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Nun mal langsam, viele Kritiker und solche, die es werden oder sein wollen, werfen dem Werk "inszenatorische Fantasielosigkeit" und Längen vor. Wer sich jedoch vor Augen hält, dass es sich hier nicht um ein herkömmliches Drama handelt, sondern vielmehr um eine Biographie, die in das Drama-Genre eingefasst wurde, der wird bemerken, dass der Film von Anfang bis Ende funktioniert, wie er soll und wie sich Tony Goldwyn das vorgestellt hat.

Die hervorragenden Besetzungen, allem voran Hilary Swank und Sam Rockwell, aber auch die eine und andere Nebenrolle, wie zum Beispiel die versoffene und gescheiterte "Roseanna Perry" gespielt von Juliette Lewis müssen den Film nicht retten, sondern bereichern schlicht die ruhige Erzählstruktur des Werks und runden die Sache ab.

Die Rückblenden in die Kindheit des Geschwisterpaares sind nicht übergewichtig, sondern bitternötig um uns die enge Bande zwischen den Beiden deutlich zu machen und dadurch eine Erklärung für die Aufopferung der Schwester für Ihren wegen Mordes zu lebenslänglich verurteiltem Bruder zu liefern, aber auch um ein Band zwischen Zuschauer und Protagonisten zu knüpfen um mit Bruder und Schwester wenigstens annähernd mitfühlen zu können.

Dazu ein wirklich toller Score, welcher untermalt und nicht mit einem Hollywood-Geigenhimmel auf die Tränendrüsen drückt plus den ästhetisch fotografierten Bildern machen "Betty Anne Waters" zu einem herausragenden Justiz-Drama, basierend auf einer wahren Geschichte.

Jenseits des Mainstreams wurde hier ein ruhiges biographisches Drama gestrickt, das einmal mehr zeigt, dass der menschliche Wille Berge versetzen kann. Nicht zu lang und nicht zu kurz, zwei halbe Menschenleben - einer Odyssee gleichend, in 114 Minuten zu verpacken und dabei zu unterhalten, denn das soll Kino ja immer noch, soll erst einmal gelingen - Mr. Goldwyn ist es gelungen.

Für Kenny.

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