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"Hat Amerikaner Luft? Oder keine Luft?"

Als der amerikanische Truckfahrer Paul Conroy (Ryan Reynolds) erwacht, findet er sich gefesselt in einem Sarg unter der Erde wieder. Als Angestellter im Dienste des Wiederaufbaus des befreiten Iraks, wurde er zuvor von Aufständischen angegriffen und anschließend vergraben. Nach der ersten Orientierung findet er ein Feuerzeug und ein Handy, sowie weiter Möglichkeiten zur Lichterzeugung. Paul nutzt sein Kommunikationsmittel zunächst für Anrufe bei seiner Familie und seinem Betrieb. Dann aber klingelt das Handy und Paul vernimmt die Stimme eines Terroristen. Er fordert eine hohe Geldsumme in nur wenigen Stunden für seine Freiheit. Paul telefoniert fortan mit der Botschaft und diversen Ämtern und kämpft mit seiner beengten Behausung. Denn die atembare Luft wird immer dünner.

Thematisch ist "Buried - Lebend begraben" alles andere als neu. Bereits im niederländisch-französischen Thriller "Spurlos verschwunden" sowie dem amerikanischen Remake "Spurlos" wurden Personen in einem Holzsarg unter der Erde eingesperrt, während parallel Angehörige und Behörden nach der vermissten Person suchten.
"Buried - Lebend begraben" lässt letzteren Teil komplett weg und begleitet über die volle Länge des Films die Person in ihrem klaustrophobischen Schicksal und ist dadurch optisch und erzählerisch innovativ.

Durch die Einschränkung des Handlungsortes auf den Sarg versetzt der Thriller das Publikum auf die gleiche Ebene des Protagonisten. Die Kamera befindet sich überwiegend in unmittelbarer Nähe von Paul und vermittelt den Eindruck, direkt neben ihm zu liegen. Die wenigen Lichtquellen unterstützen dabei die dichte Atmosphäre.
Trotz der eingeschränkten Kulisse, ist die Kamera in Bewegung, blickt seitlich oder vom Boden auf ihn oder direkt in sein Gesicht. Dadurch entsteht ein sehr intimes Verhältnis zur Hauptfigur, die selbst garnicht so viel charakterisiert wird.

Wo "Buried - Lebend begraben" Probleme bekommt ist im Vorfeld schon ersichtlich. Allzu viel zu erzählen gibt es nicht. Und was es gibt wirkt oftmals konstruiert oder ist mit Logiklücken behaftet. Sichtbar bemüht wird ein mysteriöses Handlungskonstrukt aufgebaut, dass einzig durch Telefonate geführt und nur teilweise aufgelöst wird. Hier gibt es Spielraum für Interpretationen.
Dazwischen kämpft Paul im Sarg gegen seine eigene Verzweiflung, die physische Grenzerfahrung oder seine selbst ausgelösten, gefährlichen Situationen. Wirklich ruhig ist der Film eher selten, nur durch Wiederholungen kommen ein paar Längen auf. Dadurch bleibt die Spannung überwiegend erhalten. Und gerade der fiese, emotionale Schluss wird dem Zuschauer noch länger im Kopf bleiben.

Ryan Reynolds ("Green Lantern") wirkt an manchen Stellen etwas unglaubwürdig sowie fast ein wenig zu gefühlslahm, doch überwiegend hält er die Spannung des Films mit hoch. Durch die nicht stattfindenen ruhigen Minuten und die eingeschränkte, physische Umgebung bleibt ihm ohnehin nur seine Mimik, was ihm nicht viele Möglichkeiten, seine Performance zu beeinflussen, eröffnet.

"Buried - Lebend begraben" ist ein intensives Erlebnis, das gefühlt werden will. Trotz ein paar Längen in der ersten Hälfte ist der Thriller spannend, wenn auch sehr linear erzählt. Kamera und Lichtverhältnisse erzeugen eine dichte, klaustrophobische Atmosphäre. Etwas mehr hätte es dafür bei der Handlung oder an Überraschungsmomenten sein dürfen. Und auch dem Protagonist sowie dem Darsteller fehlt es etwas an Farbe. Knappe ...

7 / 10

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