Review

<!--StartFragment -->Als das große Verwirrspiel, beruflich wie privat, startet Bloody Cops bereits in einem interessenbesetzten Vorspann. Die pre-titles und credits als Zusammenfassung noch kommender Ereignisse gehalten, die in dieser Ratifizierung mit Lücken dazwischen allerdings nur wenig Information und viel Fragen für den Zuschauer bereithalten. Das Genre der folgenden Aufklärung ist Kriminalfilm, mit Hang zum Thriller gleichermaßen wie einem Überschwang zum Drama der Charakterisierung. Es geht um das Finden eines Täters in der Ermittlung eines Mordfalls genauso wie um die Frage des eigenen Wollens und die Ungleichbehandlung bisheriger Prioritäten. Eine herbeigeführte Störung der Ordnung, im Umfeld zweier Polizisten, deren gefühlsmäßige Inschachnahme wie die rivalisierende Konkurrenz auch anderer Beteiligter die Tragödie radikalisiert.

Vorteile des Filmes, von Kenneth Lau geschrieben, produziert und auch realisiert, liegen dabei auch in der kostengünstigen Umsetzung, die schon von vornherein gezwungen ist, mit wenigen und den einfachsten Mitteln für die Verwirklichung der Ideen zu sorgen und sich schon begrenzt gar nicht auf ein ebenfalls mögliches pompöses Tamtam einlassen kann. Vielmehr werden die expansiven Kräfte auf eher ruhig gehandhabte, vielleicht sogar isoliert wirkende und von der Umwelt da draußen abgeschiedene Dialoge gesetzt, Wert auf eine sich langsam anbahnende Dramaturgie gelegt, deren Verhängnisse sich drohend am Horizont anbahnen. Die Aura reichlich trübe, unbewusst warnend, mit einem bevorstehenden Geltungsverlust, dem Gestus einer Veränderung ausgestattet. Neo Noir, mit der irritierenden Frage von all dem, was man hinterher erst weiß:

Bei der offiziellen Ausgrabung und Öffnung einer vor zehn Jahren verschlossenen Zeitkapsel an seinem alten College stößt der eingeladene Polizist Tam [ Roy Cheung ] als ehemaliger Schulabgänger auf die Leiche des jungen Lehrers Pang Ho-wai [ Michael Tong ], der nach mehreren zugefügten Verletzungen letztlich mit einem Schuss durch das Auge ins Gehirn getötet wurde. Inspector Tam übernimmt zusammen mit Kollege Kay [ Ken Wong ] die Untersuchung und führt im Beisein von Tung Fa [ Cheung Wing-sze ] auch die Befragungen eventueller Verdächtiger durch. Während Principal Choi [ Eddie Chan ] eifrig darauf bedacht ist, jeden Verdacht auf seine Schule als Makel der Reputation kategorisch abzulehnen, erzählt ihm die Haushälterin Lan [ Helena Law ] von der Beziehung Pangs zur auch angestellten Lehrerin Grace Cheung [ Stephanie Che ]. Einmal auf dieser Fährte drauf, erfährt er von Pangs Mutter [ May Che ] von einer bevorstehenden Trennung und über Umwege auch von der Studentin May [ Chan Tsui-ting ] als verschmähten Schwarm. Über die Wochen der Recherche hinweg entwickelt Tam zudem ein auffällig indiskretes Interesse an Grace Cheung, was nicht gerade sein Verhältnis zur daheim vernachlässigten Ehefrau Kwang [ Pinky Cheung ] entspannt.

Zu emanzipierten Anteilen nachgeforscht und die Dinge auf sich beruhen gelassen wird die Erzählung mit einer gegenseitigen Ergänzung der aktiven Aufspürung und des Konflikt der personellen Ausgangsordnung vorangetrieben. Tam ist zu gleichen Rationen bei Kwang und bei Grace wie er sich auch im identischen Kontingent von Revier und Zuhause aufhält. Seine Anteilnahme ist dabei allerdings eindeutig auf den Fall, somit auch auf die potentielle Zeugin und/oder Verdächtige und/oder Opfer in dem Verbrechen gerichtet, was in all dieser auch emotionalen Unordnung wiederum auf sein familiäres Leben zurückfällt. Liebe, Hass, Aufregung, Monotonie, in all ihrer vollzogenen Ungleichbehandlung und letztlich alle Personen identisch betreffend.

Dass die Beschwerden seiner Ehefrau ihren Platz in der Handlung oder zumindest ihrer Übergangsperiode einnehmen, welche dann auch weniger den Eindruck eines Rapports als eher den einer eingehend schildernden Abhandlung erweckt, mag auf den ersten Blick auch störend wirken. Nach Klischee vom übermotivierten, nur auf die Karriere bedachten, nicht mehr vernunftgeleiteten Cop riechen. Und die nun nicht mehr virulent erscheinenden Fragen der Tätersuche zunehmend weiter in den Hintergrund drängen. Kompensiert das Geschehen aber vielmehr zu einer Eigenständigkeit mit wirklichen Interesse an den Figuren, was die gesamte Darstellung als Ergebnis dieser Strategie auch mehr als gewohnt in das Einfühlungsvermögen fixiert und zuletzt mit einer Reihe frappierender Twists vollends in die verhüllende Gestalt erwecken lässt.

Gerade bei dem Fortschreiten der Sondierung, dem Aufspüren eines Tagebuchs, des darin versteckten Codes, dem plötzlichen Wettlauf gegen die Zeit wirkt sich die vorherige stille Profilierung durchaus nützlich für den Diskurs aus,[der final die Agilität der möglichen Kombinationen auf die Zerreißprobe stellt, aber dies mit den Auflösungssätzen "Staying with you is different from staying with her." und "Everything is within my expectation, but there is only one thing surprised me, that is..." abfedert.]

Das Gleiche gilt für das für Herkunft und Verbreitung des Werkes überraschend solide Schauspiel, dessen Anführer Roy Cheung die seltene Hauptrolle auch dankbar in Anerkennung registriert. Einträglich ist zudem der nicht vorhandene Expansionsdrang des Filmes, der sich für das Revier als Zentrum dünn besiedelter Zivilisation einen reichlich ominösen Ort ausgerechnet abseits der Gesellschaft gesucht hat. Die Station, an dem sich Tam hauptsächlich aufhält, dort auch gerne mal die Nachtschicht im Dienststuhl einlegt und den Zigarettenqualm im düsteren Verhörzimmer verteilt, erinnert von seiner ungewöhnlichen Aufmachung an eine verwunschene Villa mit Waldgrundstück; enge Gänge, hohe Decken, tote Kamine, und im spartanisch eingerichteten Arbeitszimmer hängen Jahrzehnte alte Wipfel längst angestaubter Auszeichnungen.

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