Der Regisseur Pierre Morel und Frankreichs Filmemacher Nr. 1 Luc Beson haben sich wieder zusammengeschlossen, um ihrem erfolgreichen Film "Taken" ein Quasi-Sequel zu verabreichen. "Taken", von vielen als die Rückkehr zum Actionkino der 80er-Jahre angesehen, wurde zum Überraschungshit und ist unter den Action-Fans ennorm beliebt. Ich persönlich bin mit dem Liam Neeson-Reißer aber alles andere als warm geworden. Reaktionär, verlogen und teils auch höllisch unlogisch geraten, ist "Taken" IMO wirklich nur was für beinharte Action-Fans, die mit fragwürdigen Inhalten und Logikbrüchen bis zum geht nicht mehr genauso wenig Probleme haben, wie ich z. Bsp. bei meinen geliebten Slasherfilmchen. Nun aber musste ich mir, Sneak sei Dank, "From Paris with Love" anschauen, der aufgrund der angesprochenen Problematik eh schon keine guten Voraussetzungen bei mir hatte. Und meine Erwartungen wurden sogar noch unterboten, denn "From Paris with Love" ist noch größere Grütze geworden, als sein inoffizieller Vorgänger.
Storymäßig ist dabei schon einmal alles so dünn, wie man es vom Genre jeher kennt. Es geht um den Agenten James Reece, welcher ein ruhiges Doppelleben als Assistent des amerikanischen Botschafters in Paris führt, mit gelegentlichen Jobs als Agenten. Als ihm eines Tages der waffenverliebte und recht skrupellose Charlie Wax zur Seite gestellt wird, bekommt er jedoch einen Auftrag von höchster Wichtigkeit, welchen er mit Wax zusammen ausführen soll. Doch Charlies Methoden sind nicht selten radikal und worum es bei dem Auftrag eigentlich geht, weiß anscheinend auch niemand so genau. Bis sich ein Maulwurf offenbart, dem Reece schon lange vertraut hat. Eine wilde Jagd beginnt... Nun gut, wie schon gesagt, was die Story angeht sind die Erwartungen eh nicht so hoch, wenn man mal wieder einen ordentlichen Hau-Drauf-Streifen sehen will. Und so ist es auch nicht verwunderlich und stört auch nicht weiter, dass das ganze Geschehen von Anfang bis Schluss recht seicht bleibt und wirklich wichtige Storyelemente kaum bis gar nicht vorhanden sind. Zwischendurch mag es mal einen kleinen Twist geben, aber ansonsten heißt es einfach nur "Einsteigen und die wilde Action-Achterbahn genießen". Nur dass das einfach nicht gelingen mag.
Denn nach gut 20 Minuten verliert sich der Film wirklich in ein Bleigewitter der übelsten, sinnlostesten und reaktionärsten Art und Weise, welches zudem nur allzu bald langweilig wird. Sobald Wax in der Stadt ist wird nämlich wahllos jeder platt gemacht, der ihm in die Wege kommt, ohne das man sich große Erklärungen gibt, warum hier der ein oder andere dem Erdboden gleich gemacht wird. Und wenn es doch einmal einen Grund dafür gibt, dann muss man es als Zuschauer natürlich nicht wissen, wie die Hauptfiguren raus bekommen haben, warum eben dieser oder jene ein Bösewicht ist. Ganz übel ist dies z. Bsp. in der Szene zu erkennen, als Wax eine Jugendbande von Chinesen platt macht, ihnen Messer in die Kehlen rammt usw. obwohl er mit seiner Größe und Ausstattung die Jungs doch locker in die Flucht hätte schlagen können, hätte er sich nur ein wenig mehr angestrengt. Aber nein, natürlich müssen alle krepieren auch wenn sie sonst eigentlich nichts mit dem Fall zu tun haben. Genauso wie die Gäste in einem Chinarestaurant (abgesehen von den Bösewichten) und eben jeder andere, der irgendwie den Weg von Wax kreuzt, egal wie schuldig oder unschuldig dieser oder jener auch sein mag. Und weil Wax wirklich nie auch nur mit der Wimper zuckt und quasi jedwedes Leben in diesem Film eigentlich gleichwertig scheißegal ist, kommt einem dann doch irgendwann die Galle hoch. Mag sein, dass es für einen einfach gestrickten Actioner mit viel bleihaltigem Geballer genauso egal ist wie für einen blutigen Metzel-Slasher, ob irgend ein Sinn hinter der ganzen Gewalt erkennbar ist oder nicht, doch in dieser Form hier kotzt einem das reaktionäre und menschenverachtende Getue, egal wer auch immer vor die Flinte kommt, irgendwann einfach nur an, zumal die brutalste und am verbrecherischsten agierende Figur hier im Endeffekt auch immer noch als der Gute dargestellt wird.
Nun gut, jetzt könnte man den fragwürdigen Inhalt natürlich versuchen auszublenden und sich an dem was noch übrig bleibt erfreuen. Doch auch auf dieser Basis scheitert "From Paris with Love" auf ganzer Ebene. Der Humor und die blöden Sprüche zwischen den Figuren funktionieren nur selten, die Action bietet kaum Abwechslung (von einer dämlichen Verfolgungsjagd auf dem Highway mal abgesehen) und die Logiklöcher sind hier von einer derartig gewaltigen Größe ausgefallen, dass sie selbst für das Genre schon nicht mehr annehmbar sind. Wieso hat Reece im Verlauf des Films z. Bsp. wieder den Ring am Finger, welcher ihm erst kurz zuvor von einer Kinderbande gestohlen wurde? Wie kommt eine mit einem Sprengstoffgürtel bewaffnete Person durch ein riesiges Sicherheitsaufgebot, während ein kleiner Agent mit einer Waffe sofort auffällt? Das der Film sich keinen Hehl daraus macht was logisch ist und was nicht wird dabei jedenfalls nur allzu deutlich und das eben selbst über die akzeptablen Grenzen eines Films dieser Art hinaus. Und wenn dann am Ende auch noch davon gesprochen wird, das die Liebe unter den Menschen das Wichtigste ist, dann fragt man sich letztendlich sogar, ob die Macher wirklich noch Zurechnungsfähig waren, als sie diesen filmischen Dünnpfiff zusammengeschustert haben.
Einzig und allein die beiden Hauptdarsteller können ein kleinwenig überzeugen. John Travolta mimt den skrupellosen Bullen recht ordentlich und auch Tudor-King Jonathan Rhys Meyers ist, wie immer, ganz nett anzusehen. Doch was nützen zwei gute Darsteller, wenn alles drum herum einfach nicht stimmt?
Fazit: Wer "Taken" schon mochte, der wird auch an dem schnodderischen "From Paris with Love" seine Freude haben. Schonungslose Action, untergebracht in einer hauchdünnen 08/15-Ballergeschichte, bei dem das Blei nur so regnet. Alles vorhanden, was der Genrefreak so braucht! Alle Anderen werden sich jedoch an dem, dieses mal wirklich unglaublich reaktionär und unnötig menschenverachtend ausgefallenem, Gedankengut hinter dem Film genauso ärgern, wie über die, selbst fürs Genre, grenzenlose Unlogik des ganzen Treibens und Plotlöchern, welche so enorm groß ausgefallen sind, dass selbst ganz Paris darin locker versinken könnte.
Nichts für mich! Möge Pierre Morel mir nie wieder über die Leinwand flimmern!
Wertung: 2/10 Punkte