Kreuzt man „Der weiße Hai“ mit „Open Water“, subtrahiert mangelnde Figurenzeichnungen und austauschbare Gesichter, kann man sich bereits ausmalen, was einem bei dieser Mischung aus Tierhorror und Katastrophenfilm erwartet.
Genrefans wird es freuen, denn die gehen bekanntlich mit nicht allzu hohen Erwartungen ran und insofern wird man bei „Shark Attack“ auch keineswegs enttäuscht.
Im Original nennt sich der Streifen „Malibu Shark Attack“, ergo spielt sich die Handlung am Strand von Kalifornien ab, oder dem was nach einem Seebeben und anschließendem Tsunami davon übrig ist. Im Zentrum der Geschichte agieren ein paar Leute vom Lifeguard-Team (also diese Baywatch-Freaks in roter Kleidung), die nach der Flutwelle im Überwachungsturm vom Wasser umgeben sind und nicht nur davon, - prähistorische Haie gelangen durch einen Riss im Meeresboden verdammt nah an die Lifeguards heran…
Wenn man mal die üblichen Klischees des Genres mit diesem Erguss vergleicht, lassen sich erstaunlich wenige entdecken, selbst der Bauunternehmer in Strandnähe ist nicht der übliche Fiesemöp, nur die Meeresbiologin entpuppt sich als Moralapostel, anstatt aufs Überleben der eigenen Leute zu setzen.
Gut, beim Intro des Schauplatzes entdeckt man ausschließlich wohlgeformte Körper junger Menschen und auch unsere Überlebenscrew stellt keinen unansehnlichen Anblick dar, doch bis auf eine weichgespülte Dreiecksgeschichte gibt man sich relativ straight und ist auf Tempo und ein wenig Action aus.
Für den B-Bereich sieht das soweit auch ordentlich aus, denn neben Stock Footage kommen halbwegs brauchbare Modelle zum Einsatz und durch schnelle Bewegungen und knackige Schnitte fallen kleinere Mängel auch nicht sonderlich negativ auf.
In Sachen Blutgehalt hätte man allerdings noch derber austeilen können, - da traut man sich, bis auf abgetrennte Gliedmaßen, der Versorgung einer kleinen Fleischwunde und reichlich Blut im Wasser, nichts Explizites zu und entsprechend gibt es auch keinen einzigen Biss zu sehen.
Dafür entwickelt man phasenweise eine recht klaustrophobische Atmosphäre, denn umgeben von Wasser und Haien, die an allen möglichen Stellen versuchen ins Gebäude einzudringen, während man von der Außenwelt völlig abgeschnitten ist und dazu nur wenige Schuss im Gewehr hat, lässt sich schon eine brauchbare Dramaturgie entstehen.
Trash-Freunde werden bei alledem aber nicht vergessen, denn grenzdebile Dialoge (in völlig ruhiger Stimmlage: „Er ist tot, wir können nichts mehr für ihn tun. Lass uns wieder rein gehen“) gehen einher mit völlig irrationalem Verhalten einiger Beteiligter.
Man versteckt sich im Auto anstatt aufs Dach des selbigen zu klettern, macht unnötige Umwege im Wasser und sorgt auch nicht für genügend Sprit im Tank eines Bootes.
Selbst die Urzeithaie scheinen ein universelles Sonar eingebaut zu haben, so dass sie aus dem Wasser heraus einen Satz machen können, um ein Opfer am Steg zu erhaschen.
Dafür kommt gegen Ende noch ein wenig Spaß mit Kettensägen auf und diverse Spannungsmomente sind durchaus zu verzeichnen, wenn man sich schon am Heizungsrohr festkrallen muss, um nicht direkt vor dem Hai ins Wasser zu fallen.
Zwar ist man so dreist und untermalt entsprechend dramatische Szenen mit Plagiatsklängen von „Jaws“, doch immerhin erfüllen sie ihren Zweck.
Das tut „Shark Attack“ auch als Gesamtpaket. Denn die augenscheinlich preiswert heruntergekurbelte Fernsehproduktion kommt nach nicht allzu langer Vorlaufzeit ordentlich zur Sache und bietet eine solide Inszenierung, die auf simple Weise dauerhaft unterhält.
Die Effekte lassen zwar phasenweise arg zu wünschen übrig, ausgleichend wird aber ein latent hohes Tempo geboten, welches sogar für mangelnde Heldenzeichnungen entschädigt.
Hält natürlich auf keiner Ebene den Vergleich zu Werken wie „Der weiße Hai“ oder „Deep Blue Sea“ stand, wirkt als kleiner Appetithappen durchaus sympathisch.
6,5 von 10