Das titelgebende Schilf kann schon einen unheimlichen Ort abgeben, vor allem in der Abenddämmerung, wenn unerklärliche Geräusche aus dem Röhricht dringen und dort womöglich jemand oder etwas lauert.
Regisseur Nick Cohen, der mit seinem Vorgänger „Voodoo Lagoon“ eine glatte Niete hinlegte, hat sich mit vorliegendem Werk deutlich verbessert und bringt die Kulisse phasenweise recht atmosphärisch auf den Punkt, während die Geschichte ein wenig unausgegoren daherkommt.
Die fünf Twens um Laura (Anna Brewster) wollen einen kleinen Bootsausflug ins Schilf unternehmen, bis man auf Grund läuft und in der Einöde Hilfe benötigt. Indes haben sie einen Schwerverletzten an Bord, einen schießwütigen Jäger in der Nähe und stumme Jugendliche, die sich ebenfalls im Schilf herumtreiben…
Nach erträglicher Exposition und mal wieder ausbleibender Figurenzeichnung punktet vor allem die Kulisse der nächtlichen Gewässer. Denn just als man einen Metallkäfig rammt, dessen Stange sich in den Unterleib eines Freundes bohrt, ist guter Rat teuer und die variablen Perspektiven des einsam in dem Gewässern liegenden Bootes unterstreicht die Hilflosigkeit ungemein. Hinzu kommen jene schweigende Jugendliche, von denen lange Zeit Unberechenbarkeit ausgeht und nicht sicher ist, ob nicht sie die eigentliche Bedrohung verkörpern. Doch schließlich kommen ein paar übersinnliche Aspekte hinzu, welche auf Geistererscheinungen, eine Zeitschleife und einen Fluch hindeuten, was die Geschichte im Gesamtbild unentschlossen wirken lässt, zumal sich alles auf den finalen Twist zuspitzt, der in dieser Form schon einige Male durchgekaut wurde.
Dennoch ist latent genug Bewegung im Spiel, um einigermaßen bei Laune zu halten, denn einige Komponenten geben Rätsel auf, wie sich schwarz färbende Pupillen oder ein verbrannter Hund, der Jäger mit der Kapuze oder das rothaarige Mädchen, welches fast überfahren wurde. Ereignisreich geht es zur Sache, auch wenn die Beteiligten nicht selten Humbug von sich geben und unlogisch handeln, spätestens, als einer den Kahn verlässt, um Hilfe zu holen.
Ein wenig „Kinder des Zorns“ kommt bei dem Schauplatz natürlich durch und auch die stummen Kids, die irgendwann mit blutverschmierten Gesichtern an einem Feuer sitzen, reihen sich recht gut ins Vorbild ein.
Die Schilfgegend ist demgegenüber stimmungsvoll eingefangen worden mit einigen Szenen der Unterwasserkamera, manchen Vogelperspektiven und ein paar Panorama-Ansichten.
Bei den wenigen temporeichen Momenten durchs Röhricht und einigen Verfolgungen bewirken die Schnitte zwar unübersichtliche Hektik und auch die kurzen Schockmomente lassen sich kaum auskosten, doch insgesamt weiß die Abgeschiedenheit der Kulisse definitiv zu punkten.
Das lässt sich über die weitgehend unerfahrenen Darsteller kaum berichten, denn bis auf Anna Brewster in der Rolle der tough und hilfsbereit handelnden Laura machen die meisten keinen sonderlich glaubwürdigen Eindruck oder sind, wie Geoff Bell als ominöser Bootsverleiher völlig drüber mit den Gesichtverrenkungen.
Schade, dass die Story mit dem stimmungsvollen Setting nicht ansatzweise mithalten kann und lange Zeit zwischen zynischer Sozialkritik und Geistererscheinungen unentschlossen pendelt.
Zwar kommt es zu einigen spannenden Momenten und auch Splatterfans bekommen zwei, drei blutige Einlagen geboten, doch am Ende gipfelt der Showdown in zu gewöhnlichen Gefilden.
„The Reeds“ bietet phasenweise recht passable Unterhaltung, wirkt gegen Ende aber zu bemüht und überraschungsarm, um einer Empfehlung nahe zu kommen.
5,5 von 10