Handlung:
Ein paar linksextreme Studenten (Vorbildfunktion für deutsche Unis?) streiten sich nach der Inhaftierung ihres Anführers um dessen Nachfolge. Nachdem er im Gefängnis Selbstmord begangen hat, fahren die Verbliebenen in den Wald, um die Führungsfrage endgültig zu klären - mit allen Mitteln.
Kichiku ist absolut kein Film für den Massengeschmack. Die Bildsprache vermittelt eine Blair Witch Project-ähnliche Atmosphäre. Man sieht die Studis in ihren kleinen, klitschigen Wohnungen essen und bei einem großen Topf genußvoll eingeschlürfter japanischer Nüdelchen aufgeregt ihre Meinungsverschiedenheiten austragen - eigentlich gar nicht mal so abnormal, das alles. Als nach einer weiteren Streitigkeit urplötzlich einer was an die Backen kriegt, hat der lediglich auf Splätter ausgerichtete Zuschauer wahrscheinlich schon entnervt abgeschaltet oder ist eingeschlafen. Aber dann kommt es nach und nach richtig dicke. Inmitten der geheimnisvollen Atmosphäre des Waldes sowie eines verlassenen Gebäudes gehen sich die Leutchen an den Kragen, daß es nur so raucht. Das führt zu haarsträubenden Szenen, die Otto Normalzuschauer mit Sicherheit derbe auf den Magen schlagen würden. Aber der hat ja ohnehin schon abgeschaltet.
Im ganzen fasziniert der Film durch die rauhe Intensität, die durch die amateurhaft wirkende wacklige Kameraführung und das natürliche Spiel der Darsteller entsteht. Die Gewaltszenen verlassen den Rahmen der absurden Alltäglichkeit, die sich mit der Zeit breitmacht, recht plötzlich und geben dem Film eine neue Richtung. Aber es gibt noch so viel anderes, surrealistisches und schwer zu durchschauendes, das den Film füllt und ihm eine gewisse Gewichtigkeit verleiht. Mißgünstig eingestellt könnte man natürlich sagen, daß sich der Film auf diese Weise als künstlerisch inszenieren will, aber mich haben die Stilmittel schon weitgehend überzeugt, im Gegensatz zu pseudo-avantgardistischem US-Schrott wie "Scrapbook" oder "Hatred of a Minute". Vieles wirkt ritualisiert und nur durch den japanischen Kulturhintergrund verständlich, z. B. führt die weibliche Hauptfigur Masami in weißer Schminke einen grotesken Tanz auf, der wohl auf das traditionelle japanische Tanztheater verweist. Zumal das ganze vor einer japanischen Flagge stattfindet, die einsam die Wand des verlassenen Hauses ziert. Hier ergibt sich großer Spielraum für Interpretationen. In der Nachwirkung des Films überwiegen die Rätselhaftigkeiten und Surrealismen im Vergleich zu den herben Gewaltbildern, zumindest was mich angeht. Aber die Gesamtwirkung erfordert wohl beide Zutaten. Was an dem Film stört, sind die Szenen, in denen allzu ausgedehnt gestorben, das heißt jede Menge gestöhnt und geröchelt wird, sowie die, in denen Darsteller hysterisch lachen. So plakatives Charaktermimentum wirkt mit der Zeit doch etwas durchsichtig. Die gar nicht mal so zahlreichen derben Effekte sind mittlerer bis guter Qualität.
Insgesamt ein schwer verständlicher, mysteriöser, symbolträchtiger Film, an dem man längere Zeit zu kauen hat. Für Freunde des japanischen Avantgardekinos eine klare Empfehlung.
Die auf 2500 Stück limitierte DVD beweist leider, daß, was limitiert ist bzw. sich gar "Special Limited Collectors Edition" nennt, nicht gleich gut sein muß. Die dt. Untertitelspur läßt immer wieder mal einen Satz unübersetzt (so scheint es zumindest), die Rechtschreibung ist auch fehlerhaft. Und kann mir jemand erklären, was ein "Making OFF" ist? Hat das was mit Licht ausmachen zu tun?