Review

Bis das Blut kopiert

Während mich in diesem Tagen Streaming als Disckiller & die 4K-Blu-ray (als womöglich letztes physisches Medium) beschäftigt, war ich heute vor fast 20 Jahren gerade im DVD-Wahn. Begeisterung, Sucht, Staunen. So viel hat sich nicht geändert... "Das Geisterschloss" war eine meiner ersten DVDs, damals noch verdammt teuer, die natürlich ausgekostet & sagenhaft oft in den Player gesteckt wurde. Kein wirklich guter Film, zumindest in weiten Teilen, das muss ich heute ehrlich gestehen. Doch erstens auf Grund des gerade geschilderten Fakts ein persönliches Highlight & zweitens bei weitem nicht die Vollgrütze, zu dem ihn so manch einer degradiert! 

In dem losen Remake des legendär guten Gruselklassikers "The Haunting", geht es um eine Gruppe Menschen, die in ein prachtvolles aber scheinbar spukendes Herrenhaus eingeladen werden, um an einer Studie zum Thema Schlafstörungen teilzunehmen. Ein bisschen der alten Hammer-Gothic-Schule, ein bisschen 90s-Trash, ein bisschen MTV goes spooky & herrlich von "Scary Movie 2" durch den Kakao gezogen - "Das Geisterschloss" war damals trotz allem einer meiner liebsten Grusler. Man bedenke, ich war 12 & nahezu neu im Filmhobby... Heute ist er ein zweischneidiges Schwert mit leicht positivem Ausschlag, das bei mir Nostalgie, Verwunderung & Schauer aus verschiedensten Gründen hervorruft.

Als dickes Pro ist auf jeden Fall das Setting zu nennen. Da können nicht viele Spukschlösser in der Filmgeschichte mithalten. Ausserdem gibt es einige echt gelungene Szenen, die intelligent & effizient Spannung aufbauen, diese dann schlagartig entlassen. Ebenso gibt es gute Effekte aus dem Computer - für die damalige Zeit. Doch genauso gibt es Szenen, da muss man sich am Kopf kratzen, so drüber & misslungen sind diese. Gleiches gilt für manch einen halbgaren Effekt oder unfreiwillig komische Performance. Jedes Pro kann hier umgedreht werden. Und jedes Kontra ebenso. 

Wäre nicht die persönliche Verbindung da, könnte ich die harschen Kritiker fast verstehen. Gerade das letzte Drittel schießt oft ins Lächerliche übers Ziel hinaus. Trotzdem sehe ich davor viel schaurig-schummerndes Licht: das prachtvolle Schloss, die Gänsehaut-Soundkulisse, Liam Neeson, die Piano-Szene, Lili Taylor, wohliges Tempo & gut dosierter Schauer zu Beginn. Wer also nicht nur fliegende Geister, fliegende Köpfe oder Catherine Zeta-Jones sieht, und wer damals vielleicht noch etwas leichter zu beeindrucken & gruseln war, der kann "Das Geisterschloss" nicht als vollkommen Flop abtun. Ganz im Gegenteil: i like! 

Fazit: kein Vergleich & fast Blasphemie zum Original - und doch einer meiner Guilty Pleasures. Gruselig, stylisch, etwas Hammer in over-the-top. Zwiespältiger Spaß & teilweise Spannung aus der Kindheit. Eine meiner ersten DVDs... kenne ich fast auswendig. Hätte besser Filme gegeben, so oft zu sehen... schlechtere ebenso ;)

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