Der Meister unter den Detektiven
Im viktorianischen London geht die Angst um, denn es wurden bereits mehrere junge Frauen durch grausame Ritualmorde getötet. Der verrückte Drahtzieher hinter dieser Aktion, Lord Blackwood wird schon seit geraumer Zeit von Privatdetektiv Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) und seinem Freund Watson (Jude Law) verfolgt. Gerade als ein weiteres Opfer sterben soll, kommen die beiden dazwischen und können Blackwood so dingfest machen.
Er wird zum Tode durch den Strick verurteilt und von Watson für tot erklärt. Kurze Zeit später allerdings passiert schon wieder ein Mord, der nach genau dem selben Muster abgelaufen ist wie die vorheringen Morde. Vermutungen werden angestellt, dass Blackwood von den Toten auferstanden sein könnte und tatsächlich befindet er sich nicht wie angenommen in seinem Grab. Zeit also, für Holmes brilliantes Gehirn, dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Selbst für ihn wird dies allerdings ein äußerst brillianter Fall.
Sherlock Holmes - wer kennt nicht den weltberühmten Detektiv aus London, der mit brillianter Logik und Verstand jeden noch so kniffligen Fall löst. Waren frühere Verfilmung allerdings immer ein wenig hüftlahm und für meinen persönlichen Geschmack eher spannungsarm inszeniert, zeigt die Neuauflage des Stoffes aus dem Jahr 2009, wie man alte Geschichten gelungen in die moderne Zeit übertragen kann.
Ein wesentlicher Bestandteil von Holmes Arbeit besteht immer noch aus Kombinieren und Nachdenken, insofern stellt der Film eine Hommage an alte Zeiten dar. Der neue Sherlock darf aber auch gerne mal an bösen Buben Hand anlegen und sich in Londoner Untergrundclubs mit schwergewichtigen Hünen für Geld prügeln. Ein weiterer Aspekt aus den Romanen ist sein gelegentlicher Drogenkonsum, der zwar - wegen des PG 13-Ratings - nur angedeutet wird, aber immerhin Teil seines Charakters ist.
Höchst amüsant geraten und für mich der entscheidende Pluspunkt sind die zahlreichen Sticheleien zwischen Holmes und Watson, die nie in Streitereien ausarten, sondern immer mit einem Augenzwinkern rüberkommen. Die beiden sind zwar prinzipiell aufeinander angewiesen, kommen sich mit ihren jeweils eigenen Methoden aber auch desöfters in die Quere und sorgen so für häufige Lacher oder zumindest permanentes Schmunzeln beim Zuschauer. Besonders Watson hat es manches Mal gar nicht so leicht mit Holmes, will er doch eigentlich nur mit seiner Verlobten Mary in Ruhe sein Leben verbringen, um dann letztendlich doch wieder in die Ermittlungen reingezogen zu werden.
Natürlich ist Sherlock Holmes auch ein Blockbuster, denn die Story ist äußerst geradlinig und mit hohem Tempo erzählt, ohne allzu viele Schwenker zu beinhalten. Die Figuren sind dementsprechend nicht unbedingt tiefgründig, aber gut genug ausgearbeitet, um sich harmonisch einzufügen. Ob es einige der Apparaturen und technischen Hilfsmittel zur damaligen Zeit tatsächlich schon in dieser Form gegeben haben könnte, darf zwar bezweifelt werden, dem Sehvergnügen tut dies aber keinen Abbruch.
Neben den beiden Protagonisten Holmes und Watson gibt Lord Blackwood einen passablen Antagonisten ab, der letztendlich aber dennoch etwas fießer hätte ausfallen dürfen, da es schnell klar wird, dass er Holmes nicht überlegen sein kann. Als Sidekick kann auch die reizende Rachel McAdams überzeugen, die als undurchsichtige Irene Holmes desöfteren in Stolpern geraten lässt. Eine Fortsetzung kündigt sich durch das schemenhafte Auftreten ihres Auftraggebers Professor Moriarty bereits an, die ja dann auch realisiert wurde.
Sherlock Holmes verbindet auf sehr gelungene Weise den althergebrachten Detektiv mit modernen Stilmitteln und updated die Figur so für das 21. Jahrhundert. Mit viel Wortwitz und actionorientierter Handlung nimmt er den Zuschauer mit auf eine sehr kurzweilige, 2-stündige Reise ins alte London. In dieser Form dürfen Downey Jr. und Law gerne weiter ermitteln.