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Michael Madsen gehört bekanntermaßen zu jenen Mimen, die seit den späten Neunzigern wahrscheinlich auf keinen grünen Zweig mehr kommen werden, da die Verwandlung vom guten Charaktermimen zum heruntergekommenen Psycho unaufhaltbar scheint. Doch wenn man ihn in einer guten Phase erwischt, kann er mit seiner Präsenz durchaus einen lausigen Stoff ein wenig aufwerten, wie etwa im vorliegenden Fall.

Los Angeles: Die jungen Immobilienhändler Lauren und Tyler wollen ein großflächiges Haus besichtigen und es später zu Wohnhäusern umfunktionieren. Gemeinsam mit Freundin Ashley fällt ihnen viel zu spät auf, dass sich bereits ein Psychopath (Madsen) in dem Gebäude aufhält und die Ankömmlinge bereits weit im Vorfeld genau observiert hat…

Nyktophobie ist eine recht verbreitete Angst, die vor allem bei Kindern auszumachen ist: Die Furcht vor Dunkelheit. Dass der Titel jedoch rein gar nichts mit dem Inhalt gemein hat, ist mal wieder den merkwürdigen Ideen der Verleiher geschuldet, denn im Grunde geht es bei dieser Mixtur aus Thriller und Folter nur darum, ob und wie die drei jungen Leute aus dem Gebäude gelangen und welche Hintergründe den Verrückten zu seinen Taten anspornen.

Mit den Figuren wird man allerdings nur schwer warm, denn die beiden Blondchen nerven durch gekünstelte Dialoge und überzogenes Gackern, während Tyler einen Nörgler verkörpert, den man auch nicht unbedingt in einer geselligen Bierrunde dabei haben möchte.
Insofern wird es erst ein wenig interessanter, als Madsen das Geschehen mit ein paar zynischen und schwarzhumorigen Sprüchen aufmischt und auch ein paar blutige Taten folgen lässt, die in der ungeschnittenen Fassung einen Kehlenschnitt, zwei abgesägte Finger, eine abgetrennte Hand, sowie das anschließende Behandeln des Stumpfes mit einer Stichflamme beinhalten.

Sparflammen herrschen allerdings auch vor, denn in Sachen Atmosphäre und Suspense langt es nur allzu selten zum kleinen Mitfiebern in dem leerstehenden Gebäude, welches sich kaum durch sein Interieur auszeichnet und wenig klaustrophobische Atmosphäre vermittelt.
Die eine oder andere Suchaktion ist kameratechnisch solide umgesetzt, doch anderweitig fehlt die Bedrohung durch den Peiniger, der seine potentiellen Opfer jederzeit per Überwachungssystem im Auge hat. Darüber hinaus ist das Klischee der Handys ohne Empfang besonders dann lächerlich, wenn dieses auf dem Hochhausdach inmitten von Los Angeles der Fall sein soll.

Die minimale Sozialkritik, welche zum Finale kleine Twists einbindet, rettet die über weite Teile recht dialoglastige Chose auch nicht mehr, obgleich Madsen einen glaubhaften und charismatischen Folterknecht abgibt und zumindest noch etwas von dem uninspirierten Werk rettet. Unausgegorene Aspekte werfen ihre großen Schatten über das Werk, welches sich nicht so recht entscheiden kann, ob es nun Thriller mit Polizeiarbeit im Hintergrund oder Folterfilm mit kurzen expliziten Einlagen sein möchte.
Zu wenig Suspense, kaum Atmosphäre und ein arg konstruierter Showdown, der viele Logiklöcher entstehen lässt, lassen „The Brazen Bull“ überwiegend wie einen Ochsen vorm Berg aussehen…
4 von 10

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