Ich sage es gleich vorne weg. Ich liebe einfach das Aroma du Troma und sehe mich ein wenig als Diehardfan. Ich konnte mich sogar für die Surf Nazis begeistern, und das kann, so meine ich, nicht jeder Tromafan mit gutem Gewissen sagen... Ich bin durch Klassiker wie Toxic Avenger, Tromas War, Class of Nuke em High, dem Sgt. Kabukiman und Co. in meiner Jugend maßgeblich geprägt worden, was wohl auch etwas über mein Alter aussagt - egal ich hege und pflege mein Peter Pan Syndrom. Und ich muss auch gleich noch vor meinem Review erwähnen, dass ich "Class of Nuke em High 2" bisher dreimal gesehen habe und dabei war ich immer ganz gut (nennen wir es) angetrunken (und ich weise darauf hin, dass dies eine Untertreibung sein könnte). Von daher mag die Beurteilung und Einschätzung diesen Film betreffend erst gar nicht den Versuch starten eine irgendwie interaktive Objektivierbarkeit zu gestalten (Kritische Rationalisten, Realisten, Habermasianer und Konstruktivisten der Erlanger Schule mögen das verzeihen).
Also zu den Punkten, die bei einem solchen Film für mich von Interesse sind:
1) Der Gorefaktor:
Gut, beim Gore kann man mäkeln, muss man aber nicht. Hier gibt es wirklich nicht viel zu sehen. Einige Meltingszenen, und das wars im Großen und Ganzen. Ein bisschen mehr wäre wirklich ganz nett gewesen und hätte dem Film noch das Sahnehäubchen aufgesetzt. Aber auch Class of Nuke em High 1 war jetzt nicht gerade ein Splatter-/Gore-Granate. Von daher hatte ich hier meine Erwartungen bereits runtergeschraubt gehabt.
2) Trash Faktor/Weird Ideas
Ja wer Troma kennt, weiß auch was drin ist. Allerdings muss ich fairer Weise dazu sagen, dass der Film sogar für Tromaverhältnisse noch over the Top ist. An abgedrehten Dialogen und Ideen fehlt es hier nicht, ob wunderbare Stop-Motion-Technik-Gummi-Monster, Subhumanoids, die Münder an Stelle von Bauchnäbeln haben, ein riesengroßes atomic squirrel, das mit sich selbst redet und das godzillamäßig alles platt macht, eine geradezu fabelhaft trashige Atmosphäre mit Spielzeugsoldaten, Spielzeughubschraubern, Pappkulissen und vieles mehr, ein stets übelriechender Hauptheld, überall halbnackte Frauen, die sich mit Gasmasken bewegen, permanente Dekontaminationen (weil hier Geist und Körper gesund sind hinter Gasmasken), Baby-Weitwurf, Toxie schaut auch mal vorbei und und und ... Viel mehr Blödsinn geht wirklich nur schwerlich...
3) Partyfeeling
Anders als zusammen mit Kumpels lässt sich der Film wohl nur schwerlich konsumieren und verdauen. Ich kann das jetzt auch nicht beurteilen, wie es ist, wenn man den Film alleine und nüchtern ansieht, wahrscheinlich irgendwie strange, aber wer weiß, kommt auf einen Selbstversuch an.... Ich habe ihn bisher immer in Gesellschaft und mit entsprechenden Partyaccessoires (Chips, Erdnüsse, Hot Dogs, Gummibärchen, Bier, Wodka, Whiskey, Cola, Gin, Rum) gesehen. Hier funktioniert der Film einfach bestens. Es ist sicher nicht jedermanns Geschmack, wie man ja auch an den anderen Wertungen hier erkennen kann, aber wer auf Trash steht und dabei nicht zwingen hektoliterweise Blut und Gedärm braucht, um in Stimmung zu kommen, macht hier nichts falsch. Meine Leute und ich sind jedenfalls aus dem Lachen nicht mehr herausgekommen, vielleicht waren wir aber auch einfach nur zu betrunken, vielleicht haben wir aber auch nur einen sehr seltsamen und einfach schlechten Humor, vielleicht beruht der Spaß am Film bei mir und meinen Leuten auch einfach nur auf einem romantic-Nostalgiewert an die Jugend, vielleicht aber nur vielleicht ist der Film aber wirklich einfach witzig und gut....
4) Narrative Struktur
Gut, bis auf wenige Ausnahmen waren Tromaprodukte jeher nicht für die ausgeklügelsten und dichtesten Narrationsströme bekannt. Auch in diesem Film geht es mehr um die Aneinanderreihung von Blödsinn, als dem ernsthaften Versuch eine Story aufzubauen - aber mal ganz ernsthaft gefragt, wer bitte schön will denn so etwas auch in einem Tromafilm. Die Darsteller machen ihre Sache nichtsdestotrotz für einen Tromafilm sehr gut und haben sichtlich Spaß an dem Unsinn, was eine gewisse Nonsens-Atmosphäre erzeugt, die gut voran getragen wird. Troma hat ja zudem auch so seine eigene gesellschaftskritischen Noten in den Narrationen - wenn man mal den ersten Toxic Avenger betrachtet oder den wohl sperrigsten Film von Ihnen mit Combat Shock - oder auch nicht (auch hier sollte man sich wohl vor Überinterpretationen und Intellektualismen hüten). Wenn man will kann man hier natürlich eine leichte Kritik am vorherrschenden Journalismus und der Katastrophengeilheit der ins Mediensystem inkludierten Akteure in ihrem zugeschriebenen Leistungsrollen hineinlesen, der organisationsgebundenen Wahrnehmungsverzerrung von Katastrophenmöglichkeiten bzw. aktual entstandenen Katastrophen und deren politischen Manöver zur Leugnung u.ä. Aber auch hier bleibt ein fader Nachgeschmack, man kann es hineinterpretieren, und man kann es wie so oft sein lassen, aber irgendwie macht es zumindest mir doch mehr Spaß, wenn man grundsätzlich davon ausgeht, dass hinter dem ganzen Unsinn eine tief verborgende zu intellektualisierende Message eingebunden ist, die man rhizomartig (um hier good old Gilles DeLeuze ins Spiel zu bringen) weiter spinnen kann, und mit den richtigen Kumpels und genügend Partyaccessoires sollte die Diskussion in Fahrt kommen :-)
Insgesamt gibt es von mir stolze 7 Punkte für diesen Blödsinn, der für meinen Geschmack den ersten Class bei weitem toppt, ob an absurden ideen, an Einfallsreichtum, am Unterhaltungswert oder einfach am Blödsinn.