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Die Verfilmungen berühmter Beat ’Em Ups waren selten berühmte Filme, siehe „Street Fighter“, siehe „Mortal Kombat“ – und siehe auch „Tekken“.
Nun hat ja diese Gattung eh das Problem eine vernünftige Handlung um ihre Kämpfe zu häkeln, schon bei den Spielen, wo es weniger stört, und bei den Filmen erst recht. „Tekken“ siedelt seine Wemmsereien in der Cyberpunktzukunft an, in der mal wieder machtgierige Konzerne die Erde regieren, die Straßen der molochartigen Großstädte in grelles Neonlicht getaucht sind, das die Düsternis zu überdecken versucht, und in denen es Brot und Spiele zur Belustigung der Massen gibt.
Hauptfigur Jin Kazama (Jon Foo) hat wenig Interesse am Widerstand, den es in bester „Running Man“-Tradition natürlich auch gibt. Als Tagedieb schlägt sich der Profifighter durch – bis er die Aufmerksamkeit des bösen Kazuya (Ian Anthony Dale), Sohn des Konzernchefs Heihachi Mishima (Cary-Hiroyuki Tagawa), erregt, der ihn suchen lässt, aber das Ergebnis ist bloß die Tötung von Jins Mutter. Die hat Jin immer die Identität des Papas verheimlicht, aber der halbwegs geübte Seher wird schnell erkennen, wer es denn nun ist.

Von dem Boxer Steve Fox (Luke Goss) bekommt Jin eine Chance auf Rache, denn der positioniert ihn bei den Vorausscheidungen für das Turnier, die Jin für sich entscheidet. Als Wahl des Volkes will er den Mörder seiner Mutter beim Turnier näherkommen…
Dwight H. Littles Neoncyberpunktphantasie zielt kaum aufs Hirn, sondern direkt auf den Sehnerv ab, der mit flashy Überblendungen, einem dynamischen Schnitt und exzessiv eingesetzten Stilmitteln wie Zeitlupe beharkt wird. Leider sind die reduzierten Kampfsportfilme Marke „Bloodsport“ wohl außer Mode, weshalb sich „Tekken“ mit einem unnötigen Ballast versuchter Subplots belastet, die herzlich ins Leere laufen. Jin hat eine Freundin, hat die bei Turnierantritt schnell vergessen, um mit seiner potentiellen Konkurrentin Christie Monteiro (Kelly Overton) anzubandeln, um zum Schluss aus der Turnierwelt zurück in die Normalität und zur Freundin zurückzukehren. Das Frauenbild hinterfragt man auch besser nicht kritisch, denn in der Welt von „Tekken“ haben Frauen vor allem in knappen Fummeln rumzurennen, im Turnier haben die insgesamt drei weiblichen Teilnehmerinnen jedenfalls kaum was zu vermelden.
Auch der ganze Klumpatsch um Untergrund, Konzernintrigen und die gemeuchelte Mutti, die als Erklärbär in Rückblenden auftritt, um Jin den stets passenden Rat im Kampf zu geben, ist gerade mal Katalysator der Prügelhandlung, weshalb „Tekken“ abseits des Ringes stellenweise uninteressant bis egal ist – das haben Werke wie „Bloodsport“ , „Best of the Best“ oder „Blood and Bone“ besser gelöst.

Doch „Tekken“ gibt dem geneigten Fan immerhin das, was er sehen will: Fratzengeballer satt. Mit dezentem Drahtseileinsatz und erfreulich übersichtlichen Kämpfen kann das Turnier aufwarten, wuchtige Soundeffekte verleihen den Kämpfen das richtige Feeling und die Fähigkeiten der angeheuerten Kampfsportler können sich sehen lassen (abgesehen von den Damen, die teilweise eher der Optik wegen angeheuert wurden). Die Figur des implantatverbesserten Bryan Fury (Gary Daniels) erinnert gerade aufgrund der Darstellerwahl an „Heatseeker“ und Daniels kickt mal wieder fantastisch, nur leider sind die Kampfszenen (gerade sein Finalkampf) etwas unschön kurz.
Schauspielerisch kommt Gary Daniels ebenfalls nur wenig zum Zuge, ist als wuchtige Kampfmaschine aber brauchbar. Auch Jon Foos Leistung darf als okay bezeichnet werden – falls das vom Ende des Films angekündigte Sequel wirklich kommt, dann sollte er aber lieber zulegen. Kelly Overton muss vor allem knackig aussehen (Mission erfüllt), Luke Goss ist leider verschenkt, während vom Support noch Ian Anthony Dale und Cary-Hiroyuki Tagawa als ungleiches Vater-Sohn-Gespann nachhaltigen Eindruck hinterlassen – den Rest vom Cast vergisst man schnell.

So bleibt ein ganz putziges, wenn auch stellenweise reichlich dämliches Prügelspektakel, dessen Handlung man besser zugunsten der recht sehenswerten Fights und der schicken Neon-Optik ignoriert. Kein Highlight, aber durchaus brauchbar, mit Gary Daniels Fanbonus reicht das zu 5,5 Punkten meinerseits.

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