Mit seinem Film Cure "Kyua" hat Kiyoshi Kurosawa einen ebenso eigenwilligen wie fesselnden Film geschaffen. So richtig in eine der (westlichen) Filmkategorien lässt er sich nicht einordnen, er trägt sowohl Thriller- als auch Horror- und Dramaelemente in sich. Zur Story: Als sich in Tokyo eine seltsame Mordserie ereignet, ist der zuständige Kommissar (Koji Yakusho) zunächst ratlos. Die einzige Gemeinsamkeit scheint ein in den Körper der Toten geritztes X zu sein. Die Mörder befinden sich jeweils am Tatort, jedoch in einem Zustand starker Amnesie. Mit wenig mehr als dieser Information spekuliert der Kommissar zunächst auf Morde nach dem Vorbild einer Fernsehserie, doch bald zeichnet sich ein ganz anderer Tatverlauf ab, ein verstörter und an Bewusstseinsstörungen leidender Mann hatte kurz vor den Morden Kontakt zu den Tätern. Nach den angestellten Nachforschungen stellt sich heraus, dass dieser ein Psychologiestudent mit dem Schwerpunkt Hypnose ist.
Mit dem nicht unbedingt überraschenden Plot spekuliert man zuerst auf einen eher langweiligen Film, zumal er nicht wirklich ein großes Maß an Überraschungen bereithält, die Story ist sehr linear aufgebaut. Was dem Film dann aber doch Tiefe und Spannung verleiht, sind zum einen die sehr guten bis überragenden Leistungen der Hauptdarsteller, sowohl Koji Yakusho als Kommissar Kenichi Takabe (Kamikaze Taxi) und der seltsame Verdächtige Kunio Mamiya (Masato Hagiwara) spielen ihre Rollen gut und mit einer Überzeugungskraft, die den Zuschauer gut an das Geschehen führt.
Der Film, der auf der Höhe des "Ring"-Filmtrends erschien, wurde oft als Abklatsch und reine Geldmacherei bezeichnet, doch das trifft nicht zu. Vielmehr entstand er Plot zu Cure schon schon ein Jahr, bevor mit dem Dreh von Ring begonnen wurde. Außerdem bezieht sich der Film in seinem Hintergrund viel mehr auf natürliche Erklärung als auf Übersinnliches.
Der komplexe Plot, und die Story, die sich erst nach mehrmaligem Sehen erschließen, lassen sich nicht nur auf die Mordserie reduzieren, da der Film mehrere Elemente mit sich bringt. Zum einen wäre da der Kommissar Kenichi Takabe, der mit seiner geistig labilen Frau ein kompliziertes Leben führt, zum anderen die Aufklärung des Falles. Beides greift auf einander über, und die Entwicklung des Kommissars ist für den Film genauso wichtig, wie die Aufklärung der Mordserie.
Obwohl der Film keine wirklichen Horrorelemente mit sich bringt, kann er doch einige Szenen präsentieren, die durch die Arbeit mit Licht und Ton spannende Elemente bietet.
Da der Film nach etwa der Hälfte der Zeit den Pfad einer klassischen Detektivgeschichte verlässt und sich mehr seinen Charakteren zuwendet, entstehen einige Längen, weswegen der Film von mir nur 9 von 10 Punkten erhält. Trotzdem ist er ein sehr guter Film, der durchaus des Ansehens wert ist.
Noch eine Anmerkung: Für das Verständnis des Films ist das genaue Betrachten der letzten Szene von starker Bedeutung. Bei dem Ansehen sollte man also vor allem auf die letzte Szene achten.
Bewertung: 9/10