Wer hätte nach Tobe Hoopers vergurkter King-Verfilmung The Mangler (1995) auch nur einen müden Cent darauf gewettet, daß diesem sowohl finanziellen als auch künstlerischen Flop sechs Jahre später ein Sequel spendiert werden würde. Nun, genau das ist jedoch geschehen. Also, mal gucken, wen der besessene Hadley-Watson-6-Gang-Bügel-und-Faltautomat diesmal alles so in die Mangel nimmt. Eine knappe halbe Stunde lang dachte ich glatt, ich wäre im falschen Film. Kein Mangler weit und breit, nicht einmal erwähnt wird er. Dann, in Minute 28, ist es doch noch soweit: Der Mangler ist da! Und ich guckte verdutzt, während ein dickes, fettes WTFITS (*) durch meine Gedanken zuckte. Beim Mangler handelt es sich nämlich mitnichten um den Hadley-Watson-6-Gang-Bügel-und-Faltautomaten aus Kings Kurzgeschichte bzw. Hoopers Adaption derselben. Nein, diesmal ist der Mangler ein extrem bösartiges Computervirus!
Nachdem seine rebellische Hacker-Tochter Jo (Chelse Swain, The Virgin Suicides) in seiner High-Tech-Firma eingebrochen ist, schickt sie ihr Vater (Ken Camroux) zur Strafe in ein elitäres Privat-College, das mehr Ähnlichkeit mit einem Gefangenenlager als mit einer Schule hat. Mit dem strengen, humorresistenten Rektor (Lance Henriksen, Aliens) ist nicht zu spaßen, überall sind Überwachungskameras platziert, und das Gelände ist auch noch von einem elektrischen Zaun umgeben. Als die Website des Colleges gehackt wird, deutet natürlich alles auf Jo als Übeltäterin hin. Die hat mit der Sache allerdings nichts zu tun, ist verständlicherweise stinksauer und rächt sich, indem sie ein Virus (The Mangler 2.0) aus dem Internet auf das Computersystem der Schule herunterlädt. Großer Fehler! Bald kämpfen die im College verbliebenen Schüler sowie das Personal um ihr Leben, entwickelt das Mangler-Virus doch eine kreative Mordlust, die der eines Jason Voorhees in Nichts nachsteht.
Einerseits ist es ja mutig, die Fortsetzung eines Filmes so richtig schön gegen den Strich zu bürsten und die Erwartungshaltung des Publikums frech zu unterlaufen (siehe z. B. auch Halloween III: Season of the Witch). The Mangler 2 hat mit seinem Vorgänger so gar nichts mehr gemein; stattdessen orientiert er sich an Filmen wie The Lawnmower Man (1992), Ghost in the Machine (1993) und Virus (1999). Andererseits stellt sich die Frage, wieso man den Film dann unbedingt The Mangler 2 nennen mußte, und nicht Killer-Virus, It Came from the Internet oder Stupid College Kids Must Die... Now!. Damit machte sich der kanadische Streifen das Leben selbst schwer, was sich dahingehend auswirkte, daß die Fans des "Originals" ihn leidenschaftlich hassen und mit niedrigsten Punktebewertungen abstraften. Das wiederum hat sich dieses billige Slasher-Movie einfach nicht verdient. Nicht falsch verstehen, The Mangler 2 ist ein ziemlich schlechter Film.
Das Drehbuch ist zusammengeklaut, die stereotypen Figuren (eine heiße Sexbombe, ein Stoner, eine Sportskanone, ein strenger Direktor, ein französischer Chefkoch, etc.) sind einem egal, das spannungslose Geschehen plätschert gemächlich dahin, es gibt Logiklöcher ohne Ende, und schauspielerisch gibt es ebenfalls einige Defizite zu beklagen (am besten sind noch Dominique Swains Schwester Chelse und der immer verläßliche Lance Henriksen). Aber der Streifen ist keinen Deut schlechter als der Vorgänger, und er ist schon gar nicht schlechter als viele andere Slasherfilme, die in der Hochzeit des Genres auf den Markt geworfen wurden (ja, ich sehe u. a. dich an, Friday the 13th Part VIII). The Mangler 2 ist Michael Hamilton-Wrights, der zuvor als Co-Autor des Zeitschleifenthrillers Retroactive positiv aufgefallen ist, einzige Regiearbeit.
Leider hat The Mangler 2 ein gravierendes Problem. Er ist erschreckend unblutig. Deftige Metzelszenen sind ja an und für sich das Salz in der gemeinen Slashersuppe; fehlt diese Zutat, schmeckt das Ergebnis meist fade, abgestanden und unbefriedigend. Die meisten der Kills - u. a. Tod durch Erhängen, Verbrühen, Zerquetschen, Heckenschere, Strom, Axt, Druckpresse - finden hier im Off statt. Das Virus "übernimmt" nämlich diverse Geräte und Kabel und ähnliches und setzt diese - unterstützt vom Kamerasystem - gegen die Studenten ein. Keine Ahnung, wie es das Virus schafft, das Wasser in der Sprinkleranlage zu kochen, aber damit muß man halt leben. Genauso wie man damit leben muß, daß die Brüste der Darstellerinnen stets verhüllt bleiben. Immerhin darf die hübsche Daniella Evangelista ihren Beruf hier überwiegend im Bikini ausüben. Der Showdown ist recht cool geraten und überrascht mit einem fiesen Mensch-Maschinen-Wesen. Wie schon geschrieben: The Mangler 2 ist beileibe kein guter Film. Aber so schlecht ist er auch wieder nicht. Unterer Durchschnitt, sage ich mal.
(*) What the f*ck is this shit?