Review

Die Zukunftsvision über einen Virus, der fast die komplette Menschheit ausgelöscht hat, ist keineswegs neu, doch mit erzählerischem Geschick und visuellen Glanzpunkten kann jederzeit ein brauchbarer Film daraus entstehen.
James Boss, der auf diesem Gebiet noch völlig unerfahren ist, sind durchaus handwerkliche Ambitionen zu attestieren, doch die Geschichte ist zu dünn, um inhaltliche Schwächen mit einiger Action zu kaschieren.

Die Überlebenden der nicht näher genannten Katastrophe leben hinter einer riesigen, 320 Kilometer langen Mauer, die vier Städte, als auch ein Wüstengebiet umfasst.
Der junge Rebellenführer Jude Black hat bereits drei dieser Städte unter Kontrolle, Hawthorne ist die noch verbleibende. Shawn (James Boss), der Jude Black noch aus gemeinsamen Kindertagen kennt, wird ausgesandt, seinen einstigen Freund unschädlich zu machen. Gemeinsam mit dem Kopfgeldjäger Dryden macht er sich auf den Weg und es kommt zum unvermeintlichen Aufeinandertreffen…

Vom Sujet her erinnern einige Punkte an „Cyborg“ mit van Damme: Ein Endzeitdrama, Gut gegen Böse und dazwischen ein paar Kämpfe. Nur, dass jener Streifen mit einem sichtlich höheren Budget ausgestattet war und die Fights recht knackig auf den Punkt gebracht waren.
Hier hingegen herrscht von Beginn an eine deutliche Distanz zu den Figuren.
Mit dem Helden Shawn wird man nur schwerlich warm, er besitzt augenscheinlich keine Vergangenheit und offenbart kaum ein Profil, außer dass er an einem Heilmittel forscht und an der Enkelin eines bedeutenden Arztes interessiert ist (er macht ihr allerdings nie deutliche Avancen). Als er auf den Messerkampf-Spezialisten Dryden trifft, entsteht zwar für eine kurze Phase der Eindruck eines Buddy-Movies, doch auf Dauer fehlt dem Zusammenspiel der Sinn für Humor oder zumindest ein Augenzwinkern.

Darüber hinaus riechen die Schauplätze selten nach Endzeit. Zwar ist die Farbgebung der Wüste mit zarten Farbfiltern stimmig und auch die Einsamkeit dieses Schauplatzes kommt recht gut zum tragen, doch alle anderen Sets sind zu lieblos ausgestattet und wirken zu beliebig. Da hat man fast nie das Gefühl, ein Teil einer abgeschotteten Welt zu sein, zumal die Kleidung in keiner Hinsicht außergewöhnlich anmutet und somit auch die Ausstattung der Figuren keineswegs auffällig erscheint.

Was James Boss recht gut gelingt, ist die Inszenierung der Kämpfe.
Die Kamera arbeitet sauber, die Schnitte kommen exakt und die Sounduntermalung ist sehr gut auf die Bewegungen abgestimmt. Zwar erwarten einen keine sonderlich akrobatischen Einlagen, doch das Timing ist stimmig und die Abläufe sind knackig.
Leider fließt indes kaum Blut, allenfalls spritzt mal ein wenig auf die Requisiten, aber offene Wunden oder dergleichen sind nicht zu sehen.

Derweil hakt es mit der Story gewaltig, denn diese kann lediglich zum Finale ein wenig Spannung aufbauen, wabert ansonsten zu sehr auf der Dramen-Schiene, obgleich die Protagonisten allesamt eindimensional erscheinen.
Shawn, der zurückhaltende Jungspund mit asiatischen Wurzeln, sucht weitere Typen aus Kindheitstagen, muss rivalisierende Kopfgeldjäger beruhigen und das Auto mit Dreyden durch die Wüste schieben, da es soeben den Geist aufgegeben hat.
Derweil agiert der Bösewicht klischeemäßig, macht ein paar Randfiguren platt, lässt einen Arzt entführen und wähnt gegen Ende ein Geheimnis entdeckt zu haben.
Der entsprechende Endkampf ist unausweichlich und bietet diesbezüglich zumindest noch ein paar knackig inszenierte Szenen.

Handwerklich kann man dem Streifen ergo nicht viel ankreiden. Schnitt, Kamera, Score sind völlig in Ordnung, die Ausstattung ist zwar mager, wird aber phasenweise atmosphärisch eingefangen. Das alles nützt jedoch wenig, wenn kaum ein Mitfiebern mit dem Helden entsteht, die Gegenseite zu austauschbar bleibt und die Story im Gesamtpaket keine Überraschungen bietet.
Nette Ansätze ja, ein brauchbarer Endzeitfilm mit etwas Action, wie oben genannter „Cyborg“ oder gar „Mad Max“ auf keinen Fall.
4 von 10

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