"I mean, there's always a reason why anti-anything crops up anywhere."
(Roald Dahl)
Zwischen "Mary Poppins" (1964) und "Bedknobs and Broomsticks" (1971) war [Achtung: Spoiler!] "Chitty Chitty Bang Bang" (1968) das dritte große Kinder-/Familienfilm-Musical schlechthin für eine ganze Generation. Mit beiden Filmen teilte er sich die Komponisten und Songschreiber Irwin Kostal sowie Richard M. und Robert B. Sherman, in der Hauptrolle brillierte zudem "Mary Poppins"-Schornsteinfeger Dick Van Dyke, der sich – mittlerweile nach seiner "The Dick Van Dyke Show" (1961-1966) – nun endgültig als sympathischer Charmeur und liebevoller Kinderfreund ins kollektive Gedächtnis einbrannte. Thematisch kam "Chitty Chitty Bang Bang" dabei eher den Filmen "The AbsentMinded Professor" (1961), "The Gnome-Mobile" (1967) oder "The Love Bug" (1968) – mit dem er sich eine frappierend ähnliche Suspense-Szene teilt – nahe. Wie in diesen Filmen steht auch hier mehr oder weniger ein Automobil im Zentrum der Handlung; doch anders als die vom Briten Robert Stevenson gedrehten Streifen ist "Chitty Chitty Bang Bang" kein US-amerikanischer Disney-Film, sondern – trotz des auch für Disney relevanten Schlosses Neuschwanstein – eine genuin britische Produktion.
Zu den Mitwirkenden gehören einige der populärsten Namen der britischen Unterhaltungskultur: Benny Hill, Star der kurz darauf erschienenen, legendären "The Benny Hill Show" (1969-1989), tummelt sich als Spielzeugmacher im Cast, am Drehbuch arbeitete Kinderbuch- und "Kiss Kiss"-Autor Roald Dahl mit, die Kinderbuchvorlage dieses von Albert R. Broccoli produzierten Films selbst stammt vom James Bond-Schöpfer Ian Fleming und ein sehr, sehr mildes Bond-Feeling bringt auch Produktionsdesigner Ken Adam (etwa mit einem Kellergewölbe in Vulgarien) in den Film, in dem noch zudem Q-Darsteller Desmond Llewelyn einen Schrottplatzhändler und "Goldfinger"-Schurke Gerd Fröbe einen Schurken mimt (dessen Handlanger die aus Powells & Pressburgers Filmen "The Red Shoes" (1948) und "The Tales of Hoffmann" (1951) bekannte Ballett-Größe Robert Helpmann spielt)... Viel namhafter Glamour also, der noch Jahrzehnte später reizt, aber insbesondere all jene geprägt hat, die – ab den 20er Jahren geboren – 1968 mit ihrem Nachwuchs den Film genossen haben oder – ab den späten 50er Jahren geboren – mit "Chitty Chitty Bang Bang" groß geworden sind (um später dem eigenen Nachwuchs diesen bezaubernden Kinderfilm ans Herz zu legen).
Die Beliebtheit ist verständlich, denn mit bald 2½ Stunden Laufzeit steckt "Chitty Chitty Bang Bang" viel Liebe ins Detail, leistet sich eine etwas richtungslos mäandernde, aber kindliche Bedürfnisse voll befriedigende Geschichte und pflanzt bei aller Kindertauglichkeit doch auch so manche Überraschungen ein: darunter einen biestigen Child Catcher, der seinen kindlichen Opfern damit droht, ihre Zähne und Augäpfel in Schmuckstücke umzuwandeln, angedrohte drakonische Leibesstrafen oder eine in jeglicher Hinsicht nachhaltig irritierende Gesangsnummer zwischen Gerd Fröbe und seiner Film-Gattin Anna Quayle, in der – mitten im nur mit Vulg-Air-Flügen erreichenbaren Vulgarien – Anzüglichkeiten und cartoonhafte eheliche Gewalt einander abwechseln.
Man kann aber auch Anstoß nehmen an "Chitty Chitty Bang Bang", der wie zum Beispiel auch das Action-Kriegsabenteuer "The Green Berets" (1968) daran erinnert, dass die '68er ihrerzeit zwar die gerade zur Reife gelangten oder teils noch anlaufenden jungen Wellen des Weltkinos auf ihrer Seite hatten, dass aber der Mainstreamfilm durchaus noch für – keinesfalls bloß konservative, sondern ganz und gar reaktionäre – Stoffe zu haben war.
"Chitty Chitty Bang Bang" erzählt in seinen mäandernden Episoden zwei ineinander verschachtelte, recht fließend ineinander übergehende Geschichten. In der umfangreichen Rahmenhandlung erfahren die Kinder des alleinerziehenden, leicht stan-laureligen Erfinders Caractacus Potts in den 10er Jahren, dass der – nach vier glamourösen Grand-Prix-Auftritten in den Jahren 1907-1909 infolge eines unaufmerksam auf die Rennbahn laufenden Kindes verunglückte – Rennwagen, den ihnen der Schrotthändler Coggins bisher zum Spielen überlässt, zum Verkauf steht. Potts fehlt jedoch mit seinen eher etwas mangelhaften Erfindungen das nötige Geld. Eher zufällig verdient er sich auf der Flucht vor einem Opfer seiner Haarschneidemaschine das nötige Geld mit einer zur Tarnung dienenden Tanzeinlage, um das Automobil zu erwerben und auf Vordermann zu bringen. Bei alledem machen Potts, seine Kinder und der Großvater auch die Begegnung mit einer Fabrikantentochter, die den Bondgirl-würdigen Namen Truly Scrumptious trägt: Sie landet immer wieder in einem Running gag im Teich vor dem Grundstück der Potts – erstmals, als sie den über die Straße hetzenden Kindern ausweicht und hier schon schnell die These vertritt, dass eine gute Erzieherin im Hause der Potts angemessen wäre. Zwischen Scrumptious und Potts bahnt sich dann auch eine Liebesbeziehung an – die daran zu scheitern droht, dass Potts der vermögenderen Frau nichts zu bieten hat. Erst als Scrumptious' Vater, zugleich ein alter Kamerad von Großvater Potts, dem jungen Erfinder seine scheinbar missratenen, tatsächlich aber zum Pfeifen geeigneten Bonbons als Marke Toot Sweets abkauft, steht – wie der Film sogar mit Ironie hinsichtlich des klassischen Rollenverständnisses schildert – einer Ehe nichts mehr im Wege.
Die Binnenhandlung setzt bei einem Strandausflug ein, den Potts mit seinen Kindern und Truly Scrumptious begeht. Die Zuneigung der Kinder (und des Vaters) zur attraktiven Lady in Weiß blüht hier richtig auf, aber als der Sohn seinen Vater bittet, eine Piratengeschichte zu erzählen, und dann ein Boot durchs improvisierte Papier-Fernrohr erspäht, überführt ein verschwimmendes Filmbild des heranschwimmenden Schiffes die Geschichte von einer Erzählebene auf eine andere: Baron Bomburst aus Vulgarien naht mit seinem Schiff und will sich das – an den Chitty Bang Bang-Wagen angelehnte und aufgrund seiner shh-shh-shh-shh-bang-bang-Geräusche Chitty Chitty Bang Bang getaufte – Vehikel unter den Nagel reißen, das sich auf der Flucht fast Bond-Film-würdig als schwimm- und flugtauglich erweist. Bomburst lässt jedoch Großvater Potts von seinen Spionen verfolgen und schließlich samt seiner kleinen Hütte entführen. Potts, die Kinder und Scrumptious nehmen die Spur bis nach Vulgarien auf, wo der Großvater in Gefangenschaft gehalten und als vermeintlicher Erfinder unter Todesdrohungen zum Bau eines weiteren Chitty Chitty Bang Bangs gedrängt wird. In der Stadt vor dem Schloss des Barons, der sich wie ein Mannskind gebärdet und zum Geburtstag stets mit Spielzeugen beschenken lässt, sind Kinder indes durch die Gesetzgebung des Barons untersagt, sodass Potts' Kinder alsbald Opfer des Child Catchers werden. Potts, Scrumptious und der örtliche Spielzeughänder blasen daraufhin mit einer List und der Unterstützung dutzendfacher versteckter Kinder zum Angriff und legen dem Baron und seiner vom Gemahl stets mit mörderischen Absichten bedrängten Gattin das Handwerk – ehe man dann nach glücklich überstandenem Abenteuer wieder am Strand und in der innerfilmischen Realität zu sich kommt.
Diese Binnenhandlung bietet ungleich viel mehr Gelegenheiten, Anstoß zu nehmen, als es bei der Rahmenhandlung der Fall ist. Denn wenn dort noch weitgehend konservative Werte und einige Euphemismen am Werk sind, ist die Binnenhandlung von reaktionären Zügen und kruden Abwertungen durchzogen.
Verzeihlich mutet das noch beim Fantasiestaat Vulgarien bzw. Vulgaria an, der im Namen natürlich als Verballhornung von Bulgarien bzw. Bulgaria auftritt. Unter dem Staatschef Todor Schiwkow hatte Bulgarien zwar hinsichtlich der Bildung und des Wohlstandes zügige Verbesserungen erlebt; aber abgesehen davon, dass Bulgarien dennoch eines der ärmsten Länder innerhalb Europas blieb, agierte Schiwkow, der Anfang/Mitte der 60er Jahre sogar dafür eintrat, Bulgarien als Partner innerhalb des Warschauer Pakts zum Anschluss an die Sowjetunion zu bewegen, geradezu diktatorisch: seinen Spötter, den Schriftsteller Georgi Markow, ließ er an seinem 67. Geburtstag ermorden; Dissident(inn)en landeten zuhauf im Gefängnis und spätestens in den 80er Jahren sollten auch systematische Folter udn Vertreibung praktiziert werden, ehe Schiwkow schließlich gestürzt werden konnte. Das Vulgarien in "Chitty Chitty Bang Bang" trägt aber auch Züge Deutschlands: nicht bloß wegen Schloss Neuschwanstein, sondern auch wegen Gerd Fröbe, der Großvater Potts etwa androht, seinen Kopf abtrennen zu lassen, um ihn mit Sauerkraut auszustopfen. Auch seine Spione sprechen mitunter ("Jawohl!") wie Fröbe in kurzen Passagen deutsch. Mit solchen Verweisen auf kommunistische bzw. (vormals) nationalsozialistische Regime, die mit einer mittelalterlichen Rückständigkeit vermengt werden, kommt das fiktive Vulgarien daher: Mit gutem Willen kann man darin die Verunglimpfung von Unrechtsregimen sehen, zugleich aber bleibt in diesem Kinder-/Familienfilm freilich jede kritische Analyse aus und einem südosteuroäischen Raum wird letztlich fernab tatsächlicher Gegebenheiten mit eher pauschalen negativen Konnotationen begegnet.
Diesem vulgärem Raum steht die zivilisierte, kultivierte britische Gesellschaft gegenüber, in der auch die eigene Geschichte des Kolonialismus keinesfalls kritisch gesehen wird: Noch in der Rahmenhandlung begibt sich Großvater Potts in entsprechender Kostümierung bzw. Unifmormierung nach Alaska bzw. Indien – um dann tatsächlich bloß in seine kleine, toilettenhäuschenhafte Hütte einzutreten. Das britische Kolonialgebiet in Nordwestamerika war freilich schon zur Handlungszeit des Films ein bloß noch imaginärer Raum, wobei Großvater Potts als Figur angelegt ist, die den sehr realen britischen Gebietsanspruch und die Grenzstreit-Debatten durchaus erinnert haben müsste. In der Binnenhandlung wird sich Großvater Potts dann in Khaki-Uniform mit dem Tropenhut der britischen Kolonialtruppen gen Afrika bewegen (und abermals in die kleine Hütte begeben, die die Spione des Barons dann als Laboratorium fehlinterpretieren und entführen: "I'm being abducted – by foreigners!", wird Großvater Potts aus den Lüften seinem Sohn zurufen; es gibt da offenbar einen Unterschied zwischen den Fremden, denen man Übles zutraut, und den Fremden, denen man Übles zumutet). Anders als das zwar zur Handlungszeit, aber nicht mehr zur Erscheinungszeit des Films zu Großbritannien gehörende Indien gehörten so einige Kolonialgebiete in Afrika auch noch 1968 und lange danach zu Großbritannien – wobei unter den afrikanischen Kolonien Großbritanniens eine Dekade des erheblichen Schwundes eingesetzt hatte. Und weil Großvater Potts eine witzige Figur sein mag, aber keine Witzfigur ist, wird die über ihn in den Film integrierte Kolonialgeschichte Großbritanniens mit Wohlwollen und Sympathie beäugt, wobei zumindest das Schwinden selbst, der Verlust selbst frei von Ängsten oder Schmerzen bleibt. Das nostalgische Hängen an der Kolonialherrschaft – in dessen Rahmen gerade die freundschaftlichen Verbindungen etwa mit einem indischen Maharadscha hervorgekehrt werden – erscheint als liebenswürdige Schrulle. (Auch Caractacus Potts ist nicht ganz frei von dieser Nähe zum Kolonialismus, wenn man den Song "Me Ol' Bamboo" berücksichtigt; pikanterweise ist der besungene Bambusstock als Lathi gerade als Waffe der indischen Ordnungskräfte im Kontext der Proteste und Demonstrationen infolge der indischen unabhängigkeitsbemühungen international einigermaßen bekannt geworden.)
Dieser unkritische Blick auf den Kolonialismus passt im Grunde zum Vorlagenautor Ian Fleming, dessen James Bond ja vielfach als Kompensation des Verlusts der Weltmachtstellung des British Empire gerade auch nach der indischen Unabhängigkeit und inmitten des langwierigen Dekolonisationsprozesses verstanden wurde. Vor dem Hintergrund wirkt die pauschale Abwertung eines fiktiven Vulgaria umso problematischer, auch wenn man darin mit zugedrückten Augen die bloße Abwertung autoritäter Regime vom Sozialismus bis zum Nationalsozialismus erspähen will.
Und gerade der Nationalsozialismus, der in "Chitty Chitty Bang Bang" ja durchaus angespielt wird, geht in den Sequenzen zum Child Catcher eine äußerst unglückliche Bindung mit antisemitischen Klischees ein: Dass Bewohner(innen) des Städtchens – zumindest der Spielzeugmacher – gesetzlich gesuchte Kinder bei sich verstecken, sie so dem Zugriff des Child Catchers und der Häscher des Barons vorenthalten und letztlich ihre Leben unter dem Einsatz der eigenen Sicherheit retten, ergibt ein Setting, das unweigerlich an die Judenverfolgung im Nationalsozialismus denken lässt. Aber gerade dem Child Catcher – dessen altertümlicher, ans 19. Jahrhundert denken lassende Mantel keinesfalls an die Ledermänter oder Klepper von SS oder Gestapo denken lässt – kommen als Kindermörder mit großer Nase und der Gabe zur hinterlistigen Verstellung antisemitische Klischees zu, die schon an sich aufstoßen, aber gerade in dieser assoziativen Nähe zum (kein Vierteljahrhundert zurückliegenden) Holocaust verstören.
Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass Roald Dahl den ersten Drehbuchentwurf geschrieben hatte: Schließlich war Dahl berüchtigt für seinen Antisemitismus, der sich später etwa in "The Witches" (1983) mit den Kinder vergiftenden/verzaubernden, äußerlich assimilierten, aber eigentlich mit riesigen Zinken versehenen Hexen, die im Geheimen an einer Verschwörung arbeiten, niederschlug. 1983 hatte Dahl auch Michael Coren ein Interview gegeben, in dem er erklärte: "There is a trait in the Jewish character that does provoke animosity, maybe it's a kind of lack of generosity towards non-Jews. I mean, there's always a reason why anti-anything crops up anywhere. Even a stinker like Hitler didn't just pick on them for no reason."[1]
Unklar ist, wie viel Ken Hughes und Richard Maibaum von Dahls ursprünglichen Drehbuch überhaupt übernommen haben. Hughes beanspruchte die Erfindung der Figur des Child Catchers durchaus für sich – und angesichts der Besetzung mit "The Tales of Hoffmann"-Star Robert Helpmann scheint es auch wahrscheinlich, dass Hughes eher an die – gerade auch im deutschen Stummfilm populären – hoffmannesken Figuren anknüpfen wollte: So wird ja etwa Hoffmanns Rat Krespel in "Die Serapionsbrüder" (1819-1821) als "einer der allerwunderlichsten Menschen"[2] mit einer "spitzen Nase"[3] beschrieben. Der Archivarius Lindhorst in "Der goldene Topf" (1814/1819) erscheint als "ein langer hagerer Mann in einen weiten lichtgrauen Überrock gehüllt"[4]. Später präsentiert der Text der Leserschaft noch "ein langes, hageres, kupfergelbes Weib mit spitzer Habichtsnase und funkelnden Katzenaugen; aus dem schwarzen Mantel, den sie umgeworfen, starren die nackten knöchernen Arme hervor"[5]. Und in "Die Brautwahl, eine (berlinische) Geschichte, in der mehrere ganz unwahrscheinliche Abenteuer vorkommen" (1820/1821) weckt "eine lange hagere, in einen dunkeln Mantel gehüllte Gestalt"[6] in der Nacht des Herbst-Äquinoktiums das Interesse des Geheimen Kanzleisekretärs Tusmann. Lange, hagere Figuren mit ausgeprägter Physiognomie und kuriosen Eigenarten findet man zuhauf bei E. T. A. Hoffmann... und – teils durch Hanns Heinz Ewers gefiltert – auch im phantastischen, meist expressionistischen deutschen Stummfilm, von "Der Student von Prag" (1913) über "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1920), "Der Müde Tod - Ein deutsches Volkslied in sechs Versen" (1921) und "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" (1922) bis hin zu "Das Wachsfigurenkabinett" (1924).
Es mag also angesichts der Besetzung mit Helpmann und seinem "The Tales of Hoffmann"-Hintergrund möglich sein, dass hier nur eine hoffmanneske Mode aufgegriffen, dass hier hoffmanneske Typen reproduziert wurden. Immerhin hat es der Child Catcher hier unter anderem auf die Augen von Kindern abgesehen: ein wenig wie Hoffmanns Coppelius, den Helpman für Powell & Pressburger neben weiteren Hoffmann-Figuren verkörperte. Und Truly Scrumptious wird ja als lebende Frau, die für eine mechanische Puppe gehalten wird, passenderweise im Finale Hoffmanns Olympia, der mechanischen Puppe, die für eine lebende Frau gehalten wird, gleichen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Hoffmanns Texte – obgleich der Autor privat keine antisemitischen Positionen vertrat und freundschaftliche Verhältnisse mit mehreren jüdischen Zeitgenoss(inn)en pflegte – ihrerseits nicht frei von antisemitischen Klischees waren: In "Die Brautwahl" mit den teils jüdischen Figuren etwa sind "die drastischsten Exempel [...] die lang und länger werdende Nase des Barons Dümmerl[] [...] sowie seine und seines Onkels Manasse unbezwingbare Gold- und Geldgier. [...] Der (nichtjüdische) Brautvater Voßwinkel erweist sich (nicht erst am Ende der Erzählung) als nicht weniger geldgierig als der Jude. Unabhängig davon verdient die Darstellung des Juden bei Hoffmann längst eine eingehende Untersuchung."[7]
Über Urheberschaft und Intention hinter der Figur des Child Catchers lässt sich bloß spekulieren. Attestieren lässt sich nichtsdestotrotz, dass "Chitty Chitty Bang Bang" wenig Fingerspitzengefühl erkennen lässt, wenn solch eine manche antisemitische Klischees reproduzierende Figur in ein Setting pflanzt, das mit gesetzlich angeordneter Ausrottung weiter Bevölkerungsteile im autoritär geführten Staat den Nationalsozialismus assoziieren lässt. Andererseits hatten in den USA des Jahres 1943 schon die Disney-Studios die Übergriffe der Nationalsozialisten auf Synagogen durch Übergriffe auf christliche Kirchen ersetzt – während ein Arthur Miller gerade an seinem "Focus" (1945) arbeitete, in dem er den US-amerikanischen Antisemitismus und eigene Anfälligkeiten für den Faschismus ausleuchtete... Antisemitismus und Anti-Nationalsozialismus konnten in und nach dem Kriege schon Hand in Hand gehen.
Das Fremde, dem "Chitty Chitty Bang Bang" problematisch begegnet, umfasst – neben dem Fremd- und Ausländischen sowie dem Jüdischen – auch das Sexuelle: die Homosexualität und die Weiblichkeit.
Seiner Zeit auf eher bedenkliche Weise voraus ist "Chitty Chitty Bang Bang" mit den Spionen des Barons: Alexander Doré und Bernard Spear verkörpern das in den Taten fest aufeinander eingeschworene Pärchen, das in der Kommunikation indes nicht ganz so aufeinander eingeschworen ist. Wie Stan Laurel und Oliver Hardy, Bud Abbott und Lou Costello oder Wally Brown und Alan Carney sind sie als Spion Eins und Spion Zwei fast unzertrennlich, nur als Duo denkbar: Spion Eins gibt den Ton an, Spion Zwei ist auf klare Ansagen angewiesen. Kurios zurechtgemacht und teils im Zeitraffer etwas grotesk agierend, erscheinen sie als klassisches Filmkomiker-Duo, das seine Einflüsse schon in Stummfilmzeiten findet. Aber sie weisen eben auch schon voraus auf andere Männerpaare im populären Film der kommenden Jahre: Gerd Fröbes Handlanger erinnern an das kommende schwule Gangsterpärchen in "Diamonds Are Forever" (1971), das neben dem kriminellen schwulen Pärchen in "Vanishing Point" (1971) und vor dem kriminellen schwulen Pärchen in "Autostop rosso sangue" (1977) ein despektierliches Bild schwuler Paare im Genrefilm zeichnete.
Freilich fehlt zwischen Spion Eins und Spion Zwei jede Homoerotik; dieses kriminelle Duo gleicht eher einem alten Pärchen, zankt sich und bleibt doch zusammen, umklammert sich vor Anspannung und erregung gegenseitig die Arme... und gelegentlich hat auch die eine oder andere Geste etwas Effeminiertes an sich. Die deutsche Synchronfassung unterstreicht den Eindruck noch dadurch, dass in die gegenseitige Anrede einmal ein "du dummes Ding!" eingefügt wird: eine Rüge, die eher gegenüber Frauen gebräuchlich war (und ist).[8] Durch das Aussparen der Homoerotik erweckt das Paar einen – trotz aller krimineller Energie – geradezu unschuldigen Eindruck: ein wenig wie Ernie und Bert oder später SpongeBob und Patrick. Der entscheidende Unterschied: Bei Ernie und Bert und SpongeBob und Patrick platzt den empörten erzkonservativen Kritiker(inne)n fast der Kragen vor lauter Echauffiertheit. Bei Spion Eins und Spion Zwei wäre das auch in langlebiger Serienform nie nötig: immerhin sind beide als Antagonisten und willfährige (wobei: ihrerseits auch stets mit dem Tod bedrohte!) Handlanger des Schurken nach erzkonservativer Sichtweise ausreichend angemessen negativ konnotiert, als dass eine Gefahr für die sexuelle Orientierung des unschuldigen Nachwuchses ausgehen würde. Und das, obgleich Ted Hughes acht Jahre zuvor noch "The Trials of Oscar Wilde" (1960) gedreht hatte.
Auch ein seltsamer Umgang mit Frauen wird in "Chitty Chitty Bang Bang" gezeichnet, wobei hier die Unterschiede zwischen Binnen- und Rahmenhandlung zu beachten sind. In der Binnenhandlung wird der Sturz des Barons herbeigeführt von Caractacus Potts und Truly Scrumptious, dem Sohn und der Tochter Potts, dem Spielzeugmacher und den versteckten Kindern. Aber es ist Potts, der den Baron gen Schlossdecke ziehen lässt, derweil Scrumptious vergleichsweise untätig bleibt. Sie steht mit Potts Kindern in den Armen etwas abseits, während Potts mit dem Spielzeugmacher gegen die Wachen des Barons angeht. Und von den versteckten Kindern sind es bloß die Jungen, die aktiv am Umsturz mitwirken; die Mädchen winken nur dem davonfliegenden Automobil hinterher, wenn Potts und Anhang wieder nach England aufbrechen, nachdem sie Vulgarien – eigener Kolonialherren-Mentalität gerecht werdend – befreit haben.
Das ist erst einmal bloßer Zeitgeist und nicht weiter erstaunlich. Eher schon darf man sich wundern, dass die Schurkenfraktion hier aus dem Baron, seinen männlichen Spionen, den männlichen Wachen, dem männlichen Child Catcher und den männlichen Untergebenen am Hofe besteht. Eine Superschurkin, wie sie der Genrefilm der späten 60er Jahre durchaus schon kannte, bleibt hier außen vor. Es gibt allerdings die Baronesse an der Seite des Barons: Sie tröstet ihn wie eine Mutter, wenn er greint und heult; sie tanzt aufreizend gekleidet mit dem Baron, der abwechselnd ihre Wangen und das Näschen, eben ihr "Chu-Chi Face", die geflochtenen Zöpfe und die freien Oberarme tätschelt und ihr mit allerlei Waffengewalt nach dem Leben trachtet. Zuvor schon hatte der Baron seine mit Potts Schleudersitz in die Luft katapultierte Gattin, als sie mit aufgeblähtem Rock wieder gen Erdboden segelte, mit dem Gewehr herabzuholen gedacht. Diese ganzen Beispiele mordlüsterner häuslicher Gewalt werden durchaus so milde, absurd und humorvoll dargereicht, dass sie das kindliche Publikum kaum verschrecken, zugleich aber werden dabei die Sympathien schon auch auf Fröbes Schurken ausgerichtet, der als Leidtragender unter seiner Gemahlin gezeichnet wird. Die Baronesse zeigt vergleichsweise wenig Gefühle: sie darf bloß ein wenig nerven und etwas hinterhältig und feige die Kinder von Potts denunzieren, die dem Baron andernfalls womöglich gar nicht aufgefallen wären.
Frauen taugen in "Chitty Chitty Bang Bang" weder zur großen Heldin noch zur großen Schurkin, derweil die Attacken auf die Schurkengattin zu bloßen Schenkelklopfern geraten – in Analogie zum Los der unschuldigen Truly Scrumptious, regelmäßig weiß oder rosa gewandet mit dem sauberen Automobil in den trüben Teich vor dem Grundstück der Potts zu fahren. Wobei die Rahmenhandlung ja insgesamt anders geartet ist...
Dass die Binnenhandlung insgesamt überhaupt eine bloße Fantasie ist, die Caractacus Potts zu Unterhaltungszwecken aus dem Ärmel schüttelt, ist dabei von großer Bedeutung. Es handelt sich bei der Binnenhandlung nicht allein um Erfindungen der Filmschaffenden, sondern auch um eine Erfindung der Filmfigur des Erfinders Caractacus Potts.
Die Rahmenhandlung indes kann freilich keiner Filmfigur zugeschrieben werden. Zu ihr gehören neben dem locker-leichten Umgang mit der eigenen Kolonialgeschichte die eher geringeren Steine des Anstoßes: Das ist vor allem die sonderbare Anbahnung der Ehe zwischen Potts und Scrumptious, die erst einmal als bisher abwesende mütterliche Figur die Bühne betritt und von Potts erst ernsthaft als Gattin in Erwägung gezogen wird, als er über den Handel mit ihrem Vater zu Geld kommt: "We're rich!", verkündet er frohlockend der erfreuten Frau, die das Geld ihres Vaters wohl ohnehin als Alleinerbin erhalten hätte.
Hier lässt der Film durchaus Ironie erkennen; und auch aufscheinen, dass Potts der letztlich ja zu ihm hingezogenen Scrumptious auch ohne bislang erlangtes Vermögen einen Antrag hätte machen können und dürfen, wenn ihn nicht sein Selbstbild – und weniger Scrumptious Sr. – abhalten würde. Diese Ironie fehlt allerdings, wenn die ganze Vetternwirtschaft über Großvater Potts oder Truly Scrumptious zum unhinterfragten Erfolg von Caractacus Potts führt. Auch wird hier – was "Chitty Chitty Bang Bang" im direkten Vergleich mit "Mary Poppins" zum etwas ehrlicheren Film macht – dem kindlichen Publikum schon ein Gefühl dafür vermittelt, dass im Leben viel von der finanziellen Lage abhängt: nicht unbedingt eine unangebrachte Botschaft; unangebracht erscheint aber die übergroße Nachsicht, die den als hartherzig eingeführten Geschäftsmännern hier zukommt. Insbesondere gilt das für Scrumptious Sr., der etwas cholerisch und herrisch in seiner Fabrik agiert, dann aber in Anfällen kindlicher Begeisterung oder freundschaftlicher Zugewandtheit doch als freundlicher Typ erscheint. Dass er ein eher unangenehmer Arbeitgeber zu sein scheint, spielt – wenn er als Freund oder Verwandter sympathisch agiert – letztlich gar keine Rolle mehr.
Es spricht eigentlich alles dafür, dass man "Chitty Chitty Bang Bang" als Kinder-/Familienfilm sehen müsste, in dem eine ideologische Differenz zwischen Film-Perspektive und Hauptfigur-Perspektive einzig dort aufklafft, wo es um die Frage geht, ob Potts ohne größeres Vermögen einen Heiratsantrag machen darf. Hier führt ihn der Film minimal als beinahe-Opfer seiner eigenen unnötigen Hemmnisse vor. Zugleich straft der Film Potts' Haltung, dass er und seine Kinder einander genügen würden, Lügen: Scrumptious hatte von Anfang an Recht, dass bei den Potts eine Frau im Hause fehlt, die vernünftig und empathisch erzieht.
Der damit insgesamt recht ungebrochen konservative Streifen bekommt dann aber eben einen eher schon reaktionären Touch, wenn Potts seine in vielerlei Hinsicht problematische Geschichte über Abenteuer im fiktiven Vulgarien erfindet und damit nicht etwa Empörung auslöst, sondern große Freunde und Heiterkeit, um als idealer Familienmensch und Charmebolzen zu erscheinen... den freilich auch das keinesfalls empörte Publikum in der Figur gesehen hat, die noch bis heute zu Dick Van Dykes Beliebtheit beiträgt.
Man könnte hier nochmals fragen, wie viel Ironie womöglich in Großvater Potts Hilferuf "I'm being abducted – by foreigners!" liegt, den ja Caractacus Potts seinem Vater andichtet mit seiner Geschichte, in der auch Großvater Potts' Kolonialherrschaftssympathien nochmals zur Sprache kommen. Es spricht wenig dafür, dass Potts in ironisch-kritischer Absicht davon erzählt. Auch scheint der Film selbst hier nicht ironisch-kritisch, wohl aber humorvoll vorzugehen. Dass Potts, der Mann, der erst finanziell auf Augenhöhe mit einer Frau sein muss, um ihr einen Antrag zu machen, eine Geschichte erdichtet, in der tatkräftige Männer unter Führung des Briten einem Schurken das Handwerk legen und in der die Gewalt an Frauen vom fremdländischen Mann praktiziert wird und dabei noch zur Erheiterung dient, lässt eigentlich tief blicken: Aber der Film entlarvt sich dabei aber eher unfreiwillig, zwinkert nirgends so vielsagend seinem Publikum zu, dass dieses schon 1968 oder – hierzulande – 1969 in Potts einen eher unglücklichen Ehekandidaten und fragwürdigen Partner erblickt hätte. Nirgends scheint der Film provozieren und polemisieren zu wollen, überall scheint er stets nur beschwichtigen und so nachsichtig wie harmonisch sein zu wollen.
Aber man kann den Film heute – in einer Zeit, in der bereits die Automobil- und Rennwagen-Begeisterung kritisch beäugt werden kann, in der man innerhalb von empfindlichen body shaming-Debatten hinterfragen könnte, ob ein jüngerer Darsteller mit Haarkranz den Vater eines älteren Darstellers mit dichtem Haarwuchs spielen muss, oder in der das Wort "midget" problematisiert werden kann, das in "Chitty Chitty Bang Bang" einmal fällt, wenn ein riesiger Gefangener des Barons erklärt, dass er vor seinen Streckbank-Folterungen einst als "midget" (bzw. "Zwerg" in der deutschen Synchronfassung) das Schloss betreten hätte – immerhin gegen den Strich lesen. Denn "Chitty Chitty Bang Bang" ist ein Film, der das Potenzial hat, sich und den Filmschaffenden in den Rücken zu fallen: Er weckt – weil Caractacus Potts eine Geschichte voller Kolonialstolz, Südosteuropa-Diffamierung, Antisemitismus, homophober Aspekte und bedenklicher Witze zur Gewalt gegenüber Ehefrauen erzählen kann, ohne wenigstens von seiner erwachsenen Zuhörerin gebremst zu werden, und weil "Chitty Chitty Bang Bang" selbst somit eine Geschichte voller Kolonialstolz, Südosteuropa-Diffamierung, Antisemitismus, homophober Aspekte und bedenklicher Witze zur Gewalt gegenüber Ehefrauen erzählt, ohne sein zeitgenössisches Publikum ins Grübeln zu bringen – ein Gespür dafür, dass Kolonialismus-Anhänger(innen), Antisemit(inn)en, Chauvinist(inn)en, Misogynist(inn)en etc. eben sehr charmante, vereinnahmende, im Privaten liebevolle, lustige und charismatische Typen sein können. So wie Roald Dahl. Oder Ian Fleming. Oder ganz so, wie ja auch ein Riesenarschloch von Fabrikant à la Scrumptious Sr. in Momenten der Freude oder Heiterkeit ein sympathischer Mensch sein kann.
Fallend ins bedeutungsschwere Jahr 1968 mit all seinen Generationskonflikten – gerade hierzulande, wo sich Teile der Jugend durch die Kollektivschuld der Elterngeneration im Nationalsozialismus zur heimischen Auseinandersetzung gedrängt sahen – veranschaulicht der Film, dessen Vorlagenautor heute für seine rassistischen und misogynen Momente ebenso in der Kritik steht wie der populäre Drehbuchator für seinen unverhohlenen Antisemitismus, wie harmonisch, kinder- und menschenfreundlich Kolonialismus, Antisemitismus etc. auftreten können, wie gerade dort, wo solche Sichtweisen mehrheitsfähig sind, im Grunde Unmenschliches doch sehr menschlich wirkt und wie schwierig es ist, mit entsprechend geringem gesellschaftlichen Rückhalt dagegen anzuarbeiten. Selbst heutzutage kann man zwar mit Leichtigkeit am ideologisch fraglos veraltet wirkenden "Chitty Chitty Bang Bang" berechtigte Kritik üben, was auch vielfach passiert, wird sich aber schwerlich dem dennoch wirkenden Charme entziehen können.
Man kann den Film somit sowohl als nette, familientaugliche Ergänzung zu Disneys Robert-Stevenson-Vehikeln sehen – aber eben auch als interessante Ergänzung zu einem NS-Propagandafilm wie "Jud Süß" (1942), der noch heute manch antisemitische Charaktere sympathisch rüberkommen lässt, oder zu Jonathan Glazers "The Zone of Interest" (2023), der vorführt, wie leicht sich direkt neben den Gräueln in Auschwitz eine heile Welt leben lässt.
Gute 7/10 für einen Film, der vor allem aus seiner Diskrepanz zwischen familientauglich-sympathischer, harmonischer Einlullung und seinem verkorksten ethischen Bewusstsein Qualitäten zieht, die so wohl gar nicht intendiert waren.
1.) Zitiert nach: Michael Coren: I exposed Roald Dahl's anti-Semitism. Seeing it play out on stage was surreal. Auf: https://www.newstatesman.com/diary/2024/09/i-exposed-roald-dahls-antisemitism-seeing-it-play-out-stage-was-surreal (29.05.2025).
2.) E. T. A. Hoffmann: Rat Krespel. In: Wulf Segebrecht, Ursula Segebrecht (Hg.): E. T. A. Hoffmann. Sämtliche Werke, Band 4. Die Serapionsbrüder. Deutscher Klassiker Verlag 2001; S. 39.
3.) A. a. O.; S. 41.
4.) Hoffmann: Der goldene Topf. In: Hartmut Steinecke, Gerhard Allroggen, Wulf Segebrecht (Hg.): E. T. A. Hoffmann. Sämtliche Werke, Band 2.1. Fantasiestücke in Callot's Manier. Werke 1814. Deutscher Klassiker Verlag 1993; S. 253.
5.) A. a. O.; S. 280.
6.) Hoffmann: Die Brautwahl. In: Segebrecht, Segebrecht (Hg.): E. T. A. Hoffmann. Sämtliche Werke, Band 4. S. 640.
7.) Kommentar: Die Brautwahl. Aspekte der Deutung. In: Segebrecht, Segebrecht (Hg.): E. T. A. Hoffmann. Sämtliche Werke, Band 4. S. 1475-1476.
8.) Maria Pober liefert ausführlichere Anmerkungen zur "besondere[n] Rolle, die [Dummheit] in der Lexikalisierung von weiblichen Personenbezeichnungen, die Verdinglichungen sind, spielt, die auf Grund des Diminutivs kein weibliches, sondern neutrales Genus aufweisen wie z.B. das dummchen oder dummes ding, während männliche wie dummerjan, dummerling oder dummi [...] immer maskulin und auch selten Diminutive sind, Dummchen (Dummerchen) eine milde Schelte, auch herablassend-gutmütig für 1. ein kleines, noch unwissendes und ungeschicktes Kind. 2. eine törichte ♀♀(weibliche)♀ ♀Person♀♀: Du kleines Dummerchen!" (Maria Pober: Gendersymmetrie. Überlegungen zur geschlechtersymmetrischen Struktur eines Genderwörterbuches im Deutschen. Königshausen & Neumann 2007; S. 442-443.)