs Tempo darstellt.
Was fehlt, sind individuelle Vision und persönliche Präzisision - hier scheinen ordentliche Handwerker bei ein paar Starkonstrukteurer brav abgeschrieben zu haben, ohne sich dann auch noch unpassend damit zu brüsten, sie servieren einfach das Starmenu vom Empfang daheim am Küchentisch noch mal, alle Zutaten wie gefordert drin, aber das Ambiente stimmt nicht mehr so recht.
Man kann den Film dennoch genießen, selbst mäßige Qualitäten können schmackhaft ankommen, wenn man kein Fest erwartet und streckenweise zeigt die Interessenkurve dann auch nach oben (speziell in den "Heist"-Sequenzen), aber der Zeitlupenshootout ist dann doch wieder leicht anbiedernd, ebenso wie die Wackelkamera auf der endlosen Dauerflucht über Gebäude und Straßen.
Da mögen Paul Walker und der charismatische Idris Elba noch so schnittige Top-Anzüge tragen, der Film ist am Ende doch nur von der Stange. Vielleicht nicht "C&A", aber keinesfalls besser als "H&M". (5,5/10)