Das isser also: der mit Abstand beste HK- Movie, der je entstanden ist (so zumindest meine Meinung). Warum ich das direkt vorwegnehme? Weil das Bevorstehende –wie eigentlich immer bei Wong Kar- Wai- einmal mehr die Meinungen auseinandergehen läßt. Aber dazu gehört auch eines: Wer diesen Film eher positiv entgegennehmen wird, dann SO positiv, daß es für ihn nichts Vergleichbares (gibt’s ohnehin nicht!) und Besseres mehr geben KANN, SO unglaublich einzigartig ist das vorliegende Meisterwerk meines Lieblingsregisseurs. Die Story: Bei dem in der Wüste lebenden und für Geld tötenden (Okani- like) Schwertkämpfer Ouyang Feng (Leslie Cheung in einer absolut spitzenmäßigen Leistung) kreuzen sich die Wege verschiedener Personen, um ihn herum drehen sich ebenfalls deren Probleme: Ein guter Freund, Huang Yaoshi (Tony Leung Kar-Fai), der durch die ihn und Feng liebende Schwägerin letzteren (Maggie Cheung) mit Hilfe eines Gedanken auslöschenden Zauberweins sein Gedächtnis teilweise verloren hat, sucht nach dem Sinn des Lebens, ein blinder Schwertkämpfer (Tony Leung Chiu-Wai), der eine unglückliche Liebe zu seiner Pferde (mehr als normal – ähämm) liebenden Frau, „Seerosenblüte“ (Carina Lau) nicht verkraftet, eine Kämpferin namens Murong Yang (Brigitte Lin), die sich für einen Mann hält, gleichzeitig aber auch die Rolle einer sich in Huang Yaoshi verliebten Frau namens Murong Yin spielt (quasi also ein Doppelcharakter!) versucht vergeblich, bei Feng Ersatz für ihre unglückliche Liebe zu finden, eine bettelarme Jungfrau (Charlie Yeung – sie gefällt mir bei der weiblichen Darstellerriege mit Abstand am besten!), die vergebens versucht, Feng zu überreden, den Tod ihres durch eine Bande Pferdediebe umgekommenen Bruders zu rächen, da sie ihm nur ein paar Eier und ihr Muli anbieten kann, und schließlich Hong Qi (Jacky Cheung), ein Herumtreiber aus dem Norden, von seiner ihn abgöttisch liebenden Frau (Bai Li) verfolgt, der der Armen schließlich hilft und bei anstehendem Kampf einen Finger verliert, insgesamt allerdings einige Zeit bei Feng lebt. All diese Probleme enden mehr oder weniger tragisch, die meisten kommen um oder leben ein Leben in Einsamkeit oder zumindest Ungewißheit. Und lassen den Zuschauer erschauernd zurück, mit so ungefähr dem gleichen Gefühl, daß der/die jeweilige Lieblingsprotagonist/in ausstrahlt. Womit wir schon bei der ersten Auffälligkeit von ASHES OF TIME angekommen wären: In diesem Film findet wirklich JEDER sein Ebenbild. Es mag unglaublich klingen, aber es stimmt. Der Plot ist mit seiner unglaublichen Dichte so mitreißend und dabei ungeheuer gefühlvoll, wie ich es wahrhaftig noch NIE erlebt habe. Das liegt nicht zuletzt an den durchweg ausgezeichneten Leistungen der Schauspieler (man muß dazu allerdings auch sagen, daß bei diesem Staraufgebot wirklich jede noch so kleine Nebenrolle perfekt besetzt wurde), die ihr Bestes geben. Hinzu kommt die Wong Kar- Wai – typische Kameraführung: Christopher Doyle dreht wieder einmal völlig durch und präsentiert uns unter der Actionregie von Sammo Hung die mit Abstand besten Swordsplay- Szenen, die das Genre zu bieten hat. Ach so: Ein äußerst bombastischer, mitunter herzzerreißender Soundtrack sorgt für die geniale musikalische Untermalung. Teilweise wird’s auch ziemlich blutig (auch für Wong „AS TEARS GO BY“ Kar- Wai – Verhältnisse!), insgesamt überwiegt bei diesem Epos aber die erzählende Filmführung. Und wie da erzählt wird, und was da erzählt wird. Ich muß es noch einmal anschneiden: ASHES OF TIME reißt mit, bewegt und hebt ab. Ins Unermeßliche. In Wertungsbereiche, in die einfach kein anderer Film vorstoßen kann. Dieser Film hinterläßt den Zuschauer nicht nur mit der für Wong Kar- Wai typischen Grundstimmung: „Hä???“. NEIN, er geht sogar noch mehrere Schritte weiter: Der Film bewegt mehr als jede simple Lovestory, fasziniert mehr als jedes Epos, und dürfte Swordsplay- Fans nur noch zum Staunen bringen. Kurz gesagt: ASHES OF TIME ist die Krönung nicht nur des Swordsplay- Genres, sondern wegen der genreübergreifenden Story (zumindest der Grundgedanke der Erzählung wirkt wie einem postmodernen Bloodshed entnommen) völlig schwerelos. Losgelöst. Und unübertroffen genial. Diesen Film muß einfach ein jeder besitzen oder zumindest einmal gesehen haben. Mir fehlen die Worte...