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Ein Jahr nach seinem 2006er Festival-Hit „the Listening Dead“, einer sich ehrfürchtig vor alten Schwarzweiß-Stummfilmen verbeugenden „Gothic Fable“, meldete sich Phil Mucci mit seinem (hier nun vorliegenden) Nachfolgewerk „Far Out“ nahezu ebenbürtig eindrucksvoll auf der cineastischen Bildfläche zurück. Inhaltlich wie stilistisch in erster Linie als ein Tribut an „Low-Budget-Independent-Drive-In-Flicks“ der späten 60er und frühen 70er konzipiert und realisiert, entfaltet sich der eine Laufzeit von nicht einmal fünf Minuten aufweisende Streifen innerhalb einer dem Hollywood-Produzenten Mal (Jake Suffian) gehörenden Villa, in welcher dieser gerade ein mit diversen „Sex, Drugs, Alcohol and funkadelic Music”-Anteilen angereichertes „Happening“ abhält: Als Fresno (Merritt Choate) unmittelbar nach Sonnenuntergang auf eben jener Party seines Kumpels eintrifft, ist diese schon seit geraumer Zeit in vollem Gange – doch hat er eine junge Dame mitgebracht, die er kurz zuvor erst kennenlernte und welche nun (u.a. angesichts ihres gesamten reizvoll-anziehenden Erscheinungsbilds) unweigerlich die Blicke und Aufmerksamkeit so manches Gasts auf sich zieht. Während sich Fresno und Mal sogleich mal eben zum Führen eines „Männer-Gesprächs“ in einen ruhigeren Randbereich zurückziehen, mischt sich die eingangs einen eher reservierten, angrenzend schüchternen Eindruck heraufbeschwörende Carmilla (Carly Turnbull) erst einmal allein unter die Anwesenden – welche (ihrerseits) der hübschen Dame wenig später dann allerdings (nicht nur aufgrund ihres überwiegend „ziemlich berauschten“ Zustands) kaum etwas entgegensetzen können, als diese plötzlich ihr „wahres Gesicht“ offenbart sowie der Reihe nach genüsslich über sie herzufallen beginnt…

Mucci macht keinerlei Hehl daraus, dass ihm für „Far Out“ (sowohl vom verfassten Inhalt als auch dem Soundtrack und der zur Schau gestellten Bildersprache her) solch markante Werke wie Roger Corman´s „the Trip“ (1967), Richard Rush´s „Psych-Out“ (1968), Russ Meyer´s „Beyond the Valley of the Dolls“ (1970) und Mario Bava´s „Five Dolls for an August Moon“ (1970) als reichhaltige Quellen der Inspiration dienten – und „trotzdem“ ist ihm (erneut) das beachtlich-erfreuliche Kunststück gelungen, ein ebenso originelles wie rundum stimmiges Ergebnis zu präsentieren, das nicht einmal im Ansatz den Anschein einer „bemühten Kopie“ (oder so) erweckt. Wie bereits „the Listening Dead“ zuvor, mit dem sich dieser Kurzfilm im Übrigen so einige (deutlich über die Mitwirkung von Leuten wie Michael Houk (Special Effects & Production Design) oder Cinematographer Predrag Dubravcic hinausreichende) Gemeinsamkeiten teilt, wird auch dieses Mal in Gestalt einer gleichermaßen anregend anzusehenden wie feinen Gebrauch einer Modell-Landschaft und der (guten alten) „Stop-Motion“-Technik machenden Anfangs-Sequenz eröffnet, bevor es hinein in Mal´s Domizil bzw. mitten ins massiv von etlichen „bewusstseinserweiternden Substanzen“ geprägte Party-Geschehen geht…

Nahezu auf Anhieb wird Carmilla, der innigen Begrüßung ihres wohlsituierten sowie von Jake Suffian („Header“) famos gespielten Gastgebers folgend, den anderen Versammelten gewahr, quasi wie „ein Licht im Dunstschleier ihrer vernebelten Sinne“ – und das nicht bloß in Anbetracht ihres ins Auge fallenden gelben Kleidchens: Während sie sich durch die Reihen der sich ihrem Rausch hingebenden Leute bewegt, beobachtend sowie die (visuellen und gefühlten) Impressionen ihrer Umgebung in sich aufnehmend, wird einem rasch (relativ untrüglich) klar, dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach weit weniger „unschuldig“ als auf den ersten Blick (eventuell) gedacht ist. Die Gegebenheit, dass es sowohl ihr als auch dem Zuschauer dabei möglich ist, die Gedanken der Anwesenden zu hören, reichert die generelle Stimmung (nicht nur in diesen Momenten) auf eine zusätzliche Weise an – bis sich die geheimnisvolle Schönheit schließlich, gemäß der Art und Natur ihres Wesens, welche ich an dieser Stelle beileibe nicht verraten möchte, selbst (auf eine überaus individuelle Weise) ziemlich ungeniert „gehen lässt“. Perfekt verkörpert von der attraktiven Carly Turnbull („Cold & Dark“), erhält man am Ende darüber hinaus gar noch eine interessante Info hinsichtlich des Orts geboten, an dem Fresno sie zuvor kennengelernt hat – eine Aussage, welche ihn plötzlich selbst in einem veränderten Licht dastehen lässt…

Einandhalb Wochen benötigte Mucci fürs Verfassen seines Skripts, bevor man (später) für nur fünf Tage eine Lagerhalle anmietete, in der das Set dann innerhalb von achtundvierzig Stunden errichtet und der eigentliche Dreh in noch einmal derselben Zeit über die Bühne gebracht wurde – worauf es im Folgenden ans Schneiden und Nachvertonen des Materials ging, u.a. weil die Location, in der die Kulissen aufgebaut wurden, nicht gerade die beste Akustik besaß. Im Zuge dieser (Post-Production-) Bearbeitungsschritte verpasste man dem Soundschema zudem einen beabsichtigten „Mono-Klang“ und legte die gesprochenen (ihres Zeichens wunderbar affektiert-gekünstelten) Dialogzeilen obendrein bewusst ein minimales Stück weit „Lippen-unsynchron“ über die betreffenden Szenen. Ergänzt durch verschiedene „Bild- und Ton-Verunreinigungen“, welche die ganze Sache auf dieser speziellen Ebene dienlich abrunden, ist Mucci und seiner Crew so (letzten Endes) im Prinzip das Arrangieren des (überaus ersprießlichen) Eindrucks eines alten „Grindhouse-Flicks“ gelungen. Von den bunten Farben, der als „trippy“ zu charakterisierenden Ausleuchtung, den gewählten Zooms, Perspektiven und Bewegungen der Kamera, der fantastischen Musik-Untermalung sowie dem (an den Tag gelegten) Auftreten und Verhalten der Protagonisten, welche Mal´s „psychedelischer Zusammenkunft“ beiwohnen, bis hin zu den 70er-Jahre Möbel, Klamotten und Frisuren: Im Grunde genommen fügt sich jedes einzelne Element Schrägstrich Detail passgenau aneinander – und das zu einem geradezu „authentisch“ anmutenden, ungemein atmosphärischen kleinen Gesamtkunstwerk, bei dessen Betrachten man überdies weder auf (so einige) humoristische, blutige noch erotische Komponenten verzichten muss. Einzig den konkreten Abschluss des annährend fünfminütigen Streifens empfand ich nicht unbedingt als umfassend optimal geglückt – was allerdings, so denke und behaupte ich jetzt einfach mal, durchaus der Rubrik „Geschmacksache“ zugeordnet werden kann…

Alles in allem hat Phil Mucci mit „Far Out“ erneut sein großes Talent als Regisseur bewiesen, weshalb ich das Werk nun abschließend, in erster Linie angesichts seines betörenden audiovisuellen Stils und hohen Unterhaltungsgrads, mit einer knappen (nichtsdestotrotz aber ansehnlichen) „8“ auf der gängigen 10er-Skala bewerten möchte – und dabei weiterhin innständig darauf hoffe, dass man ihm bald mal (endlich) die Chance auf das Realisieren eines abendfüllenden Spielfilms offeriert bzw. ermöglicht!

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