Ashes of Time: Redux
(Splendid)
Hatte ich bis dato nur Apocalypse Now als Redux in meiner Sammlung, gesellt sich hier nun noch Wong Kar Wais Ashes of Time aus dem Jahr 1994 als Redux dazu.
Der Begriff Redux bedeutet in filmischer Hinsicht dabei eigentlich nur, dass sich der verantwortliche Regisseur Jahre nach Drehende noch einmal mit seinem Werk auseinandersetzt, es entweder durch neue Interpretationen verändert, oder es durch hinzufügen neuer Szenen inhaltlich komplexer gestaltet. Im vorliegenden Fall jedoch gestaltet sich dies jedoch ein wenig interessanter. Hier wurde nur selten eine Erweiterung hinzugefügt, vielmehr wurden Szenen entfernt oder umgestellt, so dass die Redux- Version kürzer ist als die alte Kinofassung. Allerdings wurden Einblendungen der Jahreszeiten als Kapitelüberschriften hinzugefügt, so wie die Farbgebung stark verändert. Da durch die Veränderung einiger Bilderfolgen der Soundtrack auch geändert werden musste, das Ausgangsmaterial aber nicht mehr den Ansprüchen entsprach, wurde der Komponist Wu Tong beauftragt, neue Arrangements zu schreiben, und den Soundtrack neu einzuspielen.
Doch gehe ich erstmal auf die Geschichte ein. Zentraler Mittelpunkt ist der käufliche Schwertkämpfer Ouyang Feng (Leslie Cheung), der als Schnittstelle für viele lose zusammenlaufende Geschichten dient. So trifft er auf verschiedene Personen mit verschiedenen Schicksalen, die nahezu alle tragisch enden. Die Dichte und Komplexität des Drehbuches mag auf den Zuschauer überwältigend, manchmal auch überfordernd wirken, entziehen kann man sich dem Sog der Geschichten jedoch nicht, auch wenn manche von ihnen nur mit einem Bauchgefühl erklärbar oder nachvollziehbar scheinen. Hier wird ein Gesamtkunstwerk geschaffen, welches es an vielen Stellen zu fühlen gilt. So manch ein Zuschauer wird daran nicht seine Freude gehabt haben, wenn er statt des erwarteten Martial Arts – Filmes einen künstlerischen, teils künstlichen Arthousefilm mit einer stellenweise sehr psychologischen Story zu Gesicht bekommt.
Zentraler Angelpunkt ist wieder die Auseinandersetzung mit den Themen Einsamkeit, der sinn des Lebens, die Liebe oder der Tod. Da sich der Regisseur einem narrativen Erzählfluss verweigert, ist es oftmals schwierig, den Faden der Geschichte nicht zu verlieren. Dabei treten die Kampfszenen, welche vom Meister Sammo Hung choreographiert sind, oftmals in den Hintergrund. Allerdings gelingt es auch hier wieder dem bekannten Kameramann Christopher Doyle, Bilder für die Ewigkeit zu schaffen. Die vorliegende Doppel- DVD aus dem Hause Splendid glänzt durch eine Fülle von informativen Bonusmaterial, welches in mehr als 100 Minuten in Form von Interviews und Making of´s auf die Geschichte, die Dreharbeiten, die geringe Verbreitung der Urfassung und die erneute Beschäftigung mit dem Film nach über 14 Jahren so wie die Erstellung einer Redux- Fassung eingeht.
Ashes of Time verbindet in einer epischen Bildersprache die Fragen des Lebens, fügt diese in eine komplexe Geschichte und lässt diese auf den Zuschauer wirken. Die wahre Tiefe entfaltet sich dabei jedoch erst beim zweiten oder dritten anschauen. Für Fans ein Muss!!!
CFS