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Permutation steht sinngemäß für Vertauschen, Anordnen oder Neusortieren. Ein hintenan gestelltes 3.0 bezeichnet in der digitalen Welt eine Versionsnummer. Und das ganze ist ein Titel für einen sechsminütigen Kurzfilm des Franzosen Jean-Jacques Joudiau. Der Film lief im Rahmen einer Arte-Sendung mit dem Motto „Handykamera und Mutanten". Hört sich erst mal abgefahren an, aber sechs Minuten Zeit nehmen kann sich jeder. Gezeigt wird in wackligen und teilweise verpixelten Bildern die Folgen des 11. Septembers, vor allem die Bilder einer zerstörten Liebe zweier Menschen. Der Tag, an dem die Welt aus den Fugen geriet. Eine Permutation quasi, nichts ist mehr so, wie es mal war.

Die Technik, mit einer Handykamera Impressionen von diesem Tag einzufangen ist sicher ungewöhnlich. Joudiaus anfangs verpixelte Bilder vom Einsturz der Zwillingstürme sind allerdings nur ein Aufhänger für seine Gedanken, an denen er uns in den folgenden Minuten teilhaben lässt: Die Entfremdung der Menschen in einem modernen Zeitalter, dargeboten als lyrisches Gedicht, welches aus dem Off vorgetragen wird.

Wie haben wir uns in dieser Welt doch verändert. Zwei Menschen sitzen in zwei Autos und fotografieren sich gegenseitig. Ein Synonym für flüchtige und oberflächliche Bekanntschaften. Die Welt im globalen Wandel, im Umbruch. Unser Traum von Freiheit, geopfert auf dem Altar einer digitalisierten Weltordnung. Joudiaus Bilder sind verworren und symbolgeschwängert, doch in Kombination mit dem Gedicht erreicht er den Zuschauer und weckt in ihn eine eigenartige Betroffenheit, eine innere Leere und Trostlosigkeit.

Warum eigentlich 3.0? Dritte Permutation? Vielleicht sogar Dritter Weltkrieg? Die Deutung bleibt verborgen, jedoch nicht die Ahnung, einen Teil der Botschaft verstanden zu haben: Redet wieder mehr miteinander, lasst nicht zu, dass die Digitalität unser Leben bestimmt und verhindert, dass die virtuelle Welt die reale überlagert! Wir sind schließlich Menschen und keine Avatare...

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