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Winter's Bone war einer von vielen Oscar-Favoriten des vergangenen Jahres und wenn man diese Information vorab bekommt, steckt man schon vorher eine gewisse Grunderwartung in den den Film hinein. In erster Linie sei gesagt, dass Winter's Bone zurecht nicht der absolute Abräumer bei den Oscars war, denn der Film stellt sich leider zu oft selbst ein Bein. Auch wenn ich ruhige und actionfreie Filme liebe, hat dieser Film dennoch einige Längen, was gerade im Arthouse Bereich eher mit einem Genickbruch endet. Ganz so schlimm ist es hier aber nicht, denn nur weil der Film aus meiner Sicht nicht der ganz große Wurf ist, so hat er dennoch eine intensive Story und lebt vor allem durch seine Schauspieler.

In Winter's Bone geht es um die 17jährige Ree, die mit ihren beiden kleinen Geschwistern und ihrer geistesabwesenden Mutter in tiefster Armut lebt. Sie schmeißt den ganzen Haushalt, kümmert sich liebevoll um ihre Familie und hat durch die ganze ärmliche Situation eine ziemlich raue Schale. Als sich eines Tages heraus stellt, dass sie wahrscheinlich ihr (heruntergekommenes) Heim verliert, macht sie sich auf die Suche nach ihrem schwer-kriminellen Vater, der die einzige Chance für ihre Rettung ist. Doch schnell stellt sich heraus, dass ihr Vater wahrscheinlich nicht mehr am Leben ist und so gibt es für Ree nur noch ein Ziel : Sie will beweisen, dass ihr Vater tot ist.

Das größte Problem an diesem Film ist die Story, die leider etwas holprig inszeniert wurde. Zwar ist die ruhige und bedrückende Atmosphäre durchaus packend, kann aber diese Intensität nicht über die gesamte Lauflänge aufrecht erhalten. Der Film geht, besonders in der ersten Hälfte, einfach zu viele Umwege und dreht sich auch immer wieder im Kreis. Während Ree auf der Suche nach Hinweisen ist, trifft sie dabei auf wirklich üble Typen und genau an diesen Stellen hat der Film seine stärksten Momente. Leider spult sich der Film dann ein wenig selbst zurück und startet quasi wieder von der Ausgangsposition und beschäftigt sich zeitweise mit Dingen, die wenig Relevanz für die voranschreitende Story vorweisen kann. Zudem fehlten mir auch einfach ein paar wichtige Aspekte, die diesem Film noch gefehlt hätten. So hätte man bspw. viel mehr auf Ree im Bezug auf ihrer Mutter eingehen müssen. Zwar bekommt man ein bedrückendes Gefühl, wie schwierig es ist mit einer solch schwer kranken Mutter zu leben, doch gerade in der Schlussphase wird diese Thematik gar nicht mehr aufgegriffen, was ich sehr bedauerlich fand, da gerade diese Bindung zwischen der kranken Mutter und Ree einige interessante Ansätze zu bieten hatte. Immerhin kriegt der Film dann in der zweiten Hälfte die Kurve und konzentriert sich intensiv auf den dramatischen Höhepunkt, der aber, genau wie der ganze Rest des Film, niemals die realistische Spur verlässt und dadurch stets glaubhaft und nachvollziehbar wirkt.

Die Schauspieler machen hier alle einen überdurchschnittlich guten Job. Allen voran natürlich Jennifer Lawrence ( "X-Men : First Class", "Der Biber"), die einfach überragend agiert. Der Film hat eine so starke Charaktertiefe, dass das Ganze schon fast wie eine Real-Life-Doku wirkt. Lawrence verkörpert die Rolle der Ree derart glaubhaft, dass es schwer fiel zu glauben, dass das alles nur gespielt ist. Ebenfalls in einer unglaublich starken Nebenrolle ist John Hawkes zu sehen, der hier den drogensüchtigen Onkel unglaublich stark verkörpert. Auch wenn er von Jennifer Lawrence an die Wand gespielt wird, ist sein Charakter dennoch die abwechslungsreichste und wahrscheinlich auch die interessanteste Figur im ganzen Film. Während man anfangs von seinem Auftreten erschüttert wird, wandelt er sich im Laufe des Films sehr ins Positive und sorgt für extravagante Dialoge, die von großer Schauspielkunst gerade zu strotzen.

Winter's Bone ist mal wieder ein Film, der garantiert nicht für die breite Masse geeignet ist. Wer eine Vorliebe für das ruhige und authentische Kino hat und zudem noch eine Schwäche für Arthouse und Independend Filme hat, wird bei diesem Film sicherlich nicht enttäuscht werden, auch wenn es ein paar Filme aus dieser Sparte gibt, die deutlich besser sind.


Fazit : Bedrückendes und sehr ruhiges Drama, mit einer unglaublich starken Jennifer Lawrence und einem ebenfalls beachtlichen John Hawkes. Wirklich sehr bedauerlich, dass die Story sich so viele Steine in den Weg legt. Ansonsten hätte es mit den Oscars sicherlich geklappt. Trotzdem ist "Winter's Bone" ein ziemlich guter und sehr empfehlenswerter Film für Genre-Fans.


7/10

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