„It´s not the dark that scares me – it´s what lives inside it...“
Bei „Fear Clinic“ handelt es sich um eine eigens fürs Internet produzierte Mini-Serie aus dem Hause „FEARnet.com“, die am 26. Oktober 2009 (als „Centerpiece-Event“ des alljährlichen Halloween-Sonderprogramms jener Website) ihre Online-Premiere feierte und sich aus einer glatten Handvoll „Webisodes“ zusammensetzt, welche im Schnitt jeweils rund sechs Minuten Spielzeit umfassen. Mit der Umsetzung betraute man den angesehenen Make-up- und Special-F/X-Künstler Robert Hall, der sich mit seinen Werken „Lightning Bug“ und „Laid to Rest“ zuvor auch schon als Regisseur einen passablen Ruf zu erwerben vermochte – worüber hinaus man Horror-Fans im Bereich des Castings eine „nette Freude“ bereitete, indem vier zentrale Parts mit Akteuren aus einigen der populärsten Genre-Franchises der Filmgeschichte besetzt wurden: Neben Robert Englund, seines Zeichens ja (der ursprüngliche) Freddy Krueger höchstpersönlich, sowie Kane Hodder, der im Laufe seiner Karriere u.a. Jason Voorhees und Victor Crowley verkörperte, sind ebenso noch Lisa Wilcox (Alice aus „A Nightmare on Elm Street 4&5“) sowie Danielle Harris mit von der Partie – letztere war (bekanntermaßen) ja nicht nur 1988 und 1989 in dem vierten und fünften „Halloween“-Streifen zu sehen, sondern zudem auch in den ersten beiden Teilen von Rob Zombie´s „Neuinterpretation“ jener klassischen Reihe. Nimmt man obendrein nun noch die präsentierte Story und deren düsteres Setting mit in Betracht, würde ich (spontan) einfach mal sagen: Eine durchaus verheißungsvolle Ausgangslage…
In der gemeinsamen Hoffnung auf Heilung halten sich momentan gerade fünf junge Leute in einer speziellen Einrichtung auf, in welcher es sich der auf unkonventionelle Methoden zurückreifende Dr. Andover (Englund) zu seiner Berufung gemacht hat, ausgeprägte Formen menschlicher Phobien zu erforschen. Sein Hauptinstrument markiert dabei eine zu eben diesem Zweck von ihm entwickelte Apparatur, die so genannte „Angst Kammer“, in der die zu Therapierenden (jeder für sich) eingeschlossen werden, nachdem ihnen im Vorfeld jeweils eine experimentelle Droge verabreicht wurde, die gezielt bestimmte Regionen ihrer Psyche stimuliert. Die Behandlung sieht eine systematische Erzeugung der bei ihnen die betreffenden Furchtzustände auslösenden Situationen vor – so dass ihnen innerhalb jenes (einigermaßen kontrollierbaren) Rahmens somit die Möglichkeit geboten wird, sich einer direkten Konfrontation mit den sie auslösenden Traumata zu stellen. Die Sache ist nur, dass eindeutige Fortschritte weiter auf sich warten lassen – wohingegen eher eine Zustandsverschlechterung (sprich: zunehmende geistige Instabilität) unter den Betroffenen auszumachen ist. Während diese Gegebenheit auch den Mitarbeitern Andovers nicht unbemerkt verbleibt, wie etwa der Krankenschwester Owens (Wilcox) oder dem „Pfleger“ Villatoro (Hodder), hält ihr Chef aber dennoch entschlossen an seiner gewagten Vorgehensweise fest. Selbst die per „BlackBerry“ heimlich hinaus ins Web getexteten Hilferufe der vom Doc bislang am längsten behandelten bzw. eingesperrten Patientin (Harris) scheinen offenkundig zu keiner echten Aussicht auf „Rettung“ zu führen – und als allen Beteiligten schließlich gar klar wird, dass sich die angegangenen Ängste irgendwie physisch zu manifestieren anfangen sowie fortan auch in der Realität zu wahrlich grauenhaften Auswirkungen führen, ist es im Grunde genommen (fast) schon zu spät, um den Schrecken und das Sterben noch aufzuhalten…
Da in jeder Episode von „Fear Clinic“ – zusätzlich zur durchgehenden Storyline – ebenfalls eine individuelle Phobie im Mittelpunkt der Geschichte steht, verfügt die Serie zugleich über eine Art „Thema-bezogenes Anthology-Feeling“. In der ersten Folge, welche den Titel „Hydrophobia“ trägt, geht es um Brett (Lucas Till), der sich seit seinem fünften Lebensjahr vor H2O fürchtet und dessen „forcierte Halluzinationen“ ihn nun erneut mit seiner Mutter vereinen, die ihm in Gestalt einer Wasserleiche gegenübertritt und ihn prompt in einer Badewanne zu ertränken versucht: Ein netter Einstieg mit einigen soliden Jump-Scares und creepy Momenten – zum Beispiel ihr „schwebendes Schleifen“ über den Boden oder allein der Anblick ihres von den Einflüssen der Umgebung gezeichneten Körpers. In „Scotophobia“ lernt der Zuschauer die übrigen Protagonisten kennen, wie auch einige ihrer Meinungen und Absichten – worüber hinaus Susan´s (Harris) Angst vor der Dunkelheit beleuchtet wird, da sie in den Schatten jener zig aggressive Kreaturen wähnt, die es auf sie abgesehen haben: In diesem „Abschnitt“ ist die coolste Szene der Reihe zu finden, auf die ich an späterer Stelle aber noch einmal eingehen werde. Insekten sind es, die bei Jackie (Kate Nauta) heftige Panikattacken auslösen („Entomophobia“) – und nach einer verabreichten Injektion ist sie plötzlich davon überzeugt, hunderte (kurz vor ihrer Schlüpfung stehende) Spinneneier unter ihrer Haut zu tragen, welche sie unter allen Umständen schnellstmöglich loswerden will: Ihres Zeichens die ekeligste, zum Teil (auf eine positive Weise) „richtig unangenehm“ mit anzusehende Episode. In der vierten („Misophobia“) wird der Schmutz- und Bakterien-Phobiker Ajax (John Beach) von einem Virus (oder so) befallen, das ihn schrittweise grotesk mutieren lässt, während sich Owens und Villatoro immer stärker gegen Andover aufzulehnen beginnen – und in „Claustrophobia“ wird letztlich das Schicksal des Straßengang-Aussteigers Jonte (Tory Kittles) beleuchtet, der sich (lebendig begraben) mit einigen seiner alten Weggefährten herumschlagen muss, welche (als Untote) noch die eine oder andere Rechnung mit ihm zu begleichen haben…
Bei einer solch kurzen Lauflänge wie der vorliegenden (insgesamt nur knapp 30 Minuten) ist es an sich schon schwierig genug, eine vernünftig ausgearbeitete Handlung zu präsentieren – noch problematischer wird es da im Bereich der Charakterzeichnung, speziell in Anbetracht der (in Relation gesetzt) vergleichsweise hohen Anzahl zentraler Protagonisten. Hier offenbart sich eine markante Schwäche der Mini-Serie, da diese nie in die Tiefe der Materie vordringt und somit (unweigerlich) einen relativ oberflächlichen Eindruck hervorruft: Unabhängig dessen, dass Phobien ja in der menschlichen Psyche verwurzelt sind, bietet einem das Format schlichtweg nicht die nötige Ruhe und Zeit, um irgendwelche Schichten unterhalb der äußeren freizulegen. Im Prinzip wie erwartet, hat man zugunsten eines zügigen Tempos (ohne geruhsame Phasen) inhaltliche Abstriche billigend toleriert. Einige Hintergrundinformationen werden allerdings trotzdem über einzelne Dialogzeilen und Verhaltensweisen preisgegeben, andere vermag man dem umfassenden Kontext zu entnehmen – nur hätte ich gern (zumindest etwas) mehr über die eigentlichen Ursprünge der betreffenden Ängste erfahren. Die fünf jungen Leute werden jedenfalls allesamt „zufrieden stellend“ gespielt: Frei herausragender Akzente erfüllen John F. Beach („Night of the Demons“), Tory Kittles („Frankenfish“) und Lucas Till („X-Men: First Class“) die Anforderungen ihrer Parts – wohingegen das aus „the Transporter 2“ bekannte Model Kate Nauta (überraschend) eine rundum brauchbare Performance abliefert, die sich durchaus sehen lassen kann. Und dann wäre da noch Danielle Harris: Susan befindet sich bereits seit langem unter der Aufsicht Andovers – ist quasi seine Gefangene, welche er geradezu verbissen zu heilen versucht, bislang jedoch ohne Erfolg. Unbemerkt postet sie Nachrichten im Netz, um auf die vorherrschenden Zustände aufmerksam zu machen – nur scheinen ihre Ausführungen seitens der „Web-Leser“ eher missverstanden bzw. keineswegs ernst genommen zu werden. Eine interessante, obgleich (vom Potential her) nicht unbedingt ausgeschöpfte Rolle, welche Danielle aber immerhin anständig meistert…
Mit sichtlicher Spielfreude, sich aber dennoch fast völlig außerhalb etwaiger „Overacting-Gefilde“ bewegend, ist Genre-Veteran Robert Englund hier (voll und ganz) bei der Sache: Abgesehen davon, dass er genau weiß, was die Fans von ihm erwarten, sind dem gestandenen Mimen diabolisch-umtriebige Charaktere wie Andover natürlich bestens vertraut – entsprechend Spaß macht es, dem Doc dabei zuzuschauen, wie er zum Erreichen seiner Ziele (nicht allein nur sprichwörtlich) über Leichen zu gehen bereit ist, also komplett auf den hippokratischen Eid und die Genfer Deklaration des Weltärztebundes pfeift. Auch mit inzwischen über 60 Lenzen hat es Englund einfach noch immer drauf! Ihm zur Seite steht Kane Hodder, der als Assistent Villatoro die Patienten beaufsichtigt bzw. (oft nicht sehr „feinfühlig“) im Zaum hält. Im Zuge der sich entfaltenden Ereignisse, angesichts diverser „unerklärlicher Merkwürdigkeiten“, lässt die Loyalität seinem Chef gegenüber allerdings zunehmend nach – nur verfügt jener über ein gewichtiges Druckmittel ihm gegenüber, welches ein zu deutliches Auflehnen seinerseits momentan noch verhindert. Wie gewohnt punktet der hauptberufliche Stuntman Hodder weniger mit seinem (limitierten) mimischen Talent, sondern vor allem durch seine eindrucksvolle physische Präsenz. Obendrein treten er und Robert in unterschiedlichen Einstellungen hier erstmals zusammen auf – etwas, das trotz mehrerer gemeinsamer Projekte (á la „Wishmaster“, „2001 Maniacs“ und „Hatchet“) bislang so noch nie der Fall war. Neben Angel Oquendo („Post Grad“) als Villatoro´s Kollege Garcia ist schließlich noch Lisa Wilcox zu sehen, die in den vergangenen Jahren maßgeblich mit ihrer Schmuck-Firma „Toe Brights“ beschäftigt war und sich seit ihren beiden Auftritten als „Krueger-Widersacherin“ Alice (1988/89) weder optisch noch darstellerisch allzu stark verändert hat...
Innerhalb der jeweiligen Folgen ist es aufmerksamen Horror-Freunden möglich, verschiedene Anspielungen auszumachen, welche Hall mit einem klar erkennbaren Augenzwinkern in einzelne Momente eingearbeitet hat und die von kleinen Namensschildern im Teamzimmer (z.B. Chuck, Fred und Jason) über ein Bild von ChromeSkull an der Tür eines Spinds bis hin zu leicht abgewandelten Zitaten (man nehme nur mal „You´ve got the body – I´ve got the brain” aus „Freddy´s Revenge“) reichen. Ferner diente das alte „Linda Vista“-Krankenhaus in L.A. als Drehort, wo damals ja die berühmten Heizungskeller-Szenen des ersten „A Nightmare on Elm Street“-Streifens entstanden – und zudem erweckt auch die (ebenfalls mit potentiell tödlichen Ängsten und albtraumhaften Zuständen aufwartende) Story an sich in Teilen durchaus gewisse Erinnerungen an jene legendäre Franchise. In nur sechs Tagen wurde die kleine Reihe handwerklich kompetent umgesetzt: Die per „Sony EX3“-Kameras kreierte Optik erweckt eine durchweg ansprechende Impression, genauso wie die erzeugte (recht creepy-düstere) Atmosphäre. Erwartungsgemäß ist das Tempo straff, sind die F/X aus Hall´s eigener „Almost Human“-Schmiede (ekelerregende Wunden, ein herausgerissener Unterkiefer, cooles Zombie-Make-up etc.) hochwertig und vermochte er als Regisseur einige echt nette Einfälle und Set-Pieces darzureichen – wie die ungemütliche Sache mit den Insekten, ein „Übergang“ von einem Büro direkt hinunter in ein dunkles Grab, in welchem dann prompt Untote mit Pistolen-ähnlichen Waffen aus Knochen und Sehnen auftauchen, sowie Susan´s verzweifelter Versuch, im „Schutze“ eines schmalen Lichtstrahls ins sichere Innere einer Fahrstuhlkabine zu gelangen, während dutzende Kreaturen (auf beiden Seiten) aus der Dunkelheit heraus nach ihr greifen. Nachträglich aufblitzende „Trace Images“ der Halluzinationen sorgen überdies für weitere „Erschrecker“, die Balance aus traditionellen und digitalen Effekten weiß zu gefallen – nur kommt insgesamt nie wahre Spannung auf, u.a. weil die enge Gliederung der Ereignisketten die zum Aufbauen Schrägstrich Generieren jener notwendige „Ruhe“ (per se) einfach nicht zulässt...
Die Vorlage, auf der diese fünf Episoden basieren, geht auf ein Spielfilm-Skript zurück, welches Newcomer Aaron Drane ursprünglich mal unter dem Titel „Heebie Jeebies“ verfasst hatte, bevor man sich bei „FEARnet“ der Angelegenheit annahm und es dem neuen Konzept entsprechend umgeschrieben bzw. angepasst wurde. Als Hall irgendwann mit an Bord kam, überarbeitete er das Drehbuch (in Abstimmung mit Drane) dann ein weiteres Mal, um es seinen eigenen Vorstellungen und Realisierungs-Möglichkeiten ein zusätzliches Stück stärker anzupassen. Herausgekommen ist dabei ein Werk, das als Zeitvertreib relativ solide zu überzeugen weiß, auf inhaltlicher Ebene jedoch so manches zu wünschen übrig lässt: Gern hätte ich mehr über die Vorgeschichte bestimmter Personen erfahren, allen voran über Susan und Andover (etwa wie sich seine Forschung im Laufe der Jahre so entwickelt hat oder ihre Verbindung zueinander denn nun tatsächlich geartet ist), wie auch darüber hinaus reichende Hintergrunddetails präsentiert erhalten, zum Beispiel bezogen auf spezifische Dinge, wie die konkrete Funktionsweise der Kammer oder das generelle Arbeitsumfeld des Docs – u.a. da er seine Besorgnis über eine „drohende Schließung durch die Behörden“ äußert, kann es sich ja wohl kaum um eine geheime oder gar illegale Einrichtung handeln. Sollte jemals eine zweite Staffel in Produktion gehen, wäre es meiner Meinung nach definitiv von Vorteil, im Rahmen jener den (aktuellen) „Anthology-ähnlichen“ Ansatz aufzugeben und sich stattdessen intensiver auf die Figuren sowie den konkreten „Plot-Kern“ zu konzentrieren. In Gestalt des jetzigen Endes bleiben etliche Fragen und inhaltliche „Türen“ jedenfalls offen – was einem schon ein gewisses Maß an Befriedigung (im Sinne des umfassenden Sehvergnügens) verwehrt. Schade, aber nunmal nicht zu ändern. Abschließend hier noch die Eintragung in Andover´s Journal, mit der das Publikum in den finalen Abspann entlassen wird: „Tomorrow another patient arrives with a new phobia I have never seen before. I am both excited and scared to see how the Fear Chamber will externalize the phobia! My work is just beginning...”
Fazit: Geneigten Genre-Fans bietet die im „Webisode“-Format daherkommende Mini-Serie „Fear Clinic“ (2009) eine kurzweilige Form von Unterhaltung, mit der man durchaus passabel eine knappe halbe Stunde Lebenszeit „totzuschlagen“ vermag – angesichts fehlender Langzeitwirkung und Tiefe stellt sie einen alles in allem (unterm Strich) aber dennoch nicht wirklich zufrieden genug, um eine Bewertung oberhalb des glatten Durchschnitts zu rechtfertigen...
„5 von 10“