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Vorhang auf für einen Mann, der sich im Hong Kong Film Business auch in allen denkbaren Funktionen über Schauspieler, Second Unit, Assistant oder Action Director, Editor, Production Manager, Autor und schliesslich auch Regisseur selber verdient gemacht hat, aber letztlich wahrscheinlich immer nur Derjenige sein wird, der Robotrix gedreht hat: Jamie Luk Kim-ming, der seine Anfänge wie viele Andere bei den Shaw Brothers in den frühen 70ern vollzog und sich dann nach und nach in der Multimedialität empor arbeiten und vielseitig Fuss fassen konnte, ohne sich aber gleich in die Ruhmes - Jahrbücher einzuschreiben. Dafür sind die filmischen Arbeiten besonders hinter der Kamera auch zu durchschnittlich angesiedelt; eher kleingeratene Produktionen, die auf keiner Suchliste auftauchen und anscheinend schon von vornherein nicht angesetzt waren, um das grosse Aufsehen oder die entsprechende Kasse einzufordern. Der Sex/Actiontrash/Exploitation-Hammer Robotrix [ 1991 ] als vielleicht einzig wirkliche Ausnahme im Bekanntheitsgrad, weit abgeschlagen noch ergänzt mit der Bloodshed-gesprenkten Liebesgeschichte Killer’s Love [ 1993 ] und der knorken Actionkomödie Bomb Disposal Officer: Baby Bomb [ 1994 ]; die anderen 19 Werke dürften ebenso wie der hiesige Dark War eher zu den übersehenen, wenn nicht sogar gänzlich anonymen Angeboten zählen. Umso erfreulicher dann das Endergebnis, vor allem auch angesichts von Besetzung, Herstellungsdatum und dem sicherlich intoleranten Budget.

Luk lässt seine mittlerweile angejahrte und über die Zeit gefestigte Grundkompetenz mit Produktion und Umsetzung einspielen, weiss um die Tatsache, dass man dem Zuschauer zumindest optisch etwas bieten muss, wenn das Geld schon nicht zu locker für richtig aufwendige Schauwerte sitzt und holt aus der eingefroren-konservierten Geschichte ebenfalls das ästhetisch Möglichste heraus. Mangels einer höheren Absicht als dem blossen Genuss macht sich die idealgesetzte Materialität der gekonnten visuellen Erhabenheit durchgängig bemerkbar. Ausgesucht kräftige Farbkombinationen wechseln sich mit stilistischen Kleinoden und heiliggesprochen-traditionellen Montagen ab, die Zeitlupen werden zum richtigen Moment in der richtigen Methode und Modalität eingesetzt und erzeugen aus dem eh schon elegisch anklingenden Thema eine Chronik des melancholischen Todes. Die sensualistische Wahrnehmung arbeitet mit einer Einheit der Empfindung: Figuren und Handlungen werden von mehreren Seiten betrachtet - dabei auch wichtige Informationen ohne Kontext vorangestellt und erst später zur folgenden Wendung der Perzeption nachgereicht - und so den altbekannten Stoff mit eigentümlicher Frische, teilweise sogar widerscheinenden Überraschungen überzogen.

Gerade die nonlineare Erzählweise innerhalb der geschmackvollen bildlichen Sprache macht den sanft-willkürlichen Affekt des Filmes aus; der Geist und Gemüt über die steigende Minutenzahl nicht wirklich verändern, aber zumindest in eine andere Fassung bringen kann. Eine gewisse Unsicherheit im Fortgang, darauf verzichtend, alles von Beginn weg auf den Tisch zu legen, sondern seine Trümpfe manchmal im Vorübergehen und manchmal eben auch in einem Knalleffekt hervorzuholen. Die distiche Beblätterung des Textes mit insgesamt eher lyrischen Ton wird durchgängig eingehalten. Bereits in den ersten Minuten eröffnet man auf drei verschiedenen Zeitebenen, die zusammengefügt immer noch nicht das wahre Bild ergeben, aber zumindest die Andeutungen so klar erscheinen lassen, dass man dem rezitativen Plot und seinem begleitenden Bass mit einem vernetzt-assoziativen Denkvermögen ohne Schwierigkeiten folgen kann:

Ken Tsui [ Peter Ho ] arbeitet offiziell zwar als Mädchen für Alles im Celestine Citadel Hotel in Manila, bekommt aber über seinen Vorgesetzten Chang [ Yasuaki Kurata ] Mordaufträge, die er mit eiskalter Präzision ausführt. Als er die eh schon totkranke Mutter der Hostess Cici [ Pinky Cheung ] beseitigen soll, verweigert er den Dienst und erledigt stattdessen den Mittelsmann. Die prompte Rache des Syndikates kommt in Gestalt eines psychopathischen philippinischen Polizisten [ Vincent Sze ].

In dieser ausreichenden Kurzfassung addiert man noch weitere Zwischenräume, die die Vorstellung der Handlung auch entsprechend unterbrechen und sie minutenweise in parallele Sinneseindrücke, Rückblenden oder Vorwegnahmen einteilen. Hier und da treten durch die Praxis der undeutlichen Erkenntnis sicherlich einige unbeantwortete Fragestellungen auf, noch zusätzlich hervorgerufen durch eine fehlenden Charakterisierung von Nebenfiguren, die noch nicht einmal mit Namen, geschweige denn mit Hintergründen oder wenigstens Belang für die episodische Vorstellungskraft ausgestattet sind. So toben in Ruhestellen abseits der Hauptpräsentation zwei weitere Angestellte [ Jean Wang, Timmy Hung ] durch das winzige Hotel, die neben Cheng auch zu dem einzigen Freundeskreis von Killer Ken zu gehören scheinen, in der Interaktion aber weitgehend vernachlässigt und nur für den Bodycount der späteren Slasher - Anleihen bereitgehalten werden. Sowieso erscheint der Film mehr als flüchtiger und geschwinder Entwurf dann als sorgfältige Ausarbeitung; man macht sich nicht die hier als unnütz betrachtete Arbeit, ein vollständiges Ganzes zu entwickeln, sondern legt mehr Wert auf die Einzelmomente und fertigt diese entwickelten Gelegenheiten oder gar zufälligen Verbindungen mit mehr lebhafter Einbildungskraft, einbezogener Überlegung und geäussertem Weitblick an.

Dabei halten sich sowohl behutsame Einförmigkeit als auch exzentrische Mannigfaltigkeit und emotionale Zerstreuung einander gleichsam die Waage. Erinnerungen Kens an den verstorbenen Adoptivvater [ Leung Kar Yan ], den Werdegang zum Tötungsinstrument seines Adoptivbruders Henry, der als Chairman einer landesweit fungierenden Baufirma etwaige Konkurrenz ausschalten lässt und die Gefängnisvergangenheit incl. explosiver Flucht vor der bevorstehenden Exekution werden in zestreuenden, noch nachhaltig spannungserregenden Einspielern bereitgehalten und stellen den Kontrast zu der eigentlich bedrückten Funktion des besinnenden Gedenkens dar. Hinzu kommt mit der Figur des skrupellosen Polizisten eine überspannt-überkandidelte Rolle, die beinahe wie sein amerikanischer Maniac Cop counterpart aufgezogen ist und entsprechend dieser affinativ-faszinierenden Wirkungsweise den Film in seinen wenigen Auftrittsminuten von ganz alleine antreibt.

Dabei hat man durch die Berufung auf die allgemeinen Mechanismen des Triaden-/Bloodshedgenres und deren Anwendung als gesetzte Rahmenbedingungen auch die notwendigen Voraussetzungen für eine freiere Aufmerksamkeit. Takt, Harmonie, Ausdruck und Grundsätze sind in der eingängigen Geschichte ebenso wie in den üblichen Vertretern ausgeprägt und werden im Prinzip der Nachahmung auch ebenmässig angewendet. In der dramaturgischen Gesamtheit ist auch das Spiel mit Zitaten vorhanden, so wird ein Mordauftrag anhand mehrerer Reflektionen in diversen Fenstern oder anderen Spiegelungen wiedergegeben, ein mexican standoff bereitgehalten und generell sehr viel Wert auf die exakte Pose gelegt. Die so entstandende Übereinstimmung mit den ureigensten Varianten des HK Kinos und die cinematographische Vollkommenheit mit eben diesen besonderen features entspringt Luks überlegener Erfahrung. Anders als Phillip Ko, der praktisch die gleichen rudimentären Skripte, die abgesonderten Locations und das niedere Produktionsvolumen vorrätig hat, achtet Luk geschickter auf die Art des Kolorits, die Szenerie, die Möglichkeiten von Beleuchtung abseits natürlichem Lichteinfall sowie auch auf die Sinnesart der Actionchoreographie. Er verlegt sich nicht vollständig auf die stetig wiederholende Erinnerung derselben Bewegungsabläufe, sondern realisiert seine Vorstellungen konsequent, nach einem festgelegten und zuweilen wohl auch musisch inspirierten Design. Ein reell angezogenes Tempo steht gar nicht im Vordergrund, sondern eher die Wandlung von der defensiv-abgeklärten zur offensiv-agierenden Position, in einer wohlproportionierten Ästhetik. Grössere Einheiten treten gar nur zweimal auf, gefallen dann aber mit grundlegendem Handwerkszeug und einem guten Gefühl für gruppendynamische Prozesse. Eine rhythmisch konzeptierte Abfolge an flammenden Detonationen, dem Einsatz von Raketenwerfern, Handgranaten, Schusswaffen und ein wenig tänzerischem hand-to-hand combat, die durchaus so manche Freude bereiten kann.

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