Review

Ex-Fremdenlegionär Volker Bretz bekam nicht zu Unrecht den Kampfnamen "Straight Shooter", denn er ist ein exzellenter Scharfschütze. Diese Fähigkeit setzt er nun ein, um seine Forderung durchzusetzen: Der Kernreaktor Atar II soll abgeschaltet werden, ansonsten wird jeden Tag eine Person - die unmittelbar mit dem Reaktor zu tun hat - den Löffel abgeben. Hinter diesem durchgeknallten Verhalten steckt eine Logik: Volker Bretz' Tochter starb an einer seltsamen Krankheit, die wohl darauf zurückzuführen ist, dass sie ganz in der Nähe des Reaktors wohnte. Daraufhin erhängte sich seine Frau, weil sie mit der Situation nicht mehr klar kam.

Leider traut man sich in Deutschland ja immer noch viel zu selten, sich mit eigenen Produktionen in Sachen Action/SciFi oder Horror aufs internationale Parkett zu wagen. Da ist es ja schon aus Prinzip erfreulich, das Leute wie Thomas Bohn nicht nur entsprechende Finanzen zu generieren und so eine Produktion zu stemmen, sondern mit Dennis Hopper auch ein internationales Zugpferd zu engagieren. Richtige Lust schien der gute Dennis allerdings nicht zu haben, denn bis auf seine emotionelle Szene im Krankenbett bleibt er weitgehend blass.
Große Probleme hatte ich allerdings mit der Motivation sämtlicher Charaktere. Hopper wird uns erst als mieser Zuhälter vorgestellt, der eines seiner Mädchen in die Abtreibung drängt und dieser Typ soll nachher den Guten geben? Ich weiß nicht. Unterstützt wird er in Deutschland von einer Oberstaatsanwältin, die sich innerhalb eines Tages zudem in ihn verknallt, trotz des Jobs und dem Altersunterschied von geschätzten 40 Jahren. Völlig blaß bleibt auch unser Fremdenlegionär Bretz. Ok, Tochter an Leukämie gestorben, Frau aus Kummer erhängt sich selbst, das ist zwar schlimm, aber warum er so vehement die AKW Schließung fordert bleibt vage, zumal ja nichtmal ein Hinweis auf einen Zusammenhang oder austretende Radioaktivität gegeben wird. Das ist einfach nur unnachvollziehbare Überreaktion.
Das Script weist zwar Schwächen auf, dennoch ist Straight Shooter insgesamt gar nicht mal so übel. Solide Krimikost mit einem Schuß Action, Schießereien und sogar ein Gebäude und ein Polizeiporsche wurden in die Luft gejagt. Warum Bohn im Finale dafür konsequent auf die vermeintlichen Actionhöhepunkte (Schießerei im Innenministerium, Erschießung der Ministerin) verzichtet und diese nur als Nachrichtenmeldung schildert, bleibt da dann schon sehr rätselhaft. Nett dagegen das relativ offene Ende, Schuß oder nicht Schuß, jeder darf sich seine eigene Geschichte daraus machen.
Wenn man von einigen Szenen absieht (unglaubwürdige Love Story, Mann mit Oberschenkeldurchschuß kann nicht nur laufen, sondern noch jemanden tragen usw), gibts passable Unterhaltung. Besser jedenfalls als die meisten groß rausgeprahlten Drama Event Movies, die sonst hierzulande das Programm bestimmen. Weiter so.
6/10

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