Russische Märchen sind hierzulande weitaus weniger bekannt als die klassischen Grimm-Dinger, die einem als Kind vorgelesen wurden oder mit denen man in Form von Hörspielen unterhalten wurde.
Dennoch greift die „Feuerrote Blume“ Motive des klassischen Märchens auf und ist im Prinzip nichts anderes als eine Variante von „Die Schöne und das Biest“.
Allerdings gibt es auch einen gewaltigen Unterschied zwischen dem typischem DEFA-Märchen und dieser russischen Produktion: Es fehlt Charme und liebevollen Details.
Vor ein paar hundert Jahren hatte eine böse Zauberin einen Prinzen in ein Waldungeheuer verwandelt und dessen Schloss eingenommen. Während einer Reise gerät ein Kaufmann in dieses Schloss, da er für seine jüngste Tochter Aljana die feuerrote Blume als Geschenk mitbringen soll. Das sieht das Waldungeheuer gar nicht gerne und stellt dem Kaufmann ein Ultimatum. Doch statt des Kaufmanns gerät Aljana in sein Gebiet und die beiden verlieben sich ineinander.
Vielleicht liegt es an der Zeit, in der dieser Film gedreht wurde, denn er ist recht psychedelisch ausgefallen. Das macht sich primär bei der Musik bemerkbar, die auch zu einem späten Hammerfilm passen würde. Sie ist dennoch eine der wenigen Stärken dieser Verfilmung.
Dazu kommen grelle Farbspiele, häufig in Orange, die das typische 70er Flair widerspiegeln, allerdings nicht die Atmosphäre, die man bei einem typischen Märchenfilm erwartet.
Überhaupt ist die Handlung alles andere als kindgerecht aufgebaut und für die eigentliche Zielgruppe viel zu komplex. Zudem wirkt die Atmosphäre verkühlt und distanziert, was auch durch die Kameraführung unterstrichen wird.
Selbst das Happy End wird nicht zelebriert und wenn Prinz und Aljana zusammenkommen, kann man nur erahnen, dass dies im Glück geschieht.
Den Darstellern kann man daraus noch nicht einmal einen Vorwurf machen, sie meistern ihre Aufgabe mindestens solide. Der Kaufmann kommt dabei am sympathischsten rüber, vor allem, weil er von Walter Niklaus synchronisiert wurde und man in den ersten Minuten das Bild eines Basil Rathbone als Sherlock Holmes nur schwer loswird.
Vielleicht gibt die Vorlage schon nicht allzu viel her, aber die unterkühlte Umsetzung führt nicht dazu, dem Märchenfreund eine Freude zu machen.
Einige Landschaftsaufnahmen sind noch ganz passabel und der Trick, wenn die Zauberin aus ihrem Portrait steigt, um real zu werden, ist auch gelungen.
Aber ein „Wohlfühlfilm“ wie die meisten DEFA-Verfilmungen ist dies nicht geworden. Er wirkt eher wie ein 70er Drama mit Fantasyelementen.
4 von 10 Punkten