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Mit diesem Film begann in den ausgehenden 70ern die Zusammenarbeit zwischen dem damals immer noch hoch im Kurs stehenden französischen Star Belmondo und dem Regisseur Georges Lautner, die letztlich zusammen fünf Filme drehten und mit dem „Profi" 1981 einen echten Hit landen konnten. Gleichwohl hat es - vielleicht auch nicht zu Unrecht - immer wieder Kritiken gegeben, die sich an der teilweise selbstzweckhaften Gewaltdarstellung störten und den Unterhaltungswert in Frage stellten. Und wirklich gibt es einige unschöne Beispiele dafür, besonders solche Machwerke wie „Der Außenseiter", der zudem auch noch mit rassistischen Untertönen „glänzt", haben mich davon überzeugt, dass das Gesamtwerk von Belmondo durchaus auch kritisch zu werten ist; mal abgesehen davon, dass viele seiner Spätwerke nur mäßige Reißbrettware verkörperten.

In „Der Windhund" ist Jean-Paul Belmondo in seinem gewohnten Element. Seine Rolle als Kommissar Borowitz, einem Verantwortlichen der Spezialabteilung für Polizeiüberwachung, wird hier erst im Laufe des Filmes geklärt, obwohl das für den Zuschauer eher nebensächlich ist. Denn das, was man von Belmondo erwartet, bekommt man von Anfang an geboten: Hartes Durchgreifen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen und die Korrupten in den eigenen Reihen, fragwürdige Methoden am Rande der Legalität und coole Sprüche am laufenden Band. Man gewöhnt sich im Anbetracht manch brutaler Bilder nur schwerlich an die heitere Note und wenn drei Rocker, die ihn ausrauben wollen, die Hosen runter lassen müssen, wirkt das genauso skurril wie ein Kleiderraub bei einem der Verbrecher, mit denen er sich in der Folgezeit noch rumschlagen muss.

Ganz offensichtlich bedient sich Lautner bei großen Vorbildern, und Belmondo tritt vor allem in die Fußstapfen von Clint Eastwood, ohne jedoch seinem grimmigen Vorbild das Wasser reichen zu können. In seiner Rolle als Selbstjustizübender begibt er sich dicht auf die Spuren von „Dirty Harry", wenngleich die französische Variante durch Belmondo's Art sehr viel humoriger ausgefallen ist. Das funktioniert leider nicht in allen Szenen und wirkt teilweise überzogen, wenn Leute dabei über die Klinge springen oder eine mit Benzin getränkte Kneipe mit einem lockeren Spruch auf den Lippen ausgeräuchert wird.

Auch huldigt „Der Windhund" einem weiteren Eastwood-Klassiker, wenn Belmondo frei nach „Für eine Handvoll Dollar" zwei Banden aus Nizza gegeneinander ausspielt. Doch gerät die weitere Handlung arg durcheinander mit all den beteiligten Personen und tritt bisweilen auch hinter der Ein-Mann-Show des Hauptakteurs zu sehr zurück, so dass der Film öfter mal auf chaotische Art und Weise aus dem Ruder zu laufen droht und ein eigentliches Ziel vermissen lässt. Auch die etwas konstruiert wirkende Romanze mit einer Schriftstellerin bremst das Geschehen unnötig aus, wenngleich damit Belmondo's Rolle als charmanter Frauenheld erneut untermauert wird. Ebenso unnötig eine nervtötende 14jährige Tochter, die aber wenigstens noch ihren Einsatz durch eine wichtige Rolle beim Kidnapping rechtfertigt, und ab hier versteht Papa dann auf einmal keinen Spaß mehr.

Insgesamt ist „Der Windhund" ein seltsamer Zwitter geworden, irgendwie kann die Mischung aus hartem Krimi und Humor nicht durchgängig überzeugen. Außer Belmondo scheint sich keiner in seiner Rolle so richtig wohl zu fühlen, und Michel Galabru als Kommissar Grimaud haut auch nicht so richtig hin, denn bei ihm denkt man unweigerlich an den Polizeichef aus St. Tropez und seine dämlichen Gendarmen. Und als Grimaud ist Galabru ausnahmsweise mal nicht lustig, welch verkehrte Welt ist das nur...

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