Review

"Heat-Imbiss für zwischendurch"

Wer mit Heat in den Ring steigt, kann eigentlich nur verlieren. Michael Manns Heist-Epos verbindet großes Drama, ausgefeilte Charakterstudien, knisternde Spannung, brachiale Action und brillante Bildkompositionen zu einem bis heute unerreichtem Genremeilenstein, an dem sich alle ähnlich gelagerten Stoffe messen lassen müssen. Heat ist gewissermaßen das Gourmet-Menu neben dem sämtliche Nachahmer froh sein können, überhaupt als Nahrung wahrgenommen zu werden.

Ein solch todesmutiger Epigone ist Takers. Auch hier geht es um eine Bande hochspezialisierter Einbruchsgenies im Großraum Los Angeles (u.a. Idris Elba, Paul Walker und Hayden Christensen). Präzision, Geschwindigkeit und Effizienz sind auch ihr Credo. Mit kleinen Fischen geben sie sich nicht ab. Es müssen schon gut gefüllte Banktresore oder millionenschwere Geldtransporter sein, bevor sie ihre perfekt geölte Maschinerie in Gang setzten.
Unnötig zu erwähnen, dass die lokalen Gesetzeshüter bei den akribisch geplanten Raubzügen steinalt aussehen. Wie im großen Vorbild will sich ein besonders verbissener Cop (Matt Dillon) nicht mit den andauernden Demütigungen abfinden und den Edel-Ganstern endlich das Handwerk legen. Natürlich liegt sein Privatleben in Trümmern und lassen seine Ermittlungsmethoden nicht unbedingt die Konnotation „to serve and protect" aufkommen. Aber im Sumpf des Verbrechens tummeln sich glücklicherweise reihenweise verräterische Ratten, so dass auch für diese Bande der kalifornische Boden immer heißer wird.

Bei so viel Gemeinsamkeiten fragt man sich unweigerlich, wo denn nun die Unterschiede zum Mann-Knaller liegen. Tja, ironischerweise sowohl an der Oberfläche wie auch in der Tiefenstruktur. Takers kommt zunächst wesentlich gelackter und glitzernder daher. Während Mann Los Angeles mit einer ihm eigenen Bildsprache huldigt die häufig an ambitionierte Kunstphotographie erinnert, setzt Takers-Regisseur John Luessenhop voll auf die für Hollywood sonst so typische Reiseprospekt-Optik. Das ist durchaus nett anzusehen und passt wunderbar zu den ebenfalls recht oberflächlich gezeichneten Figuren.
Psychologisch tief schürfende Charakterportraits wie beim Genreprimus sucht man hier nämlich vergeblich. Klar haben die Jungs auch so ihre Problemchen (u.a eine cracksüchtige Schwester des Anführers und einen Partnertausch innerhalb der Gang), aber die wirken geradezu aufreizend schludrig einmontiert und bestenfalls schlaglichtartig ausgearbeitet. Logisch, dass man hier weniger mitfiebert, wie beim packenden Psycho-Duell zwischen den (zu dieser Zeit noch) Schauspieltitanen Robert DeNiro und Al Pacino.

Während Michael Mann seinen Thriller wie eine griechische Tragödie aufbaut und sich viel Zeit lässt den Zuschauer in den Film heineinzuziehen, versucht Luessenhop gar nicht erst hier mitzuhalten und zieht von Beginn an die Temposchraube ordentlich an. Klar leidet darunter die Substanz der ganzen Chose, aber Langeweile kommt auch keine auf.
Die zahlreichen Actionszenen erreichen zwar nie die eruptive Wucht der berühmten Straßenschlachtsequenz aus Heat, sind aber ausnahmslos spektakulär in Szene gesetzt und für den heutzutage immer seltener verwöhnten Actionfreund garantiert ein Grund zur Freude.

Schauspielerisch ist sowohl namens- wie auch darbietungstechnisch alles eine Nummer kleiner geraten als bei Mann. Außer Rapperstar T.I., der allzu offensichtlich den bad boy mimt, liefern alle Beteiligten souveräne Vorstellungen, wobei insbesondere Matt Dillon als ebenso zwielichtiger wie bissiger Cop und der permanent gescholtene Paul Walker als ultracooler Nadelstreifen-Gangster einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Wer also den ewigen Vergleich mit dem inzwischen überlebensgroßen Heist-Klassiker Heat auszublenden vermag, kann an Takers durchaus seinen Spaß haben. Es muss ja nicht immer das Mehrgänge-Menü im Sternerestaurant sein. Ein ordentlicher Hamburger in der In-Kneipe um die Ecke kann auch mal ganz gut munden, ohne dass man deshalb gleich als Gourmet-Banause verschrieen sein muss. In diesem Sinne: „Take(ers) away and enjoy!"

(6,5/10 Punkten)

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