Eine Nebendarstellerin in einer erfolgreichen ARD-Serie, ein von der Bildzeitung forciertes Skandälchen, ein Minderjähriger am Set ,eine pseudointellektuelle Story gemäß dem Muster “aufbegehrende Bikermädel; Zwänge der Gesellschaft; seelische Abgründe ; emotionale Leere; Kälte der Welt usw.“ , das alles präsentiert in Halb-Hardcoreszenen und natürlich die Aussage der Hauptdarstellerin, dass alle Orgasmen am Set echt waren. Der Skandal hat zwar niemanden wirklich interessiert, die Umsetzung der Idee ist natürlich paradox (wir stellen realen sexuellen Ausverkauf durch expliziten medialen Ausverkauf dar) und der Trailer zeigte (vermeintlich) deutlich, was da auf einen zukommt: bestenfalls durchschnittliches, verkopftes B-Kino.
Leider spiegelt der Trailer den Film dann doch nur „unzureichend“ wieder. Der Film ist nicht unterdurchschnittlich, er ist einfach nur grotesk schlecht. Dramaturgie, Drehbuch, Spannungsaufbau, Darstellerführung, Dialogregie, Szenenfolge, Szenenaufbau, Set-Design und –Bau, all das wären Kritikpunkte, die für sich schon mehr oder weniger vernichtende Todesurteile wären, die aber hier zur absoluten Makulatur degradiert werden. Man sitzt sprachlos vor dem Film und stellt sich reinste Grundsatzfragen: War an diesem Set IRGENDJEMAND, der irgendwann einmal, irgendetwas mit Filmtechnik zu tun hatte? War an diesem Set IRGENDJEMAND, der in den letzten Jahren und Jahrzehnten irgendein mediales Erzeugnis gesehen hat (von ernst zu nehmenden Filmen will ich gar nicht erst sprechen)? Und die letzte und wichtigste Frage: War an dieser Produktion IRGENDJEMAND beteiligt, der den Film nach der Fertigstellung auch nur ein halbes Mal angeschaut hat? Der Film dauert 90 Minuten. Nach Sichtung würde ich sagen, dass 80 Minuten, inklusive der unsäglichen Sexszenen, ersatzlos gestrichen werden sollten. Was bleibt wäre ein 10 minütiger Kurzfilm, der, wenn er von einer 10. Klasse Realschule an einem Videowochenende gedreht wurde, durchaus in Ordnung gehen würde. Wenn man ein solches Werk aber auf Spielfilmlänge streckt, bzw. unfähig oder ungewillt ist, überflüssigen Ballast zu kicken, das Ergebnis dann auch noch ernsthaft veröffentlicht und, im Zweifel, auch noch Geld damit abgreift, muss man leider mit den medialen Tritten leben, die man zweifelsohne verdient hat.
Dreiviertel des Films bestehen aus nicht definierbaren Amateurdarstellern, die sich wild fabulierend in pseudophilosophischem Alltagsgewäsch ergehen. Dessen Inhalt ist zwar „nur“ profan und nicht komplett irrsinnig, allerdings ist dieser minimale positive Aspekt vollkommen zu vernachlässigen, da die filmische Umsetzung auch hier wieder ein Fass ohne Boden ist. Die Darsteller sitzen wahlweise im Kreis oder Nebeneinander, zeigen hier entweder schweigend ihre schauspielerische Inkompetenz, oder werfen sich ohne Punkt und Komma, über mehrere Minuten hinweg, die erdachten/ improvisierten Dialoge an den Kopf. Die Kamera steht davor (immerhin auf einem Stativ) und hält eben munter drauf. Wenn es also schon keine Notwendigkeit für Videobearbeitung gab, wurde konsequenter Weise auch die Audiobearbeitung ersatzlos gestrichen. Hallender, knarzender O-Ton in Reinkultur. Unterbrochen wird dieses Trauerspiel lediglich, aber dafür regelmäßig, durch eine permanent nackt durchs Bild laufende Antje Mönning und grauenvollst gefilmte Sexszenen. Dieses Kopulieren ist weder erotisch (was es laut Thematik wohl auch nicht unbedingt sein soll) noch ist es kontrovers oder verstörend (was es laut Thematik sehr wohl sein soll), es ist einfach nur unansehnlich, langweilig und schlichtweg störend. Nochmal zur Verdeutlichung: explizite Sexszenen wirken STÖREND in einem furchtbar schlechten Film. Vermutlich ein Unikum in der Filmgeschichte.
Man könnte meinen, dass damit die Grenzen zu nahezu allem bereits maßlos überschritten sind, allerdings nimmt dieses Panoptikum des Nichts noch absurdere Züge an. Sollte man nach dem Film noch den Wunsch verspüren mehr zu erfahren (und diesen Wunsch verspürt man wirklich. Wenn auch aus anderen Gründen, als es sich die Urheber vielleicht erhofft haben…), wird man im Internet auch diverse Fragmente von Interviews oder Making of’s finden. Das was einem hier präsentiert wird, gibt einem dann den finalen Gnadenstoß. Da sitzen Roland Reber und die, laut Bildunterschrift auch als Co-Produzentin (Gratulation!) fungierende Hautdarstellerin, und delirieren in gotteslästerlichem Wahn ernsthaft über die angewendeten filmischen Stilmittel, die darstellerischen Herausforderungen und, nicht zuletzt, über das Bestreben hier ein Zeichen setzen zu wollen GEGEN den Ausverkauf von Nähe und Sexualität in der medial gesteuerten Gesellschaft…. was bleibt, ist mitleidiges Kopfschütteln.
Der Film im Ganzen ist nicht mitleidiges Kopfschütteln, er ist in weiten Teilen nur Sprachlosigkeit. Er ist weder Kunst noch Trash, er ist einfach nur traniges, selbstverliebtes Amateurkino dessen filmische Hilflosigkeit nur in wenigen Augenblicken kaschiert werden kann. Der Anfang ist ganz stimmig, das musikalische Hauptthema angenehm und der wirr erzählten Handlung merkt man in Teilen sogar an, dass dieses nicht schablonenhafte Erzählmittel durchaus bewußt gewählt wurde. Aber was soll ich sagen...es hilft halt nix.