"Der Richter hat euch zwar verknackt, aber euer Urteil hängt allein von eurem Verhalten ab."
Die drei kriminellen Jugendlichen Butch (Adam Butcher), Davis (Shane Kippel) und Angel (Mateo Morales) kommen nach ihren Vergehen durch Körperverletzung, Drogenhandel und Autodiebstahl in die Jugendstrafanstalt Enola Vale. Den neuen Häftlingen wird schnell klar gemacht, dass sie sich dem tyrannischen Häftling Banks (Taylor Poulin) und seiner Gang unterzuordnen haben. Davis bekommt von ihm die Schuhe gestohlen, Butch wird mitten in der Nacht verprügelt. Die Wächter versuchen die Situation zu schlichten und sperren den aufmüpfigen Butch und Davis vorübergehend in Einzelhaft. Doch Butch ergreift dennoch die erstbeste Gelegenheit um sich zu rächen.
"Dog Pound" hält sich nicht mit langen Vorgeplänkel auf. Nach einer knappen Bekanntmachung der Verbrechen verschlägt es die Protagonisten sogleich in die Strafanstalt, wo sie trotz vereinzelter Eingriffe der überarbeiteten Wächter vorwiegend sich selbst überlassen sind. Entsprechend schnell kommt es zu blutigen Machtkämpfen zwischen den Inhaftierten um die oberen Plätze in der internen Hierarchie. Allerdings lässt sich das Sozialdrama viel Zeit bis zu dessen explosivem Ausbruch und beschreibt bis dahin oberflächlich das Alltagsleben der Häftlinge.
In schonungslosem Realismus dokumentiert "Dog Pound" die Gefangenschaft als destruktiven, sozialen Mikrokosmos, der die jugendlichen Gewalttäter weniger die Möglichkeit zur Resozialisierung bietet, sondern diese im Gegenteil nur noch nachhaltiger in eine Gewaltspirale einordnet. Dabei scheint deren antisoziales Verhalten mit den richtigen pädagogischen Mitteln durchaus überwindbar. Ein Thema, dass der Film erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgreift und schließlich eskalieren lässt, anstatt es emotional in den Mittelpunkt zu stellen.
Trotz der charismatischen Jungschauspieler, die teilweise selbst direkten Einblick in Strafanstalten hatten, mangelt es an der Verdeutlichung der Figuren. Insbesonders die fehlende Dynamik untereinander verhindert Bezüge zu den im Mittelpunkt stehenden Insassen Butch und Davis. Stattdessen stolpert "Dog Pound" über Genre-Klischees und bleibt gemächlich in seiner Erzählweise.
Die Spitzen bilden eine übersichtliche Anzahl von Erniedrigungen, Gewaltausbrüchen und Misshandlungen an den Jungstraftätern. Das Sozialdrama scheut sich nicht vor drastischen Bildern, spielt aber erst zum Schluss seinen emotionalen Wirkungsgrad voll aus. Leider werden auch dort offene Handlungsstränge nicht zu Ende geführt, denn der Film endet recht abrupt und hinterlässt einen faden Beigeschmack.
Die unbekannten Alltagsgesichter tun dem Sozialdrama gut und verschaffen "Dog Pound" eine authentische Atmosphäre. Besonders heraus sticht Adam Butcher, der die Aggressionen seiner Figur visuell herausragend präsentiert.
"Dog Pound" hat beklemmende Spitzen. Es fehlt dem Film allerdings an Substanz, gerade durch die kaum vorhandene Dynamik zwischen den Figuren. Die oberflächliche Betrachtung des Gefangenenalltags wird zunehmend langatmiger. Wirklich aufwühlend ist das Sozialdrama erst zum Schluss. Trotz der gebotenen Authentizität durch unbekannte Gesichter und einer glaubhaften Kulisse, bleibt der Film zu konventionell und bricht nur durch die zählbaren Gewaltspitzen seine gemächliche Betrachtung auf.
5 / 10