„Ihr Schlampen müsst dreckiger klingen!“
Der biographische Musikfilm „The Runaways“ aus dem Jahre 2010 dreht sich um die gleichnamige, nur aus blutjungen Mädels bestehende US-Prä-Punk/-Hardrock-Band, die Mitte der 1970er auf den Plan trat, um im Rock’n’Roll-Geschäft ein paar Ärsche zu treten und u.a. aus den Mitgliederinnen Joan Jett, Cherie Currie und Lita Ford bestand. Die Regie führte Floria Sigismondi, die zuvor Videoclips inszenierte. „The Runaways“, der auf der Biographie von Sängerin Cherie Currie basieren soll, ist ihr Spielfilmdebüt und ausführende Produzentin war niemand Geringeres als Joan Jett persönlich. Leider wirkt „The Runaways“ über weite Strecken hektisch und oberflächlich wie eben ein MTV-Pop-Clip und weniger wie eine spannende, faszinierende Bandbiographie. Das liegt daran, dass man dem Zuschauer zwischen Vorstellung der späteren Runaways, Bandgründung, großem Erfolg und Zerfall der Gruppe kaum Zeit zum Atmen lässt und dadurch naturgemäß jede tiefgründigere Auseinandersetzung mit den einzelnen Charakteren ebenso auf der Strecke bleibt wie eine nachvollziehbare Entwicklung. Zugegeben, wenn man sich die kurze Lebensdauer der Band vor Augen führt, ging es seinerzeit vermutlich wirklich alles relativ schnell und „Knall auf Fall“, doch hätte nicht gerade DIESER Film die Chance zu einer interessanten Abhandlung über rebellische Teenagerinnen im Haifischbecken der chauvinistischen Musikindustrie geboten? Aber vermutlich wollte das „The Runaways“ gar nicht, warum auch immer. So wird vieles nur angerissen und wirkt stark klischeebeladen, allen voran die absolut eindimensionale Charakterisierung des durchgeknallten Managers, der die Band nach seinen Macho-Vorstellungen zu formen versucht. Es fehlt einfach zuviel, um eine ernstzunehmende Bandbiographie zu sein und der Zuschauer bleibt in seiner Beobachterrolle, taucht nie so recht in die Welt der Mädels hinab, wird nicht eins mit ihnen und dem Rock’n’Roll-Zirkus. Diese Oberflächlichkeit legt sich erst im letzten Drittel, als im Zuge der Suchtproblematik der sich lolitahaft präsentierenden Sängerin Cherie auch einmal leisere Töne angeschlagen werden und das Auseinanderbrechen der Runaways nachgezeichnet wird. Bis dahin konnte man sich in erster Linie an gelungenen Konzertszenen erfreuen sowie am Schauspieltalent der hübschen, jungen Hauptprotagonistinnen Kristen Stewart (Joan Jett) und Dakota Fanning (Cherie Currie), die nicht nur optisch optimal in ihre Rollen passen, sondern auch eindrucksvoll beweisen, dass auch außerhalb kitschiger „Twilight“-Vampirgeschichten mit ihnen zu rechnen ist. Eine beeindruckende Leistung! Und die Songs wurden tatsächlich von den Schauspielerinnen selbst eingesungen? Das wiederum ist nun wirklich großartig! Schlecht ist „The Runaways“ also keinesfalls; er hat seine paar „Magic Moments“ und vor allem dazu geführt, dass ich mit reichlich Verspätung auch endlich diese Bands (The Runaways sowie Joan Jett & The Blackhearts) für mich entdeckt habe – Klassenziel also erreicht, würde ich sagen.