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"Kaffeefahrt ins Klischeeparadies"

Zugegeben, ein Paar im Zeugenschutzprogramm hatten wir in einer romantischen Komödie bisher noch nicht. Das war's dann aber auch schon wieder mit originellen Einfällen abseits der ausgetretenen Genrepfade. Haben Sie das von den Morgans gehört? ist eine Klischeeromanze par Excellenze.

Der Weg der Titelgebenden Morgans vom entfremdeten Ehepaar über eine mehr oder weniger behutsame Neuannäherung bis hin zum unvermeidlichen zweiten Paarfrühling verläuft schnurgerade auf der zementierten Erwartungshaltungsautobahn. Die zwei, drei dramaturgischen Ausfahrten führen nach einem leichten Schlenker umgehend auf die routiniert ausgebaute Story-Hausstrecke zurück. Die ganze Fahrt über kann man sich von angenehmen aber substanzlosen Easy-Listening-Dialogen berieseln lassen. Kurbelt man das Fenster herunter, weht die eine oder andere erfrischende Humorbrise herein.
Am Steuer wechseln sich zwei absolute Profifahrer ab, die bereits unzählige Komödien-Fahrstunden und Romantik-Meilen mit traumwandlerischer Sicherheit und beeindruckender Routine runtergerissen haben. Da kann nun wirklich nichts mehr schief gehen und so wird das häufig angesteuerte Ziel auch völlig entspannt und punktgenau erreicht. Wer allerdings auf eine aufregende Fahrt voller neuer Eindrücke und interessanter Nebenstrecken hofft, sollte lieber woanders einsteigen.

Mit anderen Worten: Haben Sie das von den Morgans gehört? ist ein exakt auf sein Leading Couple Hugh Grant und Sarah Jessica Parker zugeschnittenes Mainstreamprodukt. Aus den üblichen Bausteinen zusammengesetzt und im gängigen Verfahren hergestellt wirkt der Film allerdings ein gutes Stück zu glatt und letztlich auch platt. Grant gibt zum gefühlt 500. Mal den sympathischen Tollpatsch auf Freiersfüßen. Mit zunehmendem Alter - er zählt immerhin fast 50 Lenze - verliert diese ewig gleiche Masche aber stetig an Charme und Esprit. Der Brite spult sein übliches Repertoire inzwischen einfach ein wenig zu routiniert herunter, was ordentlich zu Kosten seiner vor allem in Vier Hochzeiten und ein Todesfall und Notting Hill noch so entwaffnenden Natürlichkeit geht.

Ähnlich verhält es sich mit seinem amerikanischen Costar. Die ebenfalls deutlich in die Jahre gekommene Sarah Jessica Parker wärmt zum wiederholten Mal ihre Sex and the City-Paraderolle auf. Auch hier sind inzwischen deutliche Verschleißerscheinungen sichtbar. Jessica Parkers schnippische Großstadtzicken-Attitüde will zudem nicht so recht zu Grants dackeligem Briten-Snobismus passen. Trotz gegenseitiger Sympathiebekundungen und den üblichen „Wir hatten ja so viel Spaß bei den Dreharbeiten"-Sprüchen stimmt einfach die häufig zitierte Chemie zwischen den beiden Stars nicht so recht. Sie sind letztlich zu konträr und die Überwindung ihrer Unterschiedlichkeit wirkt zumindest in diesem Fall aufgesetzt und unglaubwürdig.

So hat der Film seine besten Momente nicht in den gemeinsamen Szenen der Morgans, sondern in deren Konfrontation mit ihrer neuen Zwangsheimat. Nachdem die beiden New Yorker unfreiwillig Zeugen eines Auftragsmordes werden, verschlägt sie die FBI-Schutzmaßnahme ausgerechnet ins ländliche Wyoming. Dort sollen sie beim örtlichen Sheriff und seiner burschikosen Gattin untertauchen. Die beiden versorgen ihre vegetarischen Schutzbefohlenen mit tonnenweise Fleisch, bringen ihnen den Schusswaffengebrauch bei, lassen ihren Schlaf von allerlei ausgestopftem Getier überwachen und bieten den vom New Yorker Kulturangebot Verwöhnten als entspannende Abendunterhaltung die komplette Western- und Dirty Harry-Sammlung Clint Eastwoods. Sam Elliot und Mary Steenburgen geben das knorrige Landei-Gespann mit augenzwinkerndem Spielwitz und laufen damit den Morgans des Öfteren recht mühelos den darstellerischen Rang ab. Auch die diversen Zusammenstöße mit den übrigen Dorfbewohnern (die ihr Nest USA-typisch natürlich als Stadt bezeichnen) sind für ein paar nette Lacher gut.

Insgesamt überwiegen allerdings vorhersehbare Harmlosigkeiten und Albernheiten. Dank gepflegter Unterhaltung und ein paar sanften Seitenhieben auf typische Ehefallen sowie Stadt-Land-Gegensätze kommt Haben Sie das von dem Morgans gehört? zumindest noch mit dem Hauptfeld ins Ziel, wenn auch letztlich deutlich abgeschlagen. Eine spritzige Tour zu den Hot Spots der RomCom sieht definitiv anders aus. Vom Tempo her weit mehr Fiat als Ferrari und von der Eleganz weit mehr Volkswagen als Mercedes, wähnt man sich eher auf einer Sonntagnachmittäglichen Kaffeefahrt. Mit trotz aller Routine immer noch sympathischen Stars wie Hugh Grant am Steuer und Sarah Jessica Parker auf dem Sozius, ist aber auch das noch erträglich.

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